Solothurn
Auch SP-Co-Chef Cédric Wermuth meldet sich zu Wort: Reaktionen auf die «historischen» Stadtpräsidiumswahlen

Am Sonntag wurde Stefanie Ingold zur künftigen Stadtpräsidentin gewählt. Freudentaumel auf der einen, Krise auf der anderen Seite.

Fabio Vonarburg
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Wahlen Stadtpräsidium Solothurn: Stefanie Ingold ist gewählt.

Wahlen Stadtpräsidium Solothurn: Stefanie Ingold ist gewählt.

Hanspeter Bärtschi / SZ

An Gratulanten fehlt es Stefanie Ingold in diesen Tagen nicht. Einige stechen aber heraus. Jene, die zeigen, dass ihre Wahl zur künftigen Stadtpräsidentin von Solothurn auch national registriert wurde. Zumindest im linken politischen Lager. Noch am Sonntag haben die SP-Nationalratsmitglieder Jacqueline Badran und Fabian Molina ihrer Parteikollegin über die sozialen Medien gratuliert.

«Nach einem Jahrhundert freisinniger Herrschaft in der Stadt Solothurn erobert die SP Solothurn das Stadtpräsidium!», schreibt etwa Molina. Auch der höchste SPler der Schweiz, Cédric Wermuth, der sich mit Mattea Meyer das Parteipräsidium teilt, meldet sich zu Wort, bezeichnet den Wahlsieg auf Facebook als «sensationell».

Auf Anfrage führt Wermuth weiter aus: Die Stadtpräsidiumswahlen in Solothurn müsse man auch in den Kontext zu den Wahlen im Aargau und in Deutschland stellen.

«Die Wahlresultate sind ein Zeichen, dass die Sozialdemokraten zurück sind, einen guten Job machen und starke Persönlichkeiten in ihren Reihen haben.»

Stefanie Ingold sei ein Vorbild, so Wermuth, der am Montag mit Ingold telefonierte. Trotz ihrer politisch noch geringen Erfahrung, «hat sie sich gesagt, ich kann das und will das. Man muss den Willen zum Gestalten und zur Übernahme von Verantwortung haben. Die ganze Partei hat als Team funktioniert, so haben sie die Menschen überzeugt.»

Aber selbstverständlich sind es vor allem die Linken der Stadt Solothurn, die sich seit Sonntag in einem kollektiven Freudentaumel befinden. «Historisch und für einmal stimmt das Wort», twitterte Autor und Gemeinderat Franco Supino. Gratulationen gibt es auch von jener Person, die vor vier Jahren selber an der Stadtpräsidumswahl scheiterte: Der Beitrag von SP-Nationalrätin Franziska Roth wird auf Facebook über 100 Mal kommentiert. «Endlich eine Frau und erst noch rot», «Es geschehen noch Zeichen und Wunder!», «Jawohl, Jetzt endlich ein neuer Wind!», um einige der Beiträge herauszupicken.

Wer heute in Schweizer Zeitungen nach Artikeln über die Stadtpräsidiumswahlen in Solothurn suchte, dem fiel in erster Linie ein längerer Artikel in der NZZ auf. Der Fokus liegt dabei nicht auf dem Sieg der SP, sondern der Niederlage der FDP. Den schweren Stand, den die Freisinnigen allgemein in den Städten haben. Im Artikel heisst es: «Mehrfach hatte die FDP bei Wahlen in städtische Exekutiven in den letzten Monaten einen schweren Stand. Freiburg, St.Gallen, Basel, Bern Baden, Winterthur: Überall hat die Partei Sitze oder das Stadtpräsidium verloren beziehungsweise die Rückkehr in die Regierung verpasst.»

Bezug nimmt die NZZ auch auf die vorausgegangenen interne Ausmarchung bei der FDP, wo sich der politisch unerfahrene Markus Schüpbach gegen Kantonsrat Marco Lupi durchsetzte:

«Dabei dürften etliche Wunden zurückgeblieben sein.»

Tatsächlich fällt der Name Marco Lupi im Nachgang der Wahl immer wieