Tradition
Der Hilari-Tag ist eine Solothurner Tradition – doch woher kommt dieser Brauch?

Am 13. Januar ist in Solothurn Hilari-Tag und die Stadt verwandelt sich in «Honolulu». Das müssen Sie dazu wissen.

Judith Frei
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Die Narrenzunft Honolulu sorgt dafür, dass die Rathausgasse wieder Eselgasse heisst.

Die Narrenzunft Honolulu sorgt dafür, dass die Rathausgasse wieder Eselgasse heisst.

Tom Ulrich (2021)

Den Ursprung, die Stunde null einer Tradition zu ergründen, ist nur selten möglich. Auch bei den Anfängen der verschiedenen Traditionen der Fasnacht in der Stadt Solothurn verhält es sich nicht anders. Die Grundzüge der heutigen Fasnacht sind im 19. Jahrhundert angelegt, doch die Wurzeln reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück.

Dass der Fasnachtsbeginn am Namenstag des heiligen Hilarius gefeiert wird, hat eine lange Geschichte. Quellen belegen, dass an diesem Tag schon im 17. Jahrhundert der Beginn der Fasnachtsbälle gefeiert wurde. Der lateinische Name Hilaris lässt sich mit «fröhlich» oder «heiter» übersetzen. Das fanden die Solothurner damals passend für den Anfang der fünften Jahreszeit.

Hilari 2022 Solothur: Die Rathausgasse ist wieder die Eselgasse.

Hilari 2022 Solothur: Die Rathausgasse ist wieder die Eselgasse.

Hanspeter Bärtschi (2022)

In den meisten Orten ist der Fasnachtsbeginn am 11. November. Dass in Solothurn der 13. Januar gefeiert wird, ist charakteristisch für die hiesige Fasnacht. Dieser Tag wird noch in anderen Orten des Kantons gefeiert. Auch die Chesslete ist ein typisch solothurnischer Anlass. Sie ist der erste Anlass der Fasnachtswoche.

Requisiten sind Erkennungszeichen

In seiner heutigen Form wird der Anfang der heiteren Zeit hingegen erst seit 1853 gefeiert. Seither läutet die Narrenzunft Honolulu, die damals noch Faschingsgesellschaft Honolulu hiess, mit ihrer närrischen Generalversammlung die Fasnacht ein. Seit 1940 kommt es anschliessend zum «Hilari-Umgang». Die Zunftmitglieder marschieren in ihren grünen Nachtwächtergewändern und mit den dazugehörigen Mützen durch die Stadt.

Die Narrenzunft in Aktion.

Die Narrenzunft in Aktion.

Tom Ulrich (2021)

Das Narrenzepter, die Narrenglocke, die Narrenlaterne und das «blecherne Buch», die sie mit sich tragen, dienen als Erkennungszeichen.

Am Ende des Hilari-Tags heisst Solothurn Honolulu

Während des «Umgangs» kehren die Zünftler viermal ein und geben ihr satirisches Programm zum Besten. «Tout Soleure» vernimmt dann die «Chronique scandaleuse» der letzten zwölf Monate. Der Rundgang führt vom «Alten Stephan» in die «Couronne», den «Roten Turm» und zuletzt in das «Zunfthaus zu Wirthen». Begleitet wird der Umzug von der Hilari-Musig und den Tambouren.

Solothurn steht auf dem Kopf und wird zu Honolulu.

Solothurn steht auf dem Kopf und wird zu Honolulu.

Tom Ulrich (2021)

An diesem Tag wird Solothurn zu Honolulu. Ab jetzt steht alles auf dem Kopf und die Solothurnerinnen und Solothurner identifizieren sich mit den Menschen, die auf der anderen Seite der Erdkugel leben. Das politische Oberhaupt der Stadt Solothurn wird durch den Ober der Narrenzunft Honolulu abgesetzt und bis zum Aschermittwoch ist er das Stadtoberhaupt. Seit den 1970er-Jahren wechselt die Zunft zudem das Schild der Rathausgasse aus. Während der heiteren Zeit heisst sie Eselgasse.

– Lebendige Traditionen, Bundesamt für Kultur (BAK), Solothurner Fasnacht, Kira von Rickenbach und Franziska Schürch (2018).
– Die Geschichte der Narrenzunft finden Sie hier.

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