Stadtbummel
Bolls allerletzte Chance auf ein «Klöpf»

Der Stadtbummler schlägt vor, was die Bäcker auch noch recyceln könnten und erklärt, wieso der Stadtschreiber viel Feuerwerke auf Lager haben muss.

Wolfgang Wagmann
Wolfgang Wagmann
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Die Kronen könnte man ja wieder verwenden, schlägt der Autor vor.

Die Kronen könnte man ja wieder verwenden, schlägt der Autor vor.

Andrea Tina Stalder (Symbolbild)

Neues Jahr – dumme Gedanken. Die Mailänderli waren sackstark, aber sie mussten bis am Dreikönigstag gegessen sein. Auflage des Zuckerbecks. Da gibt es keinen Pardon! Überhaupt. Weisst Du, das cheibe Food-Waste – ausgesprochen «Fuud-Weisst» – nach den «Feisttagen». Unser Truthahn aus der Bresse war ebenfalls sackstark, aber viel leichter als sonst. Dafür wurden die 3,7 Kilo locker verputzt. Schade allerdings ums Gerippe. Könnten die nicht Truten ohne Knochen züchten? Dann würde uns schon ein pouletgrosser Puter sättigen.

Ohnehin schmeissen wir viel zu viel weg: Eigentlich sollten der Müller- oder Studerbeck, der Hofer Confiseur und andere eine Rückname-Aktion für sauber abgeleckte Plastikkönige und nicht zerknitterte Kronen starten. Diese «Re-Back-Aktion» wäre doch problemlos, denn die Dinger sehen ja alle gleich aus. Gut, vielleicht einen Waschgang würden die Könige – oder sind es gar Königinnen? – schon noch vertragen, bevor sie im Kuchen 2023 Unterschlupf finden.

Nichts übrig geblieben ist dagegen vom «Klöpf». Denn schon vor und noch lange nach Silvester wurde es fleissig entsorgt. Ausser den geschwärzten Stecken, die überall herumliegen und noch irgendwie in die Kebag müssen. Aber es ist schon nervig, das tagelange «Klöpf» rundum.

Wie besinnlich hatten wir es doch noch zur Jahrtausendwende in der Altstadt: Die Kathedrale wechselnd farbig illuminiert, Glockengeläut, Gläserklirren. Das wars. Immerhin: Das offizielle «Klöpf» ist uns völlig abhandengekommen, seit vor zwei Jahren das damals geplant Jubiläums-Feuerwerk dem Nebel, der Böögg 2020 dann der überkompetenten Feuerwehr und alle Erstaugust-Prätschereien dem Käfer zum Opfer gefallen sind. Seither nennen die Indianer unseren Stadtschreiber Hansjörg Boll wohl «Der nichts mehr abbrennen lässt». Boll hofft aber noch auf seine allerletzte Chance am nächsten Erstaugust – «Boller» hätte er wohl noch genug auf Lager.

Auch die Chesslete begann früher nie mit einem Knall. Einmal liess der abhandengekommene Stadtpfarrer Niklas Raggenspass die Glocken zu St.Ursen läuten. Doch inzwischen «prätschts» sogar morgens um fünf, wenn gar keine Chesslete ist. Solothurn hat Fortschritte gemacht. Auch das «Fetti-Waste» ist kein Thema mehr. Das unnötige Herumschmeissen von farbigen Papierfötzeli – eine Unsitte aus längst vergangenen Zeiten.

Hilarius wird sich nächste Woche wohl im Grab umdrehen: Dann sieht es ohnehin nach einer vorgezogenen närrischen Abdankung aus. Aschermittwoch am 13. Januar? Hauptsache, kein «Klöpf»!

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