Hotel Krone
Steht die «Krone» vor einem Deal auf dem letzten Zacken?

Der Kanton und die Stadt möchten die «Krone» in Solothurn als Hotel und Restaurant erhalten. Das Gebäude soll die «Krone der Seminarmeile» werden. Kanton und Stadt wollen mehrere Millionen beisteuern.

Wolfgang Wagmann
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Das Hotel Krone in Solothurn: bald im Besitz von Stadt und Kanton?

Das Hotel Krone in Solothurn: bald im Besitz von Stadt und Kanton?

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Das Hotel Krone in Solothurn hat berühmte Besucherinnen und Besucher gesehen: Sophia Loren, Casanova oder Napoleon, der allerdings das vorbereitete Abendmahl ausschlug, und dessen nie beglichene Rechnung noch heute als Beweismaterial vorliegt. Doch das Traditionshaus zu Füssen der St.-Ursen-Kathedrale hat auch schon bessere Zeiten gesehen.

Unbarmherzig staut sich der Investitionsbedarf auf. «Eher 20 als 10 Mio. Franken, die wir unmöglich tragen können», wie Hotelier Gregory Dörfler offen bekennt. Viele Pläne wurden deshalb schon gewälzt, ebenso viele verworfen. Nun haben der Kanton und die Stadt Solothurn offenbar einen Rettungsplan geschmiedet, um das Haus in seiner ursprünglichen Funktion als öffentliches Restaurant mit Hotellerie erhalten zu können.

Private Public Partnership

Kanton und Stadt wollen je maximal 5 Mio. Franken aus dem Finanzvermögen beisteuern und zusammen mit dem möglichen Investor, einem CS Immobilienfonds, den Erwerb und die Sanierung des Hauses sicherstellen. Das mögliche Konstrukt des Public Private Partnerships: Die öffentliche Hand besitzt das Gebäude, der Investor übernimmt es im Baurecht, baut es um und ist für die spätere Geschäftsführung besorgt. CS Immobilienfonds haben schon die «Seminarmeile» und die Wohn- und Geschäftsüberbauung «Perron 1» am Hauptbahnhof Solothurn realisiert.

«Kein schlechtes Gewissen»

Markus Graf, Leiter des Real Estate Asset Management Schweiz, bestätigt: «Wir haben Gespräche geführt und geprüft, ob eine Arrondierung der Seminarmeile mit einer höheren Positionierung des Hotels Krone möglich sei.» Nach Grafs Vorstellungen würde die Zahl der Hotelzimmer auf 30 bis 32 verkleinert werden und einige Zimmer im hinteren Gebäudetrakt als «Wohnen mit Service» betrieben, wo ältere Leute wohnen und vom Hotelbetrieb profitieren könnten. «Ich sehe da eine ähnliche Win-win-Situation für die Öffentlichkeit und uns wie bei der Seminarmeile», merkt Graf an.

«Es werden Überlegungen angestellt» und «man muss irgendeine Lösung finden», hielt sich dagegen Stadtpräsident Kurt Fluri kurz. Baudirektor Walter Straumann bestätigte aber, dass «konkrete Gespräche» geführt wurden. Es gebe von allen Beteiligten Absichtserklärungen, «aber weder wurde konkret ein Preis vereinbart noch etwas unterzeichnet.» Doch seien «sehr gute Ideen» vorhanden, wie man die bestehende Seminarmeile mit dem Hotel Krone und allenfalls dem Kapuzinerkloster erweitern und abrunden könne. Bekanntlich ist der Kanton als Besitzer des Klosters daran, dieses einer Neunutzung zuzuführen und zu diesem Zweck im Baurecht an einen Investor abzugeben.

Einen Hotel-Erwerb zusammen mit der Stadt über das Finanzvermögen sieht Walter Straumann als «richtig» an. «Ich habe kein schlechtes Gewissen. Für den Entscheid sind wir (der Regierungsrat) zuständig, handelt es sich beim Erwerb doch um eine Anlage und nicht um eine Investition.» Bei einer solchen müsste der Erwerb der «Krone» ins Verwaltungsvermögen erfolgen, was ein «Ja» des Kantonsrates, in der Stadt sogar des Stimmvolks erfordern würde.

«Wäre eine sehr gute Sache»

Für Hotelier Gregory Dörfler, dessen Eltern die «Krone» Mitte der neunziger Jahre erworben hatte, wäre ein solcher Deal «eine sehr gute Sache». Könnten die nötigen Investitionen getätigt werden, würde der Weiterbetrieb als Hotel gesichert und «es gäbe eine gute Ergänzung zum ‹Ramada›. Unser Standard wäre mit der Sanierung höher als dort, denn immer wieder kommt es vor, dass Direktoren bei uns nächtigen wollen und ihre Angestellten im Seminarhotel.»

Ein Hotel mit Restaurant müsse die «Krone» nicht unbedingt bleiben, betont Dörfler. «Denkmalpflegerisch geschützt wird vor allem die Fassade, innen hingegen ist jede Nutzung möglich. Die Denkmalpflege mag zwar einzelne Elemente wie beispielsweise das Treppenhaus erhalten wollen, doch kann sich dieses nach einem Umbau auch in einer Shopping-Mall befinden», zeigt Dörfler eine mögliche Nutzungsvariante auf. Viele Studien seien schon gemacht worden und etliche Interessenten für das Haus vorhanden, betont der Hotelier weiter. Abgesprungen war zuletzt allerdings der ehemalige Synthes-Besitzer Hansjörg Wyss, dessen Umbaupläne mit einer Stararchitektin dem Milliardär dann offenbar doch zu teuer geworden waren.

Ob Gregory Dörfler die «Krone» weiterführt, weiterführen kann, ist für ihn «keine Bedingung». Aber danach gefragt habe man ihn schon.

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