Coronavirus

Alle machten die Grenzen dicht: Wolfwiler Paar muss Weltreise abbrechen

Vom Coronavirus ausgebremst: Der Wolfwiler Simon Nützi und Fabienne Schmid mussten wie viele Schweizer ihre Weltreise abbrechen.

Anfang Woche hat das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) eine grosse Rückholaktion gestartet. Schweizer, welche sich im Ausland aufhalten, werden vom Bund dazu aufgefordert, in die Schweiz zurückzukehren. Unter den vielen Schweizern war auch ein Wolfwiler, Simon Nützi. Der Sohn des ehemaligen «Oltner Tagblatt»-Chefredaktors Beat Nützi befand sich zusammen mit seiner Freundin Fabienne Schmid zu der Zeit, als das Coronavirus immer mehr in die Schlagzeilen geriet, seit elf Monaten auf Weltreise.

Das erste halbe Jahr waren die beiden in Südamerika auf der Durchreise. «Unsere Reise haben wir in Panama angefangen, wo mein Bruder Mark eine Surfer-Lodge besitzt», erzählt Simon Nützi. Von Panama aus ging es weiter nach Kolumbien, allerdings nicht auf dem Landweg. «Dieser ist unterbrochen, entweder nimmst du das Flugzeug oder reist per Boot», sagt Nützi. Mit einem Segelkatamaran reiste das Paar mit einem Umweg über ein paar karibische Inseln nach Kolumbien. Von da aus ging es weiter ins kleinere Nachbarland Ecuador und dann via Peru, Bolivien und Chile nach Argentinien.

Als plötzlich alle Grenzen schlossen

Nützi und Schmid verliessen den Kontinent und reisten nach Südostasien. «Wir haben auf dem Weg dorthin einen Zwischenstopp in Sydney und Japan eingelegt», erzählt der 29-Jährige. Die eigentliche Reise in Südostasien begann für Nützi und seine Partnerin aber im Norden von Vietnam. Sie reisten quer durch das Land bis in den Süden. «Dabei haben wir meistens den Bus genommen, um das Flugzeug zu vermeiden», sagt der Gäuer. Von Vietnam aus ging es weiter über Kambodscha, Laos und quer durch ganz Thailand nach Malaysia.

Nach Malaysia stand der Stadtstaat Singapur auf dem Plan. Doch zu einer Reise dorthin kam es nicht mehr. Bereits in Thailand, zwischen Ende Januar und Anfang Februar, hörte das Paar das erste Mal in den Nachrichten, dass in der chinesischen Metropole Wuhan das Coronavirus sich rasant ausbreitete. «In Chiang Mai stellten die Restaurants Schilder auf, worauf stand, Chinesen seien nicht erwünscht», berichtet Nützi. In Malaysia selber war die Lage aber noch nicht angespannt und von den Behörden hatte das Paar noch nichts vernommen. Deshalb hielten Nützi und Schmid an ihrem Reiseplan nach Singapur fest. «Doch die Lage an der Grenze zu Singapur spitzte sich zu, und wir wurden in einer Unterkunft untergebracht», erzählt Nützi, der als Koordinator im Migros-Verteilbetrieb in Neuendorf arbeitet. In der Unterkunft sass das Paar gemeinsam mit Menschen anderer Nationalität fest.

«Ich fühlte mich schon ein wenig eingesperrt. Wenn du auf die Toilette wolltest, musstest du jemanden fragen, und du wurdest auf dem Weg dorthin eskortiert», sagt Nützi. In den Stadtstaat wurde das Paar nicht mehr reingelassen. Da hiess es: nur noch zurück nach Malaysia. In einem Hotel an der Grenze zu Singapur berieten sich Simon Nützi und Fabienne Schmid über das weitere Vorgehen. «Unser Ziel war es, noch nicht in die Schweiz zurückzukehren. Am nächsten Tag haben wir in die Botschaft angerufen», sagt der 29-Jährige. Dort hiess es, der Bundesrat habe sämtliche Schweizer im Ausland dazu aufgefordert, in die Schweiz zurückzureisen.

«Wir haben aber zuerst überprüft, ob wir auf den Philippinen oder in Indonesien einreisen könnten», erzählt Nützi. Dieses Unterfangen löste sich schnell in Luft auf, da die Philippinen die Grenzen dichtmachten und es auch in Indonesien zu jenem Zeitpunkt ähnliche Absichten gab. «Deshalb dachten wir uns: Wir haben schöne elf Monate verbracht, also kehren wir doch in die Schweiz zurück», sagt Nützi. Die Rückreise musste das Paar ohne Hilfe des Bundes selbst organisieren. «In Kuala Lumpur war der Flughafen fast leer. 80 Prozent der Flüge waren gestrichen. Wir hatten sehr viel Glück, dass es einen in die Schweiz gab», erzählt Nützi. Der Flieger nach Zürich war voll – vor allem mit Reisenden aus der Schweiz und Deutschland. Am Flughafen Zürich angekommen, gab es aber keine medizinischen Kontrollen. Am Passschalter überprüften Polizisten, dass die Menschen zwei Meter Abstand einhielten. «Viele der Reisenden hatten den Ernst der Lage nicht begriffen und scherzten», sagt Nützi.

Da es am Flughafen keine weiteren Anweisungen gab, ging das Paar auf Nummer sicher und entschied sich, für 10 bis 14 Tage freiwillig in Quarantäne zu bleiben.

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