Solothurn

Tanzen für das Gleichgewicht des Lebens: Das tut Anet Fröhlicher in ihrer neusten Produktion

Ab kommendem Mittwoch zeigt Tänzerin Anet Fröhlicher im Haus der Kunst in Solothurn ihre neueste Produktion ihrer Compagnie El Contrabando: «No Tears». Zu erkennen wird auch ihre Hingabe zum Flamencotanz sein.

«Kalaschnikowa» hiess die letzte Tanzproduktion von Anet Fröhlicher, die sie im Jahr 2016 realisierte und mit der sie und ihre Compagnie El Contrabando sehr erfolgreich auf verschiedenen Tourneen in der Welt gastierten. Südamerika, Madrid, Berlin, Hamburg waren Stationen. «Die neue Produktion ‹No Tears› kann als Nachfolgeproduktion von ‹Kalaschnikowa› angesehen werden», sagt Anet Fröhlicher. Die letzten Probe­tage für die Compagnie laufen; am kommenden Mittwoch findet die Premiere des Stückes statt (siehe Kasten).

Anet Fröhlicher schildert, wie sie vorgeht, um eine neue Tanzproduktion zu realisieren. «Es ist schwer zu beschreiben, wie und warum bestimmte Gedanken und Gefühle sich zu einem neuen Ganzen zusammensetzen», beginnt sie. «Oft sind es Ahnungen, Sätze aus Büchern oder Liedern, die mich inspirieren und mich dazu bringen, darauf aufbauend eine Tanzproduktion zu realisieren. Es ist also zunächst kein rationaler Prozess. Das folgt später bei Gesprächen mit meinen Tänzerinnen und Tänzer, mit Künstlern und Musikern.» Bei diesem neuen Stück hat sie ein Titel der Countrymusikerin Lucinda Williams besonders beschäftigt: «World Without Tears».

Im neuen Tanzstück geht es um Harmonien oder Disharmonien zwischen Menschen. Um Gleichgewicht oder Ungleichgewicht. Der Mensch ist heute in einem Dickicht von Interessen, die undurchschaubar und verborgen sind, verstrickt. Es gilt: Eine simple Lüge ist einfacher zu verbreiten als eine komplexe Wahrheit. «Dass man nicht einfachen Wahrheiten glauben soll, hatte Richard von Weizäcker in seiner Rede zum 40. Jahrestag der Beendigung des Krieges in Europa, am 8. Mai 1985 treffend formuliert.» Er sagte: «Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Hass, gegen andere Menschen, gegen Russen oder Amerikaner, gegen Juden oder Türken, gegen Alternative oder Konservative, gegen Schwarz oder Weiss. Lernen Sie, miteinander zu leben, nicht gegeneinander». So sei «No ­Tears» auch als eine Reflexion von sehr persönlichen Empfindungen der künstlerischen Leiterin und womöglich Ausdruck einer eigenen Hilflosigkeit dem ganzen Weltgeschehen gegenüber zu verstehen.

Wie gehen Tanzproben à la Corona?

Apropos Hilflosigkeit: Wie hat sich der Coronalockdown auf die Probenarbeit zum neuen Stück ausgewirkt? «Eigentlich hatten wir noch Glück», erzählt Fröhlicher. «Im letzten Herbst konnten wir in Berlin noch einen ersten Probeblock absolvieren; weitere sechs solcher Blöcke à drei Tage wären dann für den März bis Juni geplant gewesen. Anfang März konnten wir dann nochmals proben und dann war Schluss.» Doch endlich Mitte Juli konnten die fünf Tänzer in die Schweiz reisen, und seither leben und arbeiten sie fast wie in einer Familie, ohne viel Aussenkontakt, hier in Solothurn, erzählt die Leiterin. So sei die Probenzeit eigentlich sehr gut verlaufen; ohne viel Hektik und Druck.

Bekanntlich war Anet Fröhlichers erste Liebe der Flamencotanz, ihm gehörte ihre ganze Hingabe. In ihrer Compagnie El Contrabando sind alles Tänzerinnen und Tänzern mit dabei, welche, wie sie, ebenfalls in Flamencotanz ausgebildet sind. «Dem Flamenco gegenüber empfinde ich eine grosse Dankbarkeit und er gibt mir nach wie vor Halt», sagt Fröhlicher. Dementsprechend schwingt diese Tanzart in ihrer Choreografien mit, ohne sich der vertrauten Ästhetik und Formstrenge dieser Tanzform zu bedienen und zu verpflichten.

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