Stadtbummel Solothurn

Über das Spielbrett (und über den Rand hinaus)

Im Monopoly Solothurn kann man den Stalden und andere Gassen und Plätze kaufen.

Im Monopoly Solothurn kann man den Stalden und andere Gassen und Plätze kaufen.

Ich kaufe den Stalden! Kurze Erklärung: In den vergangenen Wochen haben Brettspiele enorm an Bedeutung gewonnen. Auch Monopoly ist hoch im Kurs. Ein emotionales Spiel. Und seit es die Solothurner Edition gibt, haben die Emotionen ein neues Level erreicht.

Am Anfang war der Stalden. Wortwörtlich. Die Gasse ist auf dem günstigsten Feld abgebildet, welches das erste auf dem Spielbrett ist. Am meisten blechen muss man für die Baloise Bank Soba. Eine Bank – viel Geld – das macht wohl Sinn. Bei Monopoly geht es aber nicht immer um Logik. Dass der Stalden so weit abfällt, erscheint unfair. Steht man etwa vor der Baloise Bank Soba eine Gasse lang Schlange, weil es tolle Glace gibt? Bietet die Bank nicht zwei oder drei, sondern gleich vier Coiffeursalons? Blumen und griechische Mahlzeiten? Nein! (Natürlich nicht, es ist ja eine Bank. Aber wie gesagt: Es geht nicht um Logik.) So versuche ich stets, die Ehre der Gasse zu verteidigen und das Feld auf dem Brett zu ersteigern. Auch wenn das aus taktischen Gründen keinen Sinn macht.

Ähnlich verhält es sich mit dem Feld «Bücher Lüthy». Das will man, unbedingt. Und das gibt man, wenn man es hat, nie, nie, nie mehr auf. Auch wenn man alles verpfänden, irgendwelche Abmachungen mit Mitspielerinnen und Mitspielern treffen, und sämtliche erbauten Hotels verscherbeln muss. Auch wenn man verliert. (Was vielleicht auch daran liegt, dass man zu viel in den Stalden investiert und die Baloise Bank nicht ersteigert hat, weil man in der Folge zu wenig Cash hatte.)

Aus diesen emotionalen und nicht ganz logischen Gründen würde ich auch folgende Gassen ersteigern – wenn sie es denn auf das Spielbrett geschafft hätten: das Nictumgässlein. Die Propsteigasse. Die so oft als «das bei der St. Ursen» bezeichnet werden; obwohl sie so wunderbare Namen hätten. Oder die Weberngasse, die nach gefühlt 10 Schritten aufhört, dafür ein Kultlokal beheimatet, vor dem die Stammgäste auch sitzen bleiben, wenn mal der Wirt wechselt.

Ganz bestimmt würde ich auch die St. Urbangasse ersteigern. «Die ruhige Gasse, die hinter der Barfüsser.» Für mich die Gasse, in der es in dem einen Biolädeli die eine Bouillon gibt, die am besten gegen den Herbstblues und den Kater hilft. Auf dem Spielbrett existiert auch sie nicht. Sie ist aber zu empfehlen. Gerade morgens, wenn der warme Duft von Gipfeli – aus der Backstube des Cafés mit Haupteingang an der bekannten Gurzelngasse – durch die inzwischen etwas kühlere Septemberluft weht. Das kann man für alles (Spiel-)Geld der Welt nicht kaufen. 

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