Die vierte Klasse des Schulhauses Vorstadt hört ihrer Lehrerin Brigitte Baumann aufmerksam zu. Sie erklärt an der Wandtafel den Ablauf der nächsten beiden Unterrichtsstunden. «Denkt daran, wir sind im Endspurt», sagt sie den Schülern, bevor sie loslegen. Brigitte Baumann nimmt heute Freitag mit ihrer Klasse an der zweiten Art-Science-Night in der pädagogischen Hochschule in Solothurn teil.

Können Bilder laufen? Wie wird aus einer Streichholzschachtel eine Lochkamera? Kann Melodie eine Farbe haben? Den Antworten auf diese und viele andere Fragen werden die Kinder anlässlich der Art-Science-Night auf die Spur kommen.

Diese richtet sich aber nicht nur an Schulklassen, jeder und jede ist willkommen, um sich für Naturwissenschaften, Mathematik, Kunst und Technik begeistern zu lassen. Eine Vielzahl von Workshops und Mitmach-Angeboten laden die Besucherinnen und Besucher ein zum Mitmachen, Lernen, Entdecken und Spielen.

Die diesjährige Art-Science-Night widmet sich dem Thema «Alles in Bewegung – Spannende Begegnungen mit Kunst und Technik».

Anstrengende Vorbereitungen

«Seit den Sommerferien bereiten wir uns auf die Art-Science-Night vor», erzählt Brigitte Baumann. Sie wird mit ihrer Klasse den Stand «Mein Film läuft rund» betreuen. Hauptattraktion ist das Zootrop, im Volksmund auch Wundertrommel genannt.

Mit der über 150 Jahre alten Erfindung werden gemalte Bilder durch eine optische Täuschung in Bewegung gebracht. Sie habe Schritt für Schritt mit ihren Schülern auf die Wundertrommel hingearbeitet, sagt Baumann.

Die Wundertrommel der Viertklässler für die Art-Science-Night

Die Wundertrommel der Viertklässler für die Art-Science-Night

 Die Viertklässler des Solothurner Vorstadtschulhauses haben anlässlich der Art-Science-Night eine Wundertrommel gebastelt. Nun prüfen Sie ob ihre Zeichnungen auch funktionieren.

«Die zwei Lektionen Werkunterricht pro Woche haben wir für die Vorbereitung auf die Art-Science-Night genutzt», sagt die Klassenlehrerin.

Nun malen die Schüler der vierten Klasse konzentriert ihre Bilderstreifen. Noah Gian hat einen abbrennenden Zuckerstock gezeichnet, Charline einen zerplatzenden Ballon.

«Es ist schon streng so zu malen, weil es so genau und schön sein muss», sagt sie. Ihre Freundin Emilie pflichtet ihr bei: «Schliesslich werden ja alle unsere Zeichnungen sehen, da müssen sie echt gut sein.»

Das Malen der Bilderstreifen ist nicht ganz ohne. Der Bewegungsablauf muss genau auf 24 Bilder aufgeteilt sein, um in die Wundertrommel zu passen und von rechts nach links gezeichnet sein, sonst würde er rückwärts ablaufen.

Experiment mit der Wundertrommel: So siehts von Nahem aus.

So sieht es von Nahem aus

«Am Anfang habe ich den falschen Weg gezeichnet, da musste ich nochmals ganz neu beginnen», beklagt sich Emilie.

Was Emilie als Rückschlag empfindet, ist für Brigitte Baumann das Spannendste an der Vorbereitung auf die Art-Science-Night. «Wir sind ein wenig im Stress, denn das «Produkt» Bilderstreifen muss pünktlich parat sein. Die Schüler lernen, mit dem Druck umzugehen, Fehlschläge zu verkraften und weiterzumachen, wenn sie auf etwas hinarbeiten.»

Sie habe den Prozess als ein Experimentieren und Ausprobieren gestaltet, sodass die Viertklässler das Geheimnis der bewegten Bilder selbst entdecken konnten. «Zuerst mussten wir lernen, wie man Bilder überhaupt in Bewegung versetzt», sagt Brigitte Baumann.

Schon nur ein Daumenkino zu zeichnen, sei nicht so einfach, wie die Kinder es sich vorgestellt hätten. «Sie haben schnell gemerkt, dass man nicht einfach eine Bildergeschichte malen kann, sondern viele Bilder für nur eine kleine Bewegung zeichnen muss.»

«Ich bin schon jetzt nervös», sagt Nadjeschda. Charline auch, aber sie freut sich riesig: «Frau Baumann hat so viel Gutes von der Art-Science-Night erzählt, es muss megacool werden».