Jodlerchilbi

«An einem Fest in Mümliswil ist man einfach dabei»

Die Jodlergruppe Schwenden aus dem Diemtigtal.zvg

Die Jodlergruppe Schwenden aus dem Diemtigtal.zvg

Diese Aussage muss stimmen, denn jährlich strömt Jung und Alt an die Jodlerchilbi des Jodlerklubs Passwang Mümliswil.

Samstagabend auf dem Weg von Mümliswil nach Reckenkien: Scharenweise marschieren Leute Richtung Festplatz, wo drei Zelte aufgerichtet sind: ein riesiges für die 53. Jodlerchilbi des Jodlerklubs Passwang Mümliswil (JKPM), ein nur wenig bescheideneres für die Raclettestube und ein kleines aber speziell auffälliges für die Bar. Auffallend sind ebenso die vielen Gruppen von jungen Menschen, die unterwegs sind. «Ja», meint Remy Fluri, der Präsident des JKPM, «wir haben nicht nur das Glück, dass in unserem Klub mehrheitlich junge Jodlerinnen und Jodler mitsingen, sondern dass auch unsere Anlässe von Jung und Alt besucht werden.»

Erhard Probst, der mit seinen drei Töchtern dem Festplatz zustrebt, lacht: «Wenn in Mümliswil ein Fest angesagt ist, dann sind wir Mümliswiler dabei. Und weil an einem Fest Alkohol ausgeschenkt wird, geht man am besten zu Fuss.» Seine älteste Tochter Denise erinnert sich, dass sie und ihre Schwestern bereits als Schulmädchen an die Jodlerchilbi mitgenommen wurden. Remy Fluri begrüsst immer wieder «Heimweh-Mümliswiler», welche traditionsgemäss zurückkommen für die Chilbi, die Fasnacht oder die Passwangviehschau.

Remy Fluri, Präsident des Jodlerklubs Passwang Mümliswil.zvg

Remy Fluri, Präsident des Jodlerklubs Passwang Mümliswil.zvg

Punkt acht Uhr eröffnet Zaubermond, das Duo aus Österreich, den Abend. Sie preisen sich an auf ihrer Website mit einem vielseitigen Stimmungs- und Tanzprogramm für jeden Geschmack. Mit volkstümlichen Melodien, Schlagersound, Rockballaden, Golden Oldies, Rock ’n’ Roll, Discohits, Countrysongs und mehr. Es ist nicht übertrieben. Nach zehn Minuten drehen sich die ersten Tanzpaare auf der Bühne, nach 20 Minuten schunkeln die nicht mehr ganz Jungen auf den Bänken und nach einer halben Stunde stehen «Leadsänger» in den Gängen und geben den Takt an. So geht es stundenlang zu und her, fröhlich und ziemlich laut. Doch zwischendurch wirds besinnlicher. Nämlich dann, wenn die Sängerinnen und Sänger der Jodlergruppe Schwenden aus dem Diemtigtal auf die Bühne treten. Da kann es durchaus passieren, dass einer aus dem Publikum «Ruhe» schreit oder durchdringend pfeift, wenn die Jodler vom Trubel der Besucher übertönt werden. Und siehe da, für ein paar Minuten ists ruhig.

«Der Aufwand ist gross»

Der Vorstand des JKPM organisiert zusammen mit den Ressortchefs jährlich dieses Fest. «Der Aufwand ist gross», hält Remy Flury fest, «aber noch nie hat jemand geäussert, man könnte es ja einmal ein Jahr auslassen.» Die Zelte werden gemietet und selbst aufgestellt. Bis vor rund 15 Jahren habe die Chilbi unter freiem Himmel stattgefunden. Doch sei das Wetter oft unstabil gewesen, was den Klub veranlasste, Zelte aufzustellen. Seither sei der gewaltige Zustrom der Gäste jährlich gesichert. Am Samstagabend sind rund 70 Helferinnen und Helfer im Einsatz; am Sonntag rund 60. Es handle sich hauptsächlich um Klubmitglieder und Familienangehörige sowie Freunde. Eigentlich hätten sie kein Problem, Freiwillige zu finden.

Freiwillig allerdings ist der Abbau der «Zeltstadt» nicht. «Am Montagmorgen um 9 Uhr haben restlos alle Mitglieder des Klubs zu erscheinen, um beim Aufräumen zu helfen», erklärt der Präsident dezidiert. Da müssten halt alle freinehmen. «Sogar die Bauern und Bäuerinnen», lacht er, «denn diese haben im Sommer anderes zu tun.» Die Mitglieder zahlen keinen Jahresbeitrag – der Einsatz bei der Räumung gilt als Tribut. Da könne niemand kneifen.

In der Raclettestube stehen die Klubmitglieder Carmen Fluri und Hugo Nussbaumer, bekannt durch seine speziellen Rollen im alle zwei Jahre dargebotenen Lustspiel, sowie Martin Meister, Ehemann von Silvia, der Präsidentin des Nordwestschweizerischen Jodlerverbands, an den heissen Käseöfen. Und in der Bar werden verlockende Drinks gemixt. Es ist eine lange Nacht und trotzdem freuen sich schon viele darauf, dass es am Sonntag mit anderer Unterhaltung weitergeht.

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