Solothurn

«Wenn Götter eine Reise machen» – Hoher Besuch aus dem Olymp in der Mausefalle

Von links: Emilia Adamo, Melis Simsir, Liam Schank, Thea Burkhardt und Mirko Sedloski vom Jugendkurs.

Von links: Emilia Adamo, Melis Simsir, Liam Schank, Thea Burkhardt und Mirko Sedloski vom Jugendkurs.

Der Jugendkurs des Theaters Mausefalle überzeugt mit der Aufführung von «Wenn Götter eine Reise machen».

Der 17-jährige Gymnasiast Liam Schank liebt die Historie und setzt sich derzeit schulisch mit der griechischen Antike auseinander. Dieses Theaterprojekt kam für ihn wie gerufen. Auf die Frage, wie es sich anfühle, jetzt auf der Bühne gleich selber den Zeus zu spielen, meinte er: «Ich war zuerst schockiert und musste meinen Mut zusammennehmen, in diese Rolle zu schlüpfen.» Aber dank seines Hintergrundwissens konnte er sich gut in diese Figur einfühlen. Er hat auch die Absicht, das Theaterspiel weiterhin als Hobby zu betreiben, denn «das Theater ist zu einem festen Bestandteil meines Lebens geworden». Liam Schank hat schon in den letzten Jahren bei Aufführungen des Jugendkurses der «Mausefalle» mitgewirkt.

Ganz im Gegensatz zu Michelle Blanc, die als erste Sirene zu sehen ist, und erstmals in diesem Rahmen spielt. Sie stand zwar schon zuvor zweimal auf der Bühne, doch befindet sie sich neu im Jugendkurs. Kolleginnen haben die 17-Jährige ermuntert, diesen Kurs zu besuchen und regelmässig in die Theaterwelt einzutauchen. Ursprünglich erhoffte sie sich eine Stärkung des Selbstwertgefühls. «Jetzt fasziniert es mich, auf der Bühne verschiedene Charaktere zu verkörpern.» Auch den übrigen 15 Mitwirkenden ist die Freude am Spielen anzusehen. Die Präsentation des Jugendkurses hat ein beachtliches Niveau, sodass sich ein Besuch der Aufführung durchaus lohnt.

Kampf zwischen Gut und Böse

Nico Barth und Lukas Rhiner, die Leiter des Jugendkurses (und bei der Aufführung für die Technik zuständig), haben die Vorlage des Stückes von Samira Rippegather, Sozialpädagogin und Mutter in einer generationenübergreifenden Grossfamilie, für den Jugendkurs eingerichtet und durch eigene Texte für den Chor ergänzt. Dass sie einen Chor, der übrigens sehr präzise spricht, eingebaut haben, ist natürlich eine Hommage an das antike griechische Theater. Mit Sirtaki-Klängen beginnt und schliesst der Abend.

Dazwischen ist auf den verschiedenen Handlungsebenen zu sehen, wie Zeus aus einem Gefühl der Langeweile wieder einmal auf die Erde will. Die Götter finden eine total veränderte Welt. Und Hades, Zeus Gegenspieler, macht sich daran, die Weltherrschaft zu erringen. So kommt es letztlich zum actionreichen Showdown zwischen Zeus, der das Gute will, und Hades, der an die Bösewichte aus den Bond-Filmen erinnert. Yann Ammon ist Liam Schank ein ebenbürtiger Gegenspieler. Mit unverkennbar komödiantischem Talent ist Mirko Sedloski als Götterbote Hermes zu sehen. Thea Burkhardt als selbstverliebte Aphrodite, Emilia Adamo als streitlustige Artemis und Melis Simsir als würdige Hera komplettieren die mit schönen Kostümen ausgerüstete Götterwelt. Die drei Sirenen (Michelle Blanc, Laurine Schmidt, Chiara Mattiello) tragen entscheidend zum Sieg des Guten bei. Nils Leuenberger als Nigel gibt gekonnt den Menschen, der zwischen Gut und Böse schwankt. Elia Blaser als Chaos Hades zudienend, Luna Cona als naive Blondi, Moritz Holliger als Hoteldirektor, Gioia Clavijo (Love), Katharina Novello (Hateful), Noel Köstel (Pain) und Liv Meier (Anger) spielen von Hades beeinflusste Menschen, bilden vor allem aber den Chor. In der unterhaltsamen Aufführung werden auch Werbespots und anderes witzig parodiert, aber schliesslich wird das Publikum, das den Mitwirkenden an der Premiere verdienten Applaus spendete, mit besinnlichen Gedanken vom Chor in den Alltag entlassen.

Weitere Aufführungen: Fr./Sa., 6./7. Dezember, je 20 Uhr; So., 8. Dezember, 17 Uhr.
Weitere Infos: www.mausefalle.ch

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