Solothurn
Sternstunde mit Virtuose Alexei Volodin: Der bekannte Pianist gastierte im Konzertsaal

Mit stehenden Ovationen wurde Alexei Volodin bei seinem Auftritt im Zuge der Konzertreihe Frag-Art gefeiert.

Silvia Rietz
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Der bekannte russische Pianist Alexei Volodin.

Der bekannte russische Pianist Alexei Volodin.

zvg

Zurückhaltend im Auftreten, entfesselt am Klavier: Seit Alexei Volodin 2003 den Concours Géza Anda gewann, spielte er sich in die ersten Pianisten-Liga. Alexei Volodin ist für den sensiblen Anschlag und technische Brillanz berühmt geworden. Er spielt weltweit mit den grössten Orchestern, tritt aber immer wieder mit Solo-Rezitals auf.

Damit begeisterte er 2006 und 2009 auch in Solothurn. Danach gab der auf der Karriereleiter kontinuierlich aufgestiegene Virtuose 2016 – an einem freien Tournee-Abend – ein weiteres Konzert auf der «Frag-Art-Bühne». Mittlerweile hat Alexei Volodin den Pianisten-Olymp erklommen und kehrte zum 75. Geburtstag von Konzertveranstalter Franz Grimm zurück in die Ambassadorenstadt, wo er mit einer stehenden Ovation gefeiert wurde.

Mit grossem, plastischem Ton, ohne jede Hysterie

Zu hören war ein rein russisches Programm, bei dem Alexei Volodin geballte Klangmassen servierte, ohne die formale Transparenz zu vernachlässigen. Mit federnder Brillanz, elegant und klar, bemächtigte er sich der sechsteiligen «Petite suite» von Alexander Borodin. Sei es Technik, Souveränität und Fingerfeuerwerk, Alexei Volodins Spiel offenbarte auch bei César Cui und Mili Balakirew pure Musikalität.

Qualitäten, mit denen Mussorgskys «Bilder einer Ausstellung» zur vertonten Vernissage avancierten, zum Konzert-Highlight und eruptiven Musikrausch in einem. Mit grossem, plastischem Ton, ohne jede Hysterie, originell phrasierend, präsentierte der Virtuose eine vollkommen eigenständige Mussorgsky-Deutung. Der 1977 im damaligen Leningrad und heutigen St.Petersburg geborene Alexei Volodin kann mächtig zupacken. Noch wichtiger: Er hat auch den grossen Atem für das Ruhige, Getragene, Russisch-Endlose, Mystisch-Erhitzte.

Wohl noch nie eine wildere Hexe Baba Jaga gehört

Dies widerspiegeln die «Bilder einer Ausstellung». 1873 starb Mussorgskys Freund, der Maler Victor Hartmann. Dessen Bilder und Skizzen nahm der Komponist als Vorbilder für einen sich steigernden Klavier-Zyklus, dessen «Promenade» als wiederkehrendes, leicht variiertes Thema den Betrachter beim Abschreiten der Bilder symbolisiert.

So klingt es, wenn Alexei Volodin spielt. Der Pianist hier bei einem anderen Konzert.

Quelle: Youtube

Wie sich die Stimmung des Schauenden verändert, bringt Alexei Volodin wunderbar zum Tönen. Beim Markt von Limoges ist er besonders stark. Ein unglaublicher Trubel herrscht dort, rasant, motorisch, unerbittlich geht Alexei Volodin vor. Eine wildere Hexe Baba Jaga hat man wohl noch nie gehört, und das «Grosse Tor von Kiew» baut er so wuchtig, dass er sich in die Tradition eines Horowitz einreiht.

Perfekte Technik, gestalterische Intelligenz und das geistige und emotionale Durchdringen der Musik machen Volodins Auftritte zu Höhepunkten des Konzertlebens. Der Pianist selbst macht von sich kein Aufheben: Er eilt zielstrebig zum Flügel, verneigt sich knapp und spielt. Nicht er soll im Mittelpunkt stehen, sondern die Musik. Diese Haltung zeichnet auch sein Spiel aus. Da gibt es keine Mätzchen, keine leeren Effekte. Was zählt, ist allein die Partitur, die Alexei Volodin nach allen Richtungen auslotet und zu Sternstunden formt. Auch in Solothurn.