Nachruf

Als Wirtin prägte sie das Gäu: «Alp-Hanni» ist nicht mehr

Hanni Rüeggsegger prägte die Region von der «Alp» aus.

Hanni Rüeggsegger prägte die Region von der «Alp» aus.

Die Wirtin prägte während Jahrzehnten die Region.

Nachruf Wenn sich die Oberbuchsiter etwas mit Oensingen teilen mussten, dann war es unsere «Alp- Hanni», die nun leider verstorbene «Queen des Restaurant’s Alp».

Man möge mir den Ausdruck «Queen» verzeihen. Ich weiss, Hanni Rüegsegger besass nicht die Aura einer englischen Königin, für solches fehlte ihr schlichtweg das Imperium. Ihr Herrschaftsgebiet beschränkte sich auf die Oberbuchsiter Alp und ihr Interesse galt eher den umliegenden Bergbeizen als Kolonien in der Ferne. Dabei besuchte Hanni zu ihren guten Zeiten gerne die Konkurrenz auf anderen Hügelzügen des Juras auch mal in freundschaftlichen Absichten. So traf man sie vor wenigen Jahren hin und wieder zu Fuss mit Stock bedächtigen Schrittes auf den Oensinger Roggen unterwegs. Vor Jahren...

Ja, ihre Schritte wurden kürzer, irgendwann reichten sie nur noch bis zum Waldrand bei der Buchster Weid, wo man eine prächtige Aussicht über das Restaurant Alp hinweg in die Ferne und auf die Hügelzüge der Tiefmatt geniessen kann. Das war Hannis Welt – eine enge aber friedliche und schöne zugleich. Dass Hanni die Kraft nicht mehr reichte, dem runden Tisch auch mal den Rücken zu kehren, stimmte sie wehmütig. Das spürte man zutiefst im Gespräch mit ihr. «Wie geht es dir Hanni?» Darauf antwortete sie jeweils nur kurz: «Jo...», um dann eine ihrer zunehmenden und zahlreichen «Brästen» zu schildern, die sie plagte. «Hanni wird halt älter!» dachte ich dann. Dabei vergass ich nie, ihr innerlich den Respekt über die Rolle zu zollen, die sie am runden Tisch noch ausübte: Kein Gast entging ihr. Jeder wurde freundlich mit einem Nicken und zurückhaltendem Lächeln begrüsst. Fast jeden Gast kannte Hanni namentlich, wusste also, mit wem sie es zu tun hatte. Und jeder ins Lokal tretende Gast warf zuerst einen prüfenden Blick zum runden Tisch: «Ist Hanni da?» Wenn Hanni nicht da war, fehlte etwas. «Wo ist Hanni?», der erste Gedanke.

Nun ist es so: Hanni wird nie mehr da sein. Ihr Stuhl am runden Tisch wird leer bleiben. Man muss wissen: Die Leibchennummern der grossen Stars des Eishockeysports beispielsweise werden auf Zeitgedenken hinaus nicht mehr weitergegeben. Gleiches müsste eigentlich auch mit Hannis Stuhl geschehen. Sie war der heimliche Star des «Älpli», ein Statussymbol dieser Gaststätte sozusagen. Dort verbrachte sie treu ihr ganzes Leben. Mancher Jassrunde wird Hanni künftig als Lückenbüsser, als gern gesehene Mitspielerin fehlen. Jassen war Hannis Leidenschaft, der Umgang mit Karten ihr so vertraut, dass man sie gerne als Partnerin zu Tische wusste. Zum Spielen gehörte jeweils der von ihr geliebte Tropfen «Gamay» dazu, den sie allen anderen Weinen vorzog. Typisch Hanny halt! Ein bisschen Sturheit gehört dazu, wenn man ein ganzes Leben auf der Alp verbracht hat. Ohne diese Eigenschaft wäre Hanni dem Ruf der weiten Welt gefolgt. Zum Glück für das Restaurant Alp widerstand sie diesem...

Nur: jenem Ruf, dem alle Menschen nachgeben müssen, konnte auch Hanni nicht trotzen. Möge sie ruhen im Frieden. Mögen ihr die Gäste des «Älplis» ein schönes Andenken bewahren.

Hanni, hab’ keine Angst, deine beiden Buben werden die Pommes weiterhin in deinem und meinem Sinne rösten.

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