Solothurn
Was für und was gegen die Sanierung des Ferienheims Saanenmöser spricht

Vier Millionen Franken soll die Sanierung des Ferienheims Saanenmöser kosten. Das Pro und Contra zur Abstimmung vom 24. Januar.

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Das Ferienhaus Saanenmöser.

Das Ferienhaus Saanenmöser.

Jasmin Heri

Vor 40 Jahren wurde das Ferienheim Saanenmöser der Stadt Solothurn geschenkt. Bedingung: Das Ferienheim darf nur für die Jugendbildung und Erholung genutzt werden. Und so haben in den letzten Jahrzehnten viele Kinder und Jugendliche der Stadt ein Lager im Ferienheim Saanenmöser besucht. Sei es um Ski zu fahren oder etwa um zu musizieren. Doch das Haus ist mit über 80 Jahren nicht mehr das jüngste und entspricht bezüglich Hindernisfreiheit, Brandschutz, Erdbebensicherheit und ökologischer Aspekte nicht den heutigen Vorgaben.

Darum empfiehlt der Solothurner Gemeinderat mit 26 Ja- gegen 4-Nein-Stimmen, einen Ergänzungskredit von 3,71 Mio. Franken an der Abstimmung vom 24. Januar zu genehmigen. Die Baukosten für diese Gesamtsanierung betragen insgesamt 3,96 Mio Franken – 250000 Franken wurden bereits durch frühere Beschlüsse bewilligt. Bei einem Ja zum Kredit kann das Ferienheim von weiteren Generationen Solothurner Kinder genutzt werden.

Bei einem Nein droht gemäss der Stadt ein jahrelanger Flick- und Teilersatzstrategie. Bezüglich einem allfälligen Verkauf verweist die Stadt darauf, dass der Käufer sich gemäss Schenkungsvertrag verpflichten müsste, das Gebäude als Ferien- und Schulheim zu nutzen. 2007 diskutierte der Gemeinderat schon einmal über die Überprüfung eines Verkaufs und sagte Nein. (fvo)

Das Pro von Pierric Gärtner, Co-Vizepräsident SP Stadt Solothurn: «Ein eigenes Ferienheim ist ein Gewinn für die Stadt»

Seit 80 Jahren beherbergt das grosse weiss-braune Haus mit den roten Fensterläden in Saanenmöser im Berner Oberland die Stadtsolothurner Schülerinnen und Schüler in ihren Ferienlagern. Es ist in die Jahre gekommen, das Ferienheim – die Betten sind zu kurz, die Raumaufteilung nicht der heutigen Zeit angepasst und die elektrische Installation nicht mehr brandschutzsicher. Dennoch bleibt der Wunsch der Schülerinnen und Schüler, mit ihrer Klasse in ein Ferienlager gehen zu können.

zvg

Ein Schullager ist in der heutigen Zeit nicht mehr selbstverständlich. Für die Lehrpersonen ist die Organisation mit grossem Aufwand verbunden. Gerade deswegen ist die Möglichkeit, ein Ferienlager durchzuführen, ohne vorerst lange den Ansprüchen entsprechende Ferienheime zu suchen, ein Privileg. Ein Privileg, das aus Sicht der sozialdemokratischen Fraktion nicht einfach aus finanziellen Gründen aufgegeben werden darf. Die Renovationen sind nötig und es ist wichtig, dass das Ferienheim zeitgemäss saniert wird. So wird das Haus nicht nur brandschutzsicher gemacht, sondern es wird zukünftig auch für beeinträchtigte Personen nutzbar gemacht werden. Gerade auch deshalb ist die Sanierung in den Augen der SP unverzichtbar. Mit diesem Umbau wird das Haus für die Zukunft gerüstet. Das Ferienheim ist eine attraktive Feriendestination für Schulklassen und Jugendvereinigungen. Wird es richtig beworben, wird das Ferienheim auch mehr gebucht als heute. Das Ferienheim ist zu allen Jahreszeiten interessant und bietet mit seiner schönen Umgebung zu jeder Saison Attraktionen! Es sind nicht nur die nostalgischen Geschichten, Erlebnisse und Abenteuer, welche den Gemeinderat dazu veranlasst haben, die veranschlagten 3,96 Mio. Franken mit 26 zu 4 Stimmen klar zu genehmigen. Die Stadt Solothurn soll Lebensqualität auch ohne Rendite bieten, denn ein eigenes Ferienheim zu haben, ist ein Gewinn für die Stadt und für alle Schülerinnen und Schüler!

Das Kontra von Sven Witmer, Gemeinderat FDP: «Schöne Lagererlebnisse sind auch anderswo zu haben»

Mal ganz abgesehen von den düsteren Wolken am Finanzhimmel der Stadt als triftiges Gegenargument: Im Gemeinderat vom 17. November wurde klar, dass seitens der Befürworter vor allem die emotionale Bindung an das Ferienheim den Ausschlag gab. Man schwärmte von eigenen schönen Lagererlebnissen in Saanenmöser, wie wenn diese zwingend nur dort möglich wären – und man beschwor die Wichtigkeit von freiwilligen Schullagern, wie wenn die irgendjemand im Rat in Frage gestellt hätte. Die Lager im eigenen Heim machten bis anhin Sinn. Als Schenkung zum Nulltarif zur Stadt gelangt, konnte es trotz geringer (bis sehr geringer) Auslastung die letzten Jahre mit ca. 50000 Franken Defizit pro Jahr geführt werden, was tolerabel ist.

zvg

Das Ferienheim gehört zum Finanzvermögen. Zukäufe und Sanierungen sind nicht als Ausgaben, sondern als Investitionen mit Renditeerwartung anzusehen. Das Ferienheim muss beileibe nicht rentieren. Trotzdem: Fortan müsste mindestens das Vierfache an Mieteinnahmen generiert werden, um wenigstens aus der Ferne eine schwarze Null in Sichtweite zu haben. Die Vermarktung weg von der Schul- hin zur städtischen Liegenschaftsverwaltung mit Aufschaltung auf entsprechende Portale als Zusatzantrag ist zu begrüssen. Aber: Die «guten Wochen» im Jahr werden nach wie vor von den Stadtschulen und nach wie vor in Unterbelegung beansprucht. Das Risiko eines hohen jährlichen Defizits bleibt bestehen, und es muss die Frage erlaubt sein, ob es zu den Aufgaben einer Stadt gehört, sich als Hotelier zu betätigen. Zum Schluss: Die Lage des Ferienheims im Ort ist alles andere als günstig anzusehen, und es befindet sich in einem Skigebiet mit abnehmender Schneesicherheit. Emotionen bei einem 4-Millionen-Franken-Projekt sind fehl am Platz. Schöne Lagererlebnisse sind auch anderswo und zur Miete zu haben, auch wenn das seitens der Schule zu mehr Planungsaufwand führt.