Theater im Uferbau

Zwei Kommissare – reif für die Klapse

Ruedi Schläfli (Hanspeter Bader) und Paul Weckmann (Jens Wachholz) brechen mit Margit Maria Bauer im «Bau» zu neuen Ufern auf.

Ruedi Schläfli (Hanspeter Bader) und Paul Weckmann (Jens Wachholz) brechen mit Margit Maria Bauer im «Bau» zu neuen Ufern auf.

Hanspeter Bader und Jens Wachholz erwecken zwei theatrale Krimigestalten wieder zum Leben. Nach 11 Jahren kommt somit die «Sonderkommission Solothurn 11» zurück.

Sie müssen den Solothurnern mächtig ans Herz gewachsen sein, die Sonderkommissare Ruedi Schläfli und Paul Weckmann. Anders lässt es sich nicht erklären, dass man sich nach elf Jahren die «Soko-Solo11» – auch «Sonderkommission Solothurn 11» – wieder zurückwünscht. Was wie nach einem Duo im Kampf gegen das Solothurner Verbrechen klingt, ist in Wahrheit eine Kampfansage gegen den stieren Ernst des Lebens. «Soko-Solo11» war nämlich anno 2004 ein elfteiliges Krimi-Improvisationstheater.

Der Heimkehrsolothurner Hanspeter Bader schlüpfte in Schläflis Rolle, der Herzenssolothurner Jens Wachholz aus Dortmund mimte Weckmann. Ein Jahr später traf man das Duo mit dem Programm «Sosolu GmbH» auf der fiktiven Bühne der Privatwirtschaft wieder – dann blieb es lange ruhig um die Kriminalexperten.

Stattdessen gaben die Schauspieler Bader und Wachholz immer wieder durch Improvisationen und Stücke von sich reden. Auch ihre Adaptionen bestehender Werke sind dem heimischen Publikum in Erinnerung geblieben: Denkwürdig war das Stück «Fast Faust». «Seit ‹Soko-Solo11› werden wir immer gefragt, wann wir endlich wieder was auf die Beine stellen», sagt Wachholz. Insbesondere weckte im Januar eine Retrospektive der beiden die Lust nach mehr.

Und der Wunsch wurde erhört: Endlich kehren die Antihelden Schläfli und Weckmann zurück, was die Fans von damals freuen dürfte – leider in einer jämmerlichen Verfassung, was die Fans bekümmern könnte. In altbekannten Rollen zeigen Bader und Wachholz zehn Jahre später, wo die Ex-Sonderkommissare – auch zehn Jahre später – stehen respektive sitzen: in einer psychiatrischen Klinik. In einer Doppelrolle – als Patientin und als Klinikleiterin – ist zudem Margit Maria Bauer zu sehen.

Idealismus versus Goldrausch

«Operation Gold» nennt sich die Komödie über zwei Männer, die auf ihre vergangenen Stolpersteine, ihre seelischen Schrammen und existenziellen Nöte zurückblicken, und im Alter plötzlich auf die Idee kommen, idealistisch zu werden, um nach den wahren Werten des Lebens zu suchen: Freundschaft und Glück, jenseits von Materialismus, Geld und Gold. Und so wie im Stück selbst nicht alles Gold ist, was glänzt, ist auch sonst keiner, wie er sich gibt. «Es geht um Sein und Schein», sagt Wachholz.

Auf welche Weise sich aber Andeutungen an Fritz Dürrenmatts Stück «Die Physiker» bei «Operation Gold» offenbaren, sei an dieser Stelle nicht verraten. Bei allem Schwermut, der einer psychiatrischen Klinik als Bühne innewohnt: «Wir inszenieren ein satirisch überzeichnetes Anstaltsleben», sagt Bader, ein lustiges obendrein. Auf alle Fälle wird für die Insassen wieder kriminalistischer Spürsinn gefragt sein – wie bei «Soko-Solo11».

Für dieses Projekt hat das Duo Bader/Wachholz unter der Regie von Pedro Haldemann seit vergangenen Sommer Ideen gesammelt und im Januar in Proben ausprobiert. Das anderthalbstündige Krimistück hat durch improvisierendes per Video aufgenommenes Erkunden seine Gestalt erhalten. «Improvisation war die Grundlage zur Entwicklung des Stücks, auch wenn es – einmal fertig – nur noch wenig Raum für Improvisation lässt.» So habe sich die Zusammenarbeit bewährt, ergänzt Wachholz: «Nämlich, weil keiner mit fertigen Konzepten daherkommt, sondern dass durch das Zusammenwirken eine eigene Ästhetik entsteht.»

Liebeserklärung an Solothurn

Dass Wachholz und Bader ihr Stück explizit auf Solothurn münzen, sei ihr Markenzeichen, so Bauers Beobachtung, die die beiden bereits seit 2004 durch gemeinsame Projekte am Stadttheater kennt. Jens Wachholz staunt immer wieder, wenn er hier auf Besuch kommt: «Das Kulturelle hat in Solothurn immer seinen Stellenwert. Dagegen befinde ich mich in Dortmund kulturell in der Dritten Welt.» Umso mehr kämpfe er auch darum, dass sich die Wertschätzung der Kultur in seiner Heimat ändert.

Hanspeter Bader seinerseits wurde nach 23 Wanderjahren in Deutschland wieder an seinem Herkunftsort heimisch und gibt nun – einmal mehr – auf der Bühne seine Liebeserklärung an die Stadt preis. Margit Maria Bauer stammt aus Bayern und hat durch die Liebe in Solothurn Fuss gefasst. «Aber ich fühle mich längst heimisch. Solothurn ist ein wenig wie meine Heimat Passau en miniature.»

Premiere: 5. März. Weitere Daten: 6., 12., 13., 14., 19., 20., 21. März, jeweils 20 Uhr im «Uferbau» am Ritterquai.

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