Solothurn

Wiedereröffnung des Naturmuseums kommt mit Restriktionen – doch das stört die Besucher kaum

Die Wiedereröffnung der städtischen Museen bedeutet für regelmässige Besucher ein Stück Normalität. Doch sie geht mit weiteren Restriktionen einher.

«Es war eine Ungewissheit da: Wie wird es an der Wiedereröffnung? Kommen überhaupt Besucher? Schaffen wir es, das Museum den Richtlinien entsprechend einzurichten?» Der Museumsleiter Thomas Briner sitzt auf einem Stuhl im leergeräumten Foyer des Naturmuseums. Seine Stimme wird ab und an von lachenden Kindern und deren Müttern im Hintergrund übertönt.

Die Faszination der Kleinen über den mächtigen ausgestopften Bären im Foyer ist gross, der Wille nach Hause zu kehren klein. Die Ängste der Museumsmitarbeiter, dass nach der achtwöchigen Schliessung, sich keine Besucher mehr in die Institution trauen, hat sich nicht bestätigt. «Es war speziell für uns nach zwei Monaten wieder in den Alltag zurückzukehren. Aber wir freuen uns alle, dass es wieder losgeht und die Leute wieder ins Museum kommen dürfen.»

Nicht dasselbe wie vor zwei Monaten

Es ist der 12. Mai und das Museum auf dem zum Leben erwachten Klosterplatz empfängt nach acht Wochen wieder Besucher. Die Tore stehen einladend offen. Nach der Eröffnung der Coiffeursalons, des Detailhandels und der Gastronomie kehrt damit ein weiteres Stück Leben und Normalität in die Barockstadt. Doch schnell merkt der Besucher, dass nicht alles so ist, wie noch vor acht Wochen. Rechts beim Eingang begrüsst einem ein Desinfektionsmittelspender und die vertrauten Gesichter beim Empfang verstecken sich hinter einer durchsichtigen Plexiglasscheibe.

Der aufmerksame Besucher erkennt einen manuellen Besucherzähler in der Hand einer Mitarbeiterin. Und auch die abgedeckte Kugelbahn links vom Eingang bleibt nicht lange unbemerkt, zum Bedauern einer kleinen Besucherin. «Sie ist schwierig zu reinigen und wegzuräumen. Daher haben wir uns entschlossen, die Kugelbahn zu schliessen», sagt Briner.

Die bunte Säule mitten im Raum ist eng umgeben von Vitrinen und ausgestopften Waldtieren, wie Füchsen oder Igeln. Sie sei sehr beliebt bei den Besuchern. Mit der Abdeckung verhindere man unnötige Menschenansammlungen rund herum. «Als klar wurde, dass wir bald eröffnen dürfen, haben wir uns mit den anderen Städtischen Museen zusammengesetzt und gemeinsam ein Schutzkonzept entwickelt», sagt Briner. «Die zwei wichtigsten Massnahmen sind das Abstandhalten und die Hygiene. Deshalb wird die Anzahl Besucher eingeschränkt und auf jedem Stockwerk steht Desinfektionsmittel zur Verfügung.»

Auch auf die Nische mit den Insekten müssen die Besucher vorübergehend verzichten.

Auch auf die Nische mit den Insekten müssen die Besucher vorübergehend verzichten.

 

Maximal 50 Besucher dürfen sich gelichzeitig auf die vier Stockwerke verteilen. Das soll gewährleisten, dass die Distanz von zwei Metern zu jeder Zeit eingehalten werden kann. Das sind rund zehn Besucher weniger als insgesamt an einem normalen Nachmittag. «Unserer Erfahrung nach ist das eine angemessene Grösse», sagt Briner. Er glaubt aber kaum, dass jeden Tag so viele Leute kommen werden. Am Eröffnungsnachmittag sind es aber immerhin etwas mehr als die Hälfte der erlaubten Anzahl an Leuten, darunter vorwiegend Mütter mit ihren Sprösslingen. Auf jedem Stockwerk steht eine volle Flasche Desinfektionsmittel für sie bereit.

Platz hat es genug, Gedränge gibt es keines. Dennoch muss der Besucher feststellen, dass der Museumsbesuch während der gegenwärtigen Lage mit Verzicht einhergeht: Das Zimmer mit der Tierstimmenorgel ist geschlossen, die Insektennische mit einem Band unzugänglich gemacht. Gleichzeitig aber dürfen Berührungsflächen und damit potentielle «Virenschleudern», wie Touchscreens, Schubladen oder Klappen, nach wie vor uneingeschränkt genutzt werden. Und Kinder haben kaum Hemmungen wegen des kursierenden Virus.

Ein Abwägen zwischen Risiko und Erlebnis

«Wir haben uns überlegt, auch die Schubladen und Klappen zu schliessen. Aber dann stellte sich die Frage, wie stark damit das Museumserlebnis eingeschränkt wird», sagt Briner. «Unser Museum ist aber dermassen auf Entdeckung und Interaktion ausgelegt. Wenn wir den Besuchern auch noch das genommen hätten, hätten wir das Museum gar nicht erst öffnen müssen. So haben wir möglichst die Problemzonen zu entschärfen versucht und behalten uns vor, jederzeit nötige Anpassungen vorzunehmen.»

Massgebend für die einzelnen Entscheidungen seien drei Faktoren gewesen: Wie gut ist das Objekt zu reinigen? Wie einfach kann man es wegstellen? Und wie viel Besucherstau wird es verursachen? Ob man die verbleibenden Objekte nun anfasst oder nicht, ist der Eigenverantwortung der Besucher überlassen. Für Audiovisuelle Stationen hat man sogar eine praktischere Lösung gefunden, die ganz ohne Verzicht funktioniert. Schliesslich seien die dafür zur Verfügung gestellten Kopfhörer schwierig zu reinigen. Der Besucher findet dort neu kleine QR-Codes. Werden die mit der Kamera des Handys gescannt, kann man die Datei darauf schauen. «Wie versuchen so gut, wie möglich, Alternativen zu finden», sagt Briner und sieht die Anpassung als eine Investition in die Zukunft.
 
Die grossen und kleinen Besucher scheinen die Massnahmen und Restriktionen kaum zu stören. Zeitweise ist das Museum so lebendig und lebensfroh, dass man die begleitenden Umstände vergisst und mit auf Entdeckungstour möchte. «Ich bin vor allem wegen meines Sohnes hier», sagt eine Mutter und nickt schmunzelnd zu ihrem kleinen Bub, der seinen Vater an der Hand zum Bären im Foyer zerrt. «Er liebt das Museum.» Den kleinen grossen Andrang am Eröffnungstag scheint auch Briner erwartet zu haben und nachvollziehen zu können. «Ein grosser Anteil unserer Besucher sind wiederkehrende. Wir sind in der Region recht stark im Alltag vieler Leute verankert», sagt er. Besonders bei Kindern bestehe ein enger emotionaler Bezug zu den Objekten im Museum. Es ist also wieder ein Stück Normalität und Alltag, das mit der Eröffnung der Museen in die Leben der Menschen und vor allem auch Kinder zurückkehrt.

Meistgesehen

Artboard 1