Solothurn
Töne, Informationen, Essen und Trinken aus neun Glaubensrichtungen

Wer sich an diesem Wochenende über Religionen informieren wollte, konnte sich in Solothurn dem interreligiösen Spaziergang anschliessen, der dreieinhalb Stunden dauerte.

Nadine Schmid
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Zuschauer in der St. Ursen-Kathedrale
38 Bilder
Interreligiöser Spaziergang durch Solothurn
In der St. Ursen Kathedrale, Gheorghe Zdrinia vor dem Publikum
Pfarrer Klaus Wloemer
Präsident der Christkatholischen Kirche Peter Wagner erklärte zum Schluss noch einige Eigenheiten des Kirchbaus
Der Altar ist blau, weil blau eine reine Farbe ist und symbolisch für den heiligen Geist steht
Im Tabernakel werden die in der Eucharistifeier konsekrierten Hostien aufbewahrt
Die Teilnehmenden suchen sich einen Platz in der Kathedrale
Die Fatih Moschee
Natürlich muss man sich die Schuhe ausziehen, wenn man eine Moschee betritt
Natürlich muss man sich die Schuhe ausziehen, wenn man eine Moschee betritt
In der Fatih Moschee wird der Islam vorgestellt
Der Imam beim Gebet
Der Imam beim Gebet
In der Fatih Moschee wird der Islam vorgestellt
In der Fatih Moschee wird der Islam vorgestellt
In der Evangelisch-Methodistischen Kirche
Urs Rickenbacher, Pfarrer der Evangelisch-Methodistischen Kirche, erklärt den Teilnehmenden seine Religion
In der Evangelisch-Methodistischen Kirche
In der Evangelisch-Methodistischen Kirche
Ein Widder- oder Schafshorn wird hier nach altem jüdischem Brauch geblasen
Interreligiöser Spaziergang Solothurn - Judentum
Interreligiöser Spaziergang Solothurn - Judentum
Interreligiöser Spaziergang Solothurn - Judentum
Der Organisator des interreligiösen Spaziergangs, Roland Lehmann, teilt die grosse Teilnehmergruppe vor dem Alten Spital auf
Für den Hinduismus spazierten die Teilnehmer in den Alten Spital
Buddhismus im Alten Spital
Buddhismus im Alten Spital
Buddhismus im Alten Spital
Ein Widder- oder Schafshorn wird hier nach altem jüdischem Brauch geblasen
Das Wasser dient im Buddhismus als Opfergabe
Das Wasser dient im Buddhismus als Opfergabe
Jetzt gehts in die Evanglisch-Reformierte Kirche
Pfarrerin Alexandra Flury-Schölch in der reformierten Kirche, die 600 Menschen Platz bietet.
Die Pfarrerin der Evangelisch-Reformierten Kirche, Alexandra Flury-Schölch, erklärt den Altar in der reformierten Kirche

Zuschauer in der St. Ursen-Kathedrale

Nadine Schmid

Ein- und Ausstieg war jederzeit möglich, der Andrang sehr gross: Über siebzig Personen nahmen teil. Organisiert wurde der Anlass von der Regionalgruppe Solothurn «Runder Tisch der Religionen».

Der Start war bei der evangelisch methodischen Kirche, um von dort aus zu den weiteren Sakralbauten zu spazieren. Beim Alten Spital teilte man sich in drei Gruppen auf und erhielt einen Einblick ins Judentum, den Hinduismus und den Buddhismus.

Vier christliche Kirchen besucht

Über die zwei Funktionen der römisch-katholischen St.Ursen-Kathedrale klärte Pastoralassistent Gheorghe Zdrinia auf. «Sie ist Bischofssitz und Pfarreikirche. Mit dem Bau wurde 1762 begonnen, typisch für Solothurn wurde sie elf Jahre später geweiht.» Kurz darauf zeigte Zdrinia auf den Bischofssitz. «Hier darf übrigens kein Bischof ausser Bischof Gmür sitzen.»

Überraschen konnte auch die grosse reformierte Kirche, die 600 Menschen Platz bietet. «Als sie mitten im Ersten Weltkrieg erbaut wurde, war sie die einzige Kirche zwischen Flumenthal und Selzach», stellte Pfarrerin Alexandra Flury-Schölch vor. Speziell: Unter ihrem Dach befindet sich quasi alles, oben gibt es Sitzungszimmer, im Untergeschoss Räume für Jugendliche und Kinder.

