Bäckerei-Konditorei Trüssel

Von Trüssel zu von Arx: Solothurner Bäckerei macht Platz für eine ältere Tradition

Ursula, Fabio, Ramona und Kurt Steiner übernehmen von den Inhabern Marianne Ricklin und Ueli Trüssel (v.l.).

Ursula, Fabio, Ramona und Kurt Steiner übernehmen von den Inhabern Marianne Ricklin und Ueli Trüssel (v.l.).

Ab Januar wird die Bäckerei-Konditorei Trüssel mit Café von Familie Steiner-von Arx geführt. Diese tritt das Erbe früherer Generationen an.

Es sind nicht nur die «träfen» Sprüche auf Kreidetafel, die viele Passanten ins Haus Nummer vier an der Hauptbahnhofstrasse locken. Vor allem betört der Duft der Backwaren aus der Backstube von Ueli Trüssel und seiner Lebenspartnerin Marianne Ricklin. Der Duft wird bleiben, nur geht der Betrieb von Bäckerei und Café Trüssel in neue Hände über: Die Geschäftsleitung übernehmen ab Januar Ursula, Ramona, Fabio und Kurt Steiner.

Eine bewegte Bäckerei-Geschichte

Obwohl «neu» zu relativieren ist, da hier eine noch ältere Tradition nach Unterbrüchen ihre Fortsetzung findet: Die Familie von Ursula Steiner, geborene von Arx, betrieb hier schon seit 1906 eine Bäckerei. Ihre Grosseltern Lina und Jakob von Arx und später auch deren drei Kinder Jakob jun., Trudi und Alice hielten den Betrieb tatkräftig am Laufen. Ende 1969 ging die Bäckerei von Jakob von Arx jun. und dessen Frau Margrit schliesslich in andere Hände über, die Liegenschaft blieb aber weiterhin im Besitz der von Arx.

Parallel nahm Trüssels Ära ihren Start auf dem Friedhofplatz: Dort eröffnete Ueli Trüssels Vater 1970 eine Bäckerei mit Backstube. Er selbst führte den Betrieb, der bis 2013 Bestand hatte, ab 1983 weiter und erweiterte die Geschäftstätigkeit ab 1989 auf den Standort an der Hauptbahnhofstrasse.

Fabio Steiner: «Ich lebe für den Beruf»

Fabio Steiner von der vierten von-Arx-Generation ist im Hause «Trüssels» ein bekanntes Gesicht, absolvierte er doch dort seit 2010 die Lehre als Bäcker-Konditor und war auch später mit Unterbrüchen in Trüssels Backstube tätig. So kommt es nicht von ungefähr, dass er es schon früh im Hinterkopf hatte, eines Tages das Geschäft zu übernehmen. «Ich lebe für den Beruf», schwärmt er.

Derweil wird Ursula Steiner die Administration übernehmen – in ihrem ehemaligen Kinderzimmer im Obergeschoss, das heute als Bäckereibüro dient. Tochter Ramona wird für Marketing und Dekor zuständig sein und ihr Mann Kurt für technische Belange. Marianne Ricklin wird ihre Dienste als stellvertretende Geschäftsleiterin mit dem Hintergrund als Bäckerin-Konditorin weiterhin zur Verfügung stellen.

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Wenn das Geschäft dann nicht mehr Trüssel heisst

Lediglich Ueli Trüssel macht den Schritt in die überfällige Pensionierung und freut sich auf die kommende Zeit. Einen Wermutstropfen sieht er aber schon auf sich zukommen: «Wenn der Tag da ist, da das Geschäft nicht mehr den Namen ‹Trüssel› trägt, wird mir dies schwerfallen.» Einstweilen beabsichtigen Steiners aber einen sanften Übergang in die neue Ära. Und: «Die Produkte bleiben so hochwertig und saisonal, wie sie jetzt sind», sagt Fabio Steiner. Langfristig soll ein moderner Touch in die Produktegestaltung kommen. Angedacht ist auch ein Catering-Dienst, den es bisher noch nicht gab. Denn: Ohne Innovation ist keine Bäckerei mehr zu halten.

Einfach ist das Umfeld der Branche nicht – und ebenso wenig ist es das direkte, geografische an der begehrten Passantenachse. Seit 2016 buhlt, einen Steinwurf entfernt, auch die «Stadtrösterei» um Kundschaft. Weiter sind es Imbissbuden und Takeaways, die im Quartier gerade die jüngere Kundschaft der Berufsschüler ansprechen. Und: Ebenfalls wenige Meter entfernt, in der ehemaligen Modeboutique, lässt sich ein weiterer direkter Mitstreiter nieder: die in Zürich ansässige Bäckerei-Kette «Happy Beck» eröffnet dort voraussichtlich im März eine Filiale.

Den Herausforderungen sieht Bäcker-Konditor Fabio Steiner gelassen entgegen: «Mitstreiter beleben das Geschäft.» Und leitet daraus ab: «Ungeachtet dessen werden wir uns weiterhin darauf konzentrieren, mit frischer Backware aus der hauseigenen Backstube zu brillieren.» – «Wir», das sind 14 Mitarbeiter oder 10 Vollzeitstellen, sowie zwei Lehrlinge, die hier eine alte Bäckereitradition fortführen.

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