Solothurn

Vorstädter Chilbi: Menschen bilden das Vaterland

Die Bruderschaft Sanctae Margarithae wirbt für die heimischen Werte an der Vorstädter Chilbi in Solothurn.

«Es muss wohl an der Muttersprache liegen, dass das Vaterland ausser Mode kommt.» Mit diesem Zitat von Erwin Koch eröffnete Divisionär Andreas Bölsterli seine Vaterländische Ansprache an der Vorstädterchilbi der Bruderschaft Sanctae Margarithae. Und weiter: «Man identifiziert sich immer weniger an gemeinsamen Werten und Traditionen, sondern mehr an Eigeninteressen und Eigennutz, der Begriff Vaterland hat in der globalen Welt an Bedeutung verloren. Die Bruderschaft macht da allerdings eine löbliche Ausnahme.»

Er ging dann auf die Veränderungen in der Sicherheitslage ein und brach eine Lanze für eine Miliz-Armee auf dem Fundament der Allgemeinen Wehrpflicht. Die müsse aber flexibel einsatzbereit, gut ausgebildet, vollständig ausgerüstet und regional verankert sein. «Wenn sich die Parlamentarier zwar in grossen Zügen einig sind über die Notwendigkeit der Armeentwicklung, nicht jedoch über die Art der Finanzierung, dann steht für mich die Sicherheit auf dem Spiel. Wir müssen den Bürgersoldaten die Ausbildung und das Material bereitstellen, das ihnen die Chance gibt, ihren Auftrag zu erfüllen, Menschen zu schützen.» Bölsterli erinnerte an den Satz von Nobelpreisträger Thakur: «Nicht der Boden ist das Vaterland, sondern die Menschen darauf.»

Abwechslungsreiche Chilbi

Der Toast aufs Vaterland war ein erster Höhepunkt beim Bruderschaftsmahl. Begonnen aber hatte der Sonntag mit elf Böllerschüssen, die seit Urzeiten den Beginn der Vorstädterchilbi anzeigen. Viele kamen, auch um das Ständchen der Blaskapelle Konkordia zu hören, und liessen sich gar dazu hinreissen, zwei Strophen des Solothurnerliedes zu singen. In der Alten Spitalkirche zum Heiligen Geist sodann zelebrierte Ehrendomherr und Ehrenprediger Paul Rutz die Messe, und die Predigt hielt Pfarrer Koen de Bruycker. Der Domchor St. Urs gestaltete als Ehrenverein den feierlich-erhebenden Festgottesdienst mit.

Vorstand, Ehrenbrüder und Offizielle besuchten anschliessend im Spital die ehrwürdigen Schwestern sowie kranke Brüder und Schwestern. Bald aber wurde, nun wieder im Alten Spital, bei der Pfannenprobe die obligate Krebsensuppe auf ihre Konsistenz geprüft.

Der Chilbimarsch der Kapelle Gebrüder Reber und das Tischgebet von Pfarrer de Bruycker eröffneten das Bruderschaftsmahl. Nach Vorspeise und Krebsensuppe ehrte Obmann Franz Gamper die Toten. Anschliessend an den Hauptgang hielt Cancellarius Patrick Schwaller mit dem gereimten Protokoll über das letztjährige Chilbigeschehen den Brüdern den Spiegel vor.

Schlacht um den Vortanz

Etwas martialischer gehts dann jeweils im Schlachtbericht des Robert Glutz von Blotzheim zu. Der Cancellarius deklamierte den dramatisch-bildhaften Text und verlieh ihm Leben. Gleichsam den Schlusspunkt zu dieser «Szene» setzend, liessen die Brüder mit Unterstützung der Chilbikapelle das Bruderschaftslied erschallen.

Ebenso dramatisch gings bei der Versteigerung des Vortanzes zu, Bieter Daniel Ritschard musste all seine Aufmerksamkeit aufbieten und mit Entschiedenheit dazwischen gehen, wenn sich die Gebote allzu heftig überschlagen wollten. Am Schluss der Versteigerung nach amerikanischer Art ging der Vortanz für 1'073 Franken an Sergio Wyniger und Gattin Isabelle. Alsbald setzten sie sich an die Spitze des Chilbizügleins und führten es bis zur Mitte von Kreuzacker- sowie Wengibrücke und zurück in den Oberen Winkel, wo man sich gemeinsam mit vielen weiteren Gästen der Bränteläärete widmete.

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