Solothurn
Stolperstein Pandemie: Die «Genussfabrik» schliesst ihre Türen

Die «Genussfabrik» an der Weissensteinstrasse serviert am Sonntag zum letzten Mal Essen, dann schliesst sie ihre Türen für immer. Der Wirt erklärt wie es dazu kam.

Judith Frei
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«Genussfabrik» wird geschlossen.

«Genussfabrik» wird geschlossen.

Judith Frei

Am Sonntag wird Peter Riner zum letzten Mal Gäste in der «Genussfabrik» empfangen, ab Montag bleibt das Restaurant geschlossen. Ob je wieder in der alten Fabrik Essen serviert wird, steht in den Sternen. «Ich möchte das dem neuen Besitzer überlassen», erklärt der Besitzer der Liegenschaft David Steiner. Denn nicht nur wird das Restaurant geschlossen, sondern das ganze Haus steht zum Verkauf. Wie ist es dazu gekommen?

Wir erinnern uns: Das Restaurant Genussfabrik am Solothurner Stadtrand wurde vor fünf Jahren eröffnet. Das Restaurant wurde zu Beginn von Sylvia Steiner geführt, die das alte Fabrikgebäude mit ihrem Mann, David Steiner, umbaute. Parterre wurde das Restaurant mit 44 Plätzen eingerichtet, im zweiten Stock befinden sich Büroräumlichkeiten und zuoberst Wohnungen.

Die Gastgeberin Sylvia Steiner ist keine Unbekannte in der Solothurner Gastroszene: Sie hat 2004 das «à point» beim oberen Stalden eröffnet und geführt, bis die damalige «Taverna Amphorea» das Haus übernahm. Im Sommer 2019 übergab Steiner die «Genussfabrik» ihrem Küchenchef Peter Riner. Er hat sein Handwerk bei Urban Schiess gelernt und zuletzt war er für die Küche im Altersheim Leuengarten in Bellach zuständig.

«Ich war zuerst in der Schockstarre»

«Ich habe vor zwei Jahren ein funktionierendes Restaurant übernommen», sagt Riner. Einzig die Öffnungszeiten hat er damals geändert, statt drei Tage hatte sein Restaurant fünf Tage geöffnet. Als sein Restaurant im Frühling 2020 so richtig Fahrt aufgenommen hatte, wurde schweizweit der Lockdown verfügt. «Ich war zuerst in der Schockstarre», erinnert er sich. Geplant war eigentlich, dass er die Terrasse für den Frühling öffnet. Stattdessen musste er die Küche wegen der Zwangspause leer räumen.

Seither ist sein Arbeitsleben durch grosse Unsicherheiten, sich ständig ändernde Vorgaben und regelmässige Rückschläge geprägt. «Ich habe seit Beginn der Pandemie ein Bachelor in Administration gemacht», scherzt er. Die immer ändernden Auflagen und das Beantragen von Unterstützungsgeldern verlange viel Arbeit. Die finanzielle Unterstützung, insbesondere die Kurzarbeitsgelder, sei aber sehr wichtig und hilfreich gewesen, betont er.

Trotzdem wurde es finanziell immer enger. Sein junges Unternehmen konnte nicht auf grosse Reserven zurückgreifen. Nun hat er die Reissleine gezogen: «Ich könnte schon noch irgendwie weitermachen», meint er:«Mir ist aber die Lust vergangen.» Die Situation verlange einen hohen Arbeitsaufwand, gleichzeitig fühlt er sich als Unternehmer fremdbestimmt. Dass sein Restaurant in dieser misslichen Lage ist, sei den Umständen zu schulden. «Ich bin wütend, aber ich weiss nicht genau, auf wen ich wütend sein soll», meint er. Was ihn ausserdem frustriert:

«Ich habe seit Ausbruch der Pandemie immer das Gefühl, dass die Gastronomie böse sei.»

Die vielen Auflagen und auch Aussagen des Bundesrats hätten den Anschein hinterlassen, dass Gastrobetriebe Treiber der Pandemie sind. «Ich wurde aber während der ganzen Zeit nie kontaktiert, dass eine Person sich in meinem Restaurant angesteckt hat», sagt er.

«Ich dachte, das Zertifikat wird einen positiven Einfluss haben»

Die neusten Auflagen mit den Zertifikaten haben ihn zuerst zuversichtlich gestimmt. «Ich dachte, das Zertifikat wird einen positiven Einfluss haben», sagt er. Doch zu seinem Erstaunen kam es anders.

«Über Mittag habe ich spürbar weniger Gäste.»

Durch die Zertifikatspflicht gebe es weniger Spontaneität, die Essen werden eher von längerer Hand geplant. Ein Mittagessen käme oft spontaner zu Stande, vermutet Riner.

Doch diese Fragen werden ihn in Zukunft nicht mehr beschäftigen. Denn schon bald fängt er in der Küche des neuen Altersheims Oepfelbaum in Recherswil an, dessen Restaurant auch für Nichtheimbewohner offen sein wird.

Was mit der Weissenstrasse 105 also in Zukunft passiert, wird sich erst noch zeigen. Noch gebe es keine Käufer, erklärt der Besitzer David Steiner. Die Liegenschaft würde sich aber an guter Lage befinden und bietet, gemäss Steiner, Raum für neue Ideen: «Ich kann mir vorstellen, dass man hier einen Laden, Café oder auch wieder ein Restaurant einrichten kann.»

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