Solothurn
Was das Haus Krieg dermassen spannend macht

Beim Haus Krieg neben dem Solothurner Stadttheater führte die Kantonsarchäologie eine Notgrabung durch. Die ersten Resultate sind bei einer Führung erläutert worden. Spannend sind vor allem der Sodbrunnen und die Mauerreste.

Katharina Arni-Howald
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Eine Besuchergruppe lässt sich die Grabungsstelle erklären.
12 Bilder
Die neusten archäologischen Funde des Hauses Krieg neben dem Stadttheater Solothurn
Vorsichtiger Blick in den Sodbrunnen im Keller
Der Sodbrunnen
Pläne
Kacheln, Dekor und Geschirr weisen auf Nutzung als Wohnung hin.

Eine Besuchergruppe lässt sich die Grabungsstelle erklären.

Hansjörg Sahli

«Es wäre verlockend, noch tiefer zu graben, aber es handelt sich bei den Ausgrabungen im Stadttheater um eine Notgrabung und nicht um eine Forschungsgrabung», erklärt die wissenschaftliche Assistentin der Kantonsarchäologie, Ylva Backman, den zu einer Abendführung erschienen Interessenten beim Haus Krieg in Solothurn.

Die erste der fünf geplanten Etappen hat viel Interessantes zutage gebracht, lässt aber noch viele Fragen offen. Etwa diejenige, ob die mächtige Mauer, die entdeckt wurde, mit derjenigen in Verbindung steht, die bei der Ausgrabung beim «Bindella» zum Vorschein kam.

Schon im 13. Jahrhundert gebaut

Das heutige Stadttheater im Süden der Altstadt liegt teilweise auf dem ehemaligen Aareufer, das erst im 14. Jahrhundert aufgeschüttet wurde. Bereits 1992 kamen an dieser Stelle über den Schwemmsedimenten Gebäudereste zum Vorschein, die darauf hindeuteten, dass hier schon im 13. Jahrhundert gebaut wurde. Diese Annahme erhärtet sich nun, wurden doch im neu entdeckten Keller im Haus Krieg Gegenstände gefunden, die auf das 13. Jahrhundert hindeuten.

Darüber freut sich vor allem Ausgräber Marco Hofstetter, der einiges über die Fundamente zu berichten weiss und den der Sodbrunnen freut, der im Keller zum Vorschein kam. Auch Ausgräber Erik Martin ist begeistert. «Es könnte sich bei der Mauer durchaus um eine Stadtmauer gegen die Aare hin handeln. Antworten werden wir erst erhalten, wenn die Auswertungen abgeschlossen sein werden.» Für Ylva Backman steht bereits heute fest: «In diesem Bereich der Altstadt wird man nie auf ein römisches Haus stossen.»

«By den Spichern»

Bleiben wir deshalb beim Haus Krieg. Wie bereits Denkmalpfleger Stefan Blank und der verstorbene Bauanalytiker Markus Hochstrasser im zweiten Band der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte über die Profanbauten der Stadt Solothurn festhielten, befanden sich auf der ungewöhnlich breiten Parzelle an der Fischergasse 22 ursprünglich zwei Hinterhäuser, die zu Bauten an der Theatergasse gehörten.

Die Zusammenlegung erfolgte vor dem 17. Jahrhundert. Urkundlich erwähnt wird der Bau als Wohnhaus «by den Spichern».

1649 erhielt Hans Jakob Rötheli die Erlaubnis, in der neu erworbenen Liegenschaft eine Schmiede einzurichten. 1783 erhielt der Küfer Peter Wirz eine beträchtliche Menge Bauholz, die auf einen umfassenden Umbau schliessen lässt. Dabei entstanden vermutlich die hölzerne Laube und der mächtige Giebel über der Gassenfassade. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde die offene Laube mit Fenstern geschlossen und die Fassadenmauer teilweise abgebrochen.

Mindestens zweimal gebrannt

Die von der Kantonsarchäologie nun zum Vorschein gebrachten, kreisrunden Bottichfundamente, die Spuren von Fasseinbauten und Brandspuren beweisen, dass das Gebäude über eine lange Zeitspanne zu gewerblichen Zwecken genutzt wurde und, dass es mindestens zweimal gebrannt hat. Die von Ausgraberin Simone Meyer präsentierten Scherben von Ofenkacheln, Steinmörser, Marmordekors und Kochgeschirr weisen zudem darauf hin, dass das Haus auch als Wohnhaus genutzt wurde. Bauforscher Urs Bertschinger, der im nur über eine Leiter erreichbaren ersten Stock über alte Balken aus Tannenholz und andere Highlights erzählt, hält fest, dass es sich lohne, für diese Baugeschichte etwas Geld zu investieren. «Von den Baubefunden her stehen wir hier in einem der spannendsten Häuser der Altstadt.»

Während im Haus Krieg noch eifrig Fragen gestellt und beantwortet werden, steht Grabungsleiter Fabio Tortoli bereits mit einem Fuss im Administrationsgebäude des Stadttheaters. «Eine eher kleine Ausgrabung», erklärt er, «aber der Liftschacht macht es möglich, dass wir auch dort an einer Stelle ein bisschen tiefer graben können.»

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