Solothurn
Der Ungewissheit zum Trotz: An Ostern ist erstmals ein Festival der Konzertreihe Frag-Art geplant

Die Idee kam Konzertorganisator Franz Grimm in der Nacht. Nach wenigen Stunden hatte er das Programm des fünftägigen Festivals im Konzertsaal in Solothurn so gut wie beisammen.

Fabio Vonarburg
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Am 9. Juni 2020 fand das erste Konzert nach dem Lockdown der Reihe Frag-Art statt.

Am 9. Juni 2020 fand das erste Konzert nach dem Lockdown der Reihe Frag-Art statt.

Michel Lüthi

Wie kribbelig Musikerinnen und Musiker darauf warten, wieder auf einer Bühne vor Publikum treten zu können, zeigt das Beispiel von Silke Aichhorn. An Ostern reist die Harfenistin, die in der Stadt Traunstein im deutschen Bundesland Bayern wohnt, extra für ein Konzert in Solothurn an. «Sie hat mir erzählt, dass sie auch doppelt so weit gefahren wäre, um wieder aufzutreten», erzählt Franz Grimm, der die Musikerin für Ostersonntag gebucht hat.

Sie ist Teil des ersten Oster-Festivals der Konzertreihe Frag-Art. Dieses ist von Gründonnerstag, 1. April, bis zum Ostermontag, 5. April, geplant. Vorgesehen ist, dass jeder Tag ein Konzert im Solothurner Konzertsaal stattfindet. Mit dabei ist weiter auch Teo Gheorghiu, bekannt als das Wunderkind Vitus aus dem gleichnamigen Schweizer Film.

Das Oster-Festival 2021 der Frag-Art-Konzertreihe

Zwischen dem 1. April und dem 5. April sollen im Konzertsaal jeden Tag Konzerte durchgeführt werden. Ein Konzert kostet 50 Franken, der Festivalpass, der alle fünf Konzerte beinhaltet und übertragbar ist, kostet 200 Franken. Es treten auf:

Donnerstag, 1. April, 19.30 Uhr: Marc Bouchkov, Violine und Claire Hancgci, Klavier.
Freitag, 2. April, 17 Uhr: Claire Huangci, Klavier.
Samstag, 3. April, 17 Uhr: Teo Gheorghiu, Klavier.
Sonntag, 4. April, 17 Uhr: Silke Aichhorn, Harfe.
Montag, 5. April, 17 Uhr: Klezmer mit Helmut Eisel und JEM.
Weitere Informationen unter fragart.ch, Ticketreservationen: 032 681 00 01 oder fragartkonzerte@bluewin.ch

Das Wort «vorgesehen» im vorangegangenen Satz hat seinen Grund. Noch ist nicht fix, ob das Festival tatsächlich stattfinden kann und falls ja, in welchem Rahmen. Den Grund dafür, den kennt man mittlerweile zur Genüge: die Coronapandemie und die deswegen geltenden Massnahmen. So wäre der Anlass zurzeit noch nicht möglich. Franz Grimm hofft aber, dass der Bundesrat rechtzeitig Lockerungen beschliesst. Wie diese aussehen könnte, weiss man seit letztem Freitag.

Der Bundesrat hat als nächsten Lockerungsschritt den Kantonen vorgeschlagen, dass in Innenräumen wieder Veranstaltungen mit bis zu 50 Personen durchgeführt werden können. Wann der Schritt dann kommt, hängt aber von der epidemiologischen Lage ab. Der nächste Entscheid steht am kommenden Freitag an.

Dennoch-Konzerte angeboten

Doch warum geht Franz Grimm in der jetzigen Ungewissheit das Risiko ein und organisiert gleich ein ganzes Festival? «Weil es mir ein grosses Anliegen ist, dass möglichst früh wieder Konzerte durchgeführt werden können», antwortet Grimm, der bereits im vergangenen Jahr, wann immer erlaubt, den Konzertbetrieb am Leben erhalten hat. Statt seiner Frag-Art-Konzertreihe bot er Dennoch-Konzerte an, bei denen die Musikerin oder der Musiker teils vor nur 15 Personen auftrat und dafür mehrere Konzerte hintereinander spielte. Und dies im Solothurner Konzertsaal, in dem sonst bis zu 600 Zuhörerinnen und Zuhörer Platz haben.

Ähnliches ist auch beim diesjährigen Oster-Festival vorgesehen. Stand jetzt sind pro Konzert 50 Besucherinnen und Besucher eingeplant und jeweils ein zweites, falls das Interesse dementsprechend gross ist. Die Idee für das Festival hatte Grimm in jener Nacht, nachdem der Bundesrat bekanntgegeben hatte, dass auch im März keine Veranstaltungen möglich sind.

Ein Hammer sei das gewesen, sagt der Konzertorganisator, der die Reihe Frag-Art seit rund 30 Jahren in Solothurn organisiert. Dann kam ihm die Idee vom Festival. «Am nächsten Tag hatte ich innert acht Stunden das ganze Programm mit einer Ausnahme zusammen.» Die Ausnahme war das Konzert vom Ostersamstag, da zum damaligen Zeitpunkt noch nicht klar war, ob der Konzertsaal an diesem Tag bereits belegt ist.

Ausgehungertes Publikum

Grimm hofft, dass das Oster-Festival der Startschuss auch für andere Veranstalter in der Kulturbranche ist, wieder loszulegen. «Ich bin überzeugt, das Publikum kommt, es ist ausgehungert.» Auch Grimm selber war zuletzt Mitte Dezember in einem Konzert und vermisst das Erlebnis, wie er erzählt.

«Wenn die Konzerte über Ostern stattfinden können, ist das sensationell»

, sagt Grimm, der derzeit Stücke der Musikerinnen und Musiker hört, die er in drei Wochen live hören wird. Das dem tatsächlich so ist, «dafür drücke ich derzeit die Daumen».