Bergsport Bordogna

Solothurner Bergführer wartet aufs OK: «Wir wären eigentlich bereit zum Loslegen»

Ein Bild aus besseren Tagen: Silvan Bordogna (r.) und Sohn Andrin auf dem Matterhorn.

Ein Bild aus besseren Tagen: Silvan Bordogna (r.) und Sohn Andrin auf dem Matterhorn.

Was der Lockdown für den Bergspezialisten Silvan Bordogna und sein Fachgeschäft am Dornacherplatz in Solothurn bedeutet.

Seine letzte Skitour beendete Silvan Bordogna am 10. März am Berninapass. Seither sitzt der 59-Jährige wie alle anderen zu Hause, zur Zeit in Zermatt, und wartet ab. Seit mehr als 30 Jahren ist er diplomierter Bergführer und Geschäftsführer des Fachgeschäfts für Bergsport am Dornacherplatz in Solothurn, «Bergsport Bordogna».

Normalerweise führt er um diese Jahreszeit seine Kunden auf Skitouren und gleist Hochtouren auf die Spitzen der berühmt-berüchtigten 4000er der Schweiz oder auf noch höher gelegene Bergspitzen im Ausland auf. Doch seit der Notlage musste er, wie alle anderen Detailhändler auch, sein Geschäft schliessen und die damit verbundenen Dienstleistungen, wie Kletterkurse, Hochtouren oder Trekkingreisen absagen oder verschieben. «Dabei wäre das Wetter so schön.»

Fast alle Treckkingtouren sind abgesagt

Dieses Jahr waren diverse Reisen auf dem Programm: Nach der letzten Skitour am 10. März wartete bereits fünf Tage später eine weitere, mehrtägige Skitour in Norwegen auf Bordogna und seine Kunden. Doch sie musste abgesagt werden. Ebenso die geplante Trekkingreise nach Peru. Ende August ist eine letzte grosse Reise für 2020 geplant. «Da warte ich aber noch ab mit der Absage», sagt Bordogna.
Er hofft, dass sich die Lage bis dahin stabilisiert und der Bergführerverband das OK für die Touren spricht. Der Verband reichte bereits ein Hygienekonzept in Bern ein. Es sieht beispielsweise vor, dass die Touren zunächst mit höchstens vier Personen durchgeführt werden sollen. Man erwartet nun eine schrittweise Lockerung ab dem 11. Mai.

«Wir wären eigentlich bereit zum Loslegen», sagt Bordogna. Etliche Kunden warten auf den geplanten Kletterkurs im Jura, wie er sagt. Laufend kommen neue Anmeldungen. Rund 30 Leute, darunter einige Stammkunden seit mehr als 20 Jahren, hoffen, dass sie ihre Hochtouren auf das Matterhorn oder den Eiger bald starten können. Sollte es losgehen, wäre Bordogna wieder einige Wochen beschäftig. Bis Mitte Juni könnte er sogar noch Skitouren durchführen. «Die Teilnehmer wären alle bereit», sagt er. Doch er warte das definitive OK vom Bund und vom Verband ab.

Auf der Ware sitzengeblieben

Anders sieht es im Verkaufsladen am Dornacherplatz aus. Dieser kann definitiv ab dem 11. Mai wieder Kunden empfangen. Aber die Wiedereröffnung bereitet dem Bergführer noch einige Sorgen: Noch bevor er die Sommerkollektion ansatzweise absetzen konnte, steht bereits der Einkauf für die Wintersaison auf dem Plan. Einen Onlineshop hat «Bergsport Bordogna» nicht und ist dementsprechend im Nachteil gegenüber grossen Outdoorshops, die auch während der Notlage geschäften konnten.

Das hat Konsequenzen für die Mitarbeiter: Solange der Laden geschlossen bleibt, können sie Kurzarbeit beziehen. Doch sollte der Laden nach der Eröffnung nicht gut genug anlaufen, könnte das Arbeitsplätze kosten. Besonders betroffen wären auch die freischaffenden Bergführer, mit welchen Silvan Bordogna auf Hochtouren geht. Diese erhalten zur Zeit eine Pauschalentschädigung. Aber sobald Bergführen wieder erlaubt ist, sind sie auf sich selbst gestellt.

Willkommene Entschleunigung

Trotz allem schafft es der bald 60-jährige Bergführer guten Mutes zu sein und relativiert: «Es gibt Schlimmeres auf der Welt», sagt er immer wieder. Das Schwierigste sei für ihn momentan nicht etwa die Tatsache, dass er nicht in die Berge kann, sondern die Trekkingreisen abzusagen. «Die Leute vor Ort sind angewiesen auf dieses Geld und haben kein funktionierendes System wie wir.»

Bordogna zeigt denn auch volles Verständnis für die Situation in der Schweiz und hält sich strikt an die Vorgaben vom Verband. «Ich habe nach dem Berninapass meine Skier versorgt und nicht mehr angerührt», sagt er. Er macht den logischen Vergleich mit Schlechtwetter. «Wenn das Wetter es nicht zulässt, gehen wir auch nicht in die Berge. Jetzt sind es halt andere Umstände, die das verhindern.» Während der bergfreien sechs Wochen habe er sich mit Bikesport und Gymnastik fit halten müssen und sieht in der ganzen Situation sogar etwas Positives: «Ich habe mehr Zeit für mich und meine Familie.»
Er geniesse die zusätzlichen Stunden, die er mit seinen Liebsten auf Wanderungen oder beim Joggen verbringen kann. Nun hoffe er einfach auf das Beste.

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