Solothurn

«Wir öffnen nicht mehr»: Der «Sternen» bleibt auch nach der Coronakrise geschlossen

Das Restaurant/Pizzeria Sternen wird auch nach der Coronakrise nicht mehr geöffnet werden.

Das Restaurant/Pizzeria Sternen wird auch nach der Coronakrise nicht mehr geöffnet werden.

Das Restaurant/Pizzeria Sternen in Solothurn sollte Ende Jahr ohnehin geschlossen werden. Wegen der Coronakrise wird dies nun vorgezogen.

«Wir öffnen nicht mehr.» Mit diesem knappen Satz zieht Yvonne Bernasconi den Schlussstrich unter das Kapitel «Sternen». Der stattliche Gasthof an der Baselstrasse hat ihr Leben geprägt. 20 Jahre war sie zuletzt Frontfrau und Wirtin auf dem beliebten Restaurant mit seiner Pizzeria gewesen, das innen wie aussen 100 Plätze zählt.

Und die meist gut besetzt waren mit treuen Stammgästen. «Wir wollten ohnehin Ende Jahr aufhören. Nun, mit der Coronakrise haben wir den Entscheid vorgezogen. Denn wir wissen nicht, wie es weitergehen wird.»

Zeitpunkt des Rückzuges ist gekommen

Nach 65 Jahren im Familienbesitz schliesse deshalb das Haus in seiner heutigen Form im Juni, teilt Bernasconi ihren Gästen mit. Und: «Da die geplante Nachfolge doch nicht in der Familie gelöst werden konnte, ist für mich nun mit Blick auf die bevorstehende Pensionierung der Zeitpunkt des Rückzuges gekommen.»

Seit 1984 das damalige Ehepaar Bernasconi Alleininhaber des «Sternen» war, hatte das Haus auch die spätere Wirtin mehr und mehr gefordert. «Ich arbeitete damals im Büro und kümmerte mich um die Erziehung unserer drei Söhne.» Ab der Jahrtausendwende war sie dann vollends im Betrieb engagiert. «Ich habe die letzten 20 Jahre nur für den Sternen gelebt», zieht Yvonne Bernasconi nüchtern Bilanz.
19, teilweise jahrzehntelang treue Angestellte zählte der florierende Betrieb, der vor allem für seine saisonale Karte und die legendären Pizzen bekannt war.

Diese gibt’s noch im Takeaway ebenso wie Salate - spätestens Mitte Juni ist damit aber auch dann Schluss. «Der Entscheid schmerzt uns und wird unsere treuen Stammkunden vielleicht schockieren. Wir haben unzählige positive Rückmeldungen erhalten. Für viele geht in dieser digitalen Zeit vielleicht ein Stück Heimat verloren», dankt die Wirtin ihrer langjährigen Gastig, darunter auch viele Vereinen, die in der benachbarten Pädagogischen Hochschule ihrem Vereinsleben frönten und dann noch einkehrten.

Ein Haus mit einer langen Geschichte

Der «Sternen» hatte seine Anfänge 1634 als Sommerhaus des «Kronen»_Wirts Hans Küeffer, wo ab 1646 Wein ausgeschenkt wurde. 1678 erhielt das Haus das Tavernenrecht, ehe 1699 die Küeffers bis 1766 durch die Wirte-Dynastie Fuchs abgelöst wurden. Das ganze 19. Jahrhundert war dann die Familie Weber auf dem «Sternen», der zwischenzeitlich auch als Brauerei diente. So ist die Luzerner Bierbrauerei Spiess AG von 1899 bis 1919 als Besitzerin registriert.

30 Jahre lang wirteten dann Bläsis an der Baselstrasse, und 1955 erwarb Maria Bernasconi-Balzaretti den Gasthof. Nach ihrem Tod 1958 fiel das Haus bis 1984 an die Erbengemeinschaft Bernasconi, bis es dann in eine Familienhand kam. Ein erster grosser Umbau erfolgte 1987, unter Yvonne Bernasconi wurden dann 2012 die Fassade restauriert, und 2016 der gesamt Buffetbereich umgebaut.

Nein, verpachten wolle sie den Betrieb nicht, «ich werde einen Käufer für die Liegenschaft suchen», geht die langjährige Wirtin nun total auf Distanz zu ihrem bisherigen Lebensinhalt.

Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

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