In der evangelisch-methodistischen Kirche gibt es fast täglich überkonfessionell ein Frühstück für Suchtkranke. Wichtig ist auch die Arbeit mit Kindern. Nach Pfarrer Urs Rickenbacher sei diese Kirche durch ein Versehen entstanden. «Eigentlich war es eine Bewegung, die mehrere Katholiken im 18. Jahrhundert ins Leben riefen. Doch eine neue Kirche wollten sie nicht gründen.» Somit gäbe es keine Unterschiede zur römisch-katholischen Lehre.

Über die Abspaltung der Christkatholiken nach dem ersten vatikanischen Konzil (1869-1870) erhielten die Anwesenden beim letzten Posten, der Franziskanerkirche, Informationen. «Damals wurde die Unfehlbarkeit des Papstes beschlossen», beschrieb Pfarrer Klaus Wloemer. «Wer das nicht akzeptierte, wurde exkommuniziert. So entstand diese Kirche.» Bald darauf kam es zu grundlegenden Änderungen, so die Heiratserlaubnis von Pfarrern. Seit 1990 dürfen Frauen geistliche Ämter ausüben. (nsg)

Ein Horn aus alter Zeit

Vor dem Restaurant «zum Chregu» bläst Jüdin Rosalina Hönger in den Schofar, ein Horn das von einem Widder oder von einem Schaf stammen kann. «Es gibt verschiedene Töne. Geblasen wird es unter anderem bei Festzeiten», erklärt ihre Freundin und Jüdin Korona Hupfeld. Seit 32 Jahren gibt es in Solothurn keine jüdische Gemeinde mehr. Seither müssen die Juden des Kantons ihren Glauben in einer anderen Gemeinde ausüben, etwa in Basel.

In einem der Zimmer des Alten Spitals erzählt die interkulturelle Übersetzerin Karthiyagini Kirupakarasarma vom Hinduismus, dessen Himmel Millionen von Göttern beherbergt. Die Vielfalt entspringt den vielen Gruppen und Ländern, die diesen Glauben leben. Einen Tempel gibt es in Grenchen und Trimbach. «Es geht darum, die Seele von der Wiedergeburt zu befreien. Das kann man nur, indem man ein ganzes Leben lang Gutes tut. Beim kleinsten Vergehen ist klar: Man wird wiedergeboren.»

Ein gutes Herz erlangen

Einmal im Monat treffen sich die 200 Tibeter des Kantons in Olten, wo sie einen Tag lang für den Weltfrieden beten. Lobsang Damchoe ist einer von ihnen. Zwanzig Jahre lang war er Mönch der Dalai Lama Schule in Tibet, er musste fliehen und kam vor zwei Jahren in die Schweiz. «In allen Strömungen des Buddhismus geht es darum, ein guter Mensch zu werden, dies indem man gut zu Mitmenschen ist», erklärt Damchoe auf Englisch, während das Publikum lauscht und selbstgemachten Chai-Tee trinkt. «Es gibt sechs störende Gefühle. Es gilt, diese ins positive zu kehren.» Wer die Kontrolle über diese Gefühle hat, kann ein guter Mensch sein.

Einen arabischen Abendgesang gab es in der Fatih Moschee zu hören. Der Imam Ali Demir aus der Türkei sang mit mächtiger, gefühlvoller Stimme. Der in der Schweiz geborene Mustafa Dikbas erklärte die Grundsätze des Korans und dessen fünf Säulen: Glaubensbekenntnis, Gebet, Menschliebe, Fasten und die Aufforderung, einen Teil seines Vermögens anonym einem Bedürftigen zu schenken. Zum Fasten erläuterte Dikbas: «Durch den Ramadan wird Mitgefühl ausgelöst, denn es wird einem so bewusst, dass es noch viel Armut auf der Welt gibt.»

Auf dem interreligiösen Spaziergang wurden auch vier christliche Kirchen besucht (siehe Textbox). Bei der Franziskaner-Kirche gab es im Anschluss ein vietnamesisches Dreigänger-Menü zu geniessen.

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