Landesweit gehen am Freitag, 14. Juni Frauen und hoffentlich auch einige Männer auf die Strasse, um gegen Diskriminierung und für Gleichstellung gemeinsam ein Zeichen zu setzen. Solothurn wird am 14. Juni zum Frauenstreik-Zentrum des Kantons, erwartet man am Nachmittag auch Menschen aus Olten und Grenchen, die ihre Streiks dort am Morgen begannen. Solidarität und das kollektive Einstehen für die gerechte Sache kennt keine (Stadt-)Grenzen. Gut so!

Café-Chaos

In Solothurn isch s zwar immer eso gsy, dass sich einige Vereinigungen einzig vom männlichen Teil der Bevölkerung vertreten sehen und Frauen trotz gesellschaftlichem Wandel keinen Platz in ihren Reihen finden. Es isch aber au immer eso gsy, dass Frauen einen erheblichen Teil sichtbarer und unsichtbarer Arbeit leisten, ohne die, würde sie niedergelegt, nichts mehr gehen würde. Ja, Frauen sind genauso am guten Gelingen unserer Gesellschaft beteiligt wie Männer. Dass sich das in vielen Bereichen wie etwa den Löhnen nicht abzeichnet, muss sich ändern.

Wenn Frau will, steht die Stadt still. Nehmen wir all die Cafés in der Altstadt. In ihnen servieren fast ausschliesslich Frauen – nicht vorzustellen, welch Chaos bei ihrem plötzlichen Fortbleiben herrschte. «Frölein, wo bliebt d’Bedienig?» All die Latte Macchiatos, Ärdbeer-Chüechli und hausgemachten Eistees – ohne Frauen schafften es diese Bestseller nicht, uns Gäste zu beglücken. Dienstleistungsberufe im Bereich der Gastronomie gehören zu den typischen «Frauenberufen», die häufig mit einem tiefen Lohn einhergehen. Wird ein Streik helfen, diese Jobs mehr wertzuschätzen?

Tourismus ohne Attraktivität

Oder Stadtführerinnen. Weigerten sich die Frauen in den Stadtführer-Reigen, Touristinnen und Touristen weiterhin kompetent und freundlich durch die Gassen zu lotsen, würde dem städtischen Tourismus-Angebot so Einiges an Attraktivität abhandenkommen. Und es sind viele Stadtführungen, die von Frauen verantwortet werden. Denn: Jobs, die mehrheitlich auf freiwilligem Engagement beruhen, lassen sich oft nicht mit einer Vollzeitanstellung vereinbaren.

Dass die Region Solothurn Tourismus gut 1400 Stadtführungen pro Jahr verzeichnen darf, ist auch der flexiblen Verfügbarkeit von nicht oder Teilzeit angestellten Frauen zu verdanken. Dass sich die Erwerbsarbeitszeit am Modell eines Vollzeit-arbeitenden Mannes und einer Hausfrau orientiert, ist nicht zeitgemäss: Die schlechte Bezahlung von «Frauenberufen» ignoriert unter anderem die Gefahr der völligen Überarbeitung bei Vereinbarkeit von Familie und Beruf genau so wie der Armut im Alter.

Der Frauenstreik am 14. Juni wird vielfältiger sein, als in diesem Text dargelegt. Gründe zu streiken gibt es viele. Ein Einziger reicht.