Solothurner Fasnacht
«Ich freue mich unglaublich fest auf die Chesslete»: Der Oberchessler schaut zuversichtlich in die Zukunft

Nach den Ankündigungen des Bundesrats gingen die Fasnachtsorganisatoren nochmals über die Bücher. Die Umzüge werden auch dieses Jahr nicht stattfinden, andere Anlässe erscheinen eher möglich.

Judith Frei
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Chesslete im Jahr 2020.

Chesslete im Jahr 2020.

Michel Lüthi

Helle Aufregung in der Fasnacht-Szene: Nachdem unzählige Fasnachtsanlässe abgesagt wurden, lockert der Bundesrat die Coronamassnahmen. Am 16. Februar werden weitere Lockerungen beschlossen. Möglicherweise fallen sämtliche Massnahmen. Eine normale Fasnacht mit ihren klassischen Umzügen wird plötzlich wieder denkbar.

Doch die Vereinigte Fasnachtsgesellschaft Solothurn (UNO) informierte am Donnerstag, dass es auch dieses Jahr keine Umzüge geben wird. Ober Ober UNO, Patrick Zimmermann sagt:

«Der Bundesrat kommt einen Monat zu spät mit seiner Ankündigung. Das Herz hat für den Umzug gesprochen, der Verstand dagegen.»
Patrick Zimmermann, Ober Ober UNO.

Patrick Zimmermann, Ober Ober UNO.

PD/MD9

So erklärt er das Dilemma, in dem er sich und seine Kollegen aus der UNO sich befunden haben. Durch die kurze Anlaufzeit sei es unmöglich, die Umzüge zu organisieren. «Die meisten Zünfte und Gruppierungen haben Installationen für die Fasnachtsausstellung ‹Verchert22› gemacht und keine Wagen», erklärt Zimmermann ein Problem.

Auf die Schnelle noch einen Wagen zu gestalten, sei nicht möglich. Die UNO habe auch einen Qualitätsanspruch und man wolle nicht eine halbe Sache auf die Beine stellen.

Das sei aber nicht die einzige Hürde gewesen. Viele aktive Fasnächtler haben keine Ferien für die Fasnachtszeit eingereicht, da nicht erwartet wurde, dass die Umzüge stattfinden. So sei es fraglich, ob am Dienstag, 1. März, überhaupt genügend Leute am Umzug teilnehmen würden.

Andere Anlässe brauchen keine lange Vorlaufzeit

Trotzdem ist es heute wahrscheinlicher, dass mehr Anlässe durchgeführt werden können. «Ich freue mich unglaublich fest auf die Chesslete», sagt Oberchessler Marco Lupi verschmitzt:

«Ich bin sehr optimistisch, dass die Chesslete durchgeführt werden kann.»

Es gäbe schon noch eine Unsicherheit, auch er schaue gespannt auf den 16. Februar. Fällt die Zertifikatspflicht für Grossveranstaltungen im Freien, dann gibt es am Donnerstag, 24. Februar, eine Chesslete wie in der Zeit vor der Pandemie.

Oberchessler Marco Lupi (Mitte) an der Chesslete 2020.

Oberchessler Marco Lupi (Mitte) an der Chesslete 2020.

Michel Lüthi

Das Gleiche gilt für die Chinderchesslete vom Mittwoch, 23. Februar. «Eine Home-Chesslete wie letztes Jahr wird es dieses Jahr bestimmt nicht mehr geben. Wir werden dann nicht nur den Winter, sondern auch Corona vertreiben», sagt Lupi augenzwinkernd.

Er ist so zuversichtlich, dass er eigentlich schon beinahe alles aufgegleist hat, auch die Polizei sei schon parat. Er selbst ist jetzt dabei, die Route zu bestimmen. Im Vergleich zu den grossen Umzügen sei für diesen Anlass die kurze Anlaufzeit nicht schlimm. «Wer noch kein Chesslete-Hemd zu Hause im Schrank hat, kann das auch innerhalb von einer Woche organisieren», meint der Oberchessler.

Er muss jetzt noch alle Beizen wegen der Mehlsuppe anfragen, das werde aber keine Schwierigkeit darstellen, ist er sicher.

«Die Guggen waren sehr kreativ»

Doch nicht nur der Oberchessler ist bereit, auch die Guggen können es kaum erwarten, in den Solothurner Gassen zu spielen, weiss GUSO Musignarr, Thomas Nyffenegger. «Die Guggen waren sehr kreativ und haben jede Möglichkeit genutzt zu proben», sagt Nyffenegger. Es würden heuer zwar drei Guggen nicht mitmachen, da das Proben zu schwierig war. Nyffenegger meint:

«Einige Guggen haben vielleicht ein kleineres Repertoire, aber musikalisch sind sie auf dem gleichen Niveau wie während normaler Zeiten.»
GUSO Präsident Musignarr, Thomas Nyffenegger.

GUSO Präsident Musignarr, Thomas Nyffenegger.

PD/MD9

Auch die Guggen werden am 16. Februar gespannt nach Bern schauen. Denn vorläufig ist geplant, dass die Guggen am Samstag, 26., und am Sonntag, 27. Februar, von 11 Uhr bis 18 Uhr in der Altstadt bei verschiedenen Schutzzonen spielen werden. Fallen die bundesrätlichen Schutzmassnahmen, dann werden sie spielend durch die Gassen ziehen. «Dann gehen wir wild», sagt Nyffenegger lachend.

An der «Verchert22» und den offiziellen Fasnachtstagen dürfen dieses Jahr nur die Guggen der Guso und Solothurner Schnitzelbankgruppen teilnehmen. So oder so ist Nyffenegger froh über die momentane Entwicklung, auch wenn die Normalität noch nicht komplett zurück ist.

Ober Ober Patrick Zimmermann ist überzeugt: «Wir haben hier das Beste herausgeholt, was möglich ist. Für die heutigen Verhältnisse bin ich glücklich.»