Solothurn

Was uns der Affe zu sagen hat: Ein Stück von Kafkla wird inszeniert

Jens Wachholz spielt den Affen von Kafka.

Jens Wachholz spielt den Affen von Kafka.

Jens Wachholz spielt in der Kulturgarage Kafkas «Ein Bericht für die Akademie».

In der Kurzgeschichte «Ein Bericht für eine Akademie» lässt Franz Kafka einen Affen philosophieren und unterschwellig die Menschen und ihren Umgang mit der Natur anklagen. Jens Wachholz benutzt dieses literarische Werk, um es als Monolog theatralisch darzustellen. Dabei wird in dieser Inszenierung in der Regie von Vera Probst und mit dem Bühnenbild von Pavel Schmidt der ganze Raum mit einbezogen. Wachholz verzichtet auf ein Affenkostüm und verkörpert diese Figur mithilfe der Schminke. Der anspruchsvolle und komplexe Text Kafkas wird dadurch aufgelockert. Dennoch steht die Sprache im Mittelpunkt und Wachholz versteht es, den Text so zu gestalten, dass das Publikum völlig in seinen Bann gerissen wird. Es wird finster. Der Schauspieler humpelt auf einen Stecken gestützt durch den Raum auf ein Podest. Dort steht ein Schreibmaschinentischchen mit einer alten Schreibmaschine. Davor ein Stuhl. Auf der anderen Seite des Stuhls ein Tischchen mit Wein und Gebäck. Wachholz kauert auf den Stuhl, spannt Papier in die Schreibmaschine und beginnt zu schreiben: «Hohe Herren von der Akademie! Sie erweisen mir die Ehre, mich aufzufordern, der Akademie einen Bericht über mein äffisches Vorleben einzureichen.» Er hält inne, schenkt sich ein Glas Wein ein und spricht nun das Publikum direkt an über seinen Umgang mit Menschen.

«Das Erste, was ich lernte, war: den Handschlag zu geben; Handschlag bezeigt Offenheit …» und Jens Wachholz gibt jemandem aus dem Publikum die Hand. Er bewegt sich durch den Raum, um bei der Schilderung seiner Gefangenschaft durch Tierfänger des Zoos Hagenbeck auf einem zweiten Podium hinter Gitter zu gelangen.

Intensives Spiel und präzise Sprachtechnik

Als in einer Kiste gefangenes Wesen kann Wachholz mit seinem intensiven Spiel und seiner präzisen Sprachtechnik das Elend eines zur Schau gestellten Tieres spürbar machen. Die doppelbödige Sprache Kafkas vermag das atemlos lauschende Publikum voll mitfiebern zu lassen. «Aber Affen gehören bei Hagenbeck an die Kistenwand – nun, so hörte ich auf, Affe zu sein. Ein klarer, schöner Gedankengang, den ich irgendwie mit dem Bauch ausgeheckt haben muss, denn Affen denken mit dem Bauch.» Der Affe kam ins Variété und beobachtet dabei ein Artistenpaar am Trapez. «Auch das ist Menschenfreiheit, dachte ich, selbstherrliche Bewegung. Die Verspottung der heiligen Natur! Kein Bau würde standhalten vor dem Gelächter des Affentums bei diesem Anblick.»

Gegen Ende des Monologs wieder der Gang durch den Raum, auf den Stuhl kauernd und mit einem Glas Wein in der Hand zieht Wachholz das Resümee: «Im Übrigen will ich keines Menschen Urteil; ich will nur Kenntnisse verbreiten.» Mit viel Applaus und einzelnen «Bravo»-Rufen quittierte das Publikum der gut besuchten Vorstellung die spannende kafkaeske Lehrstunde.

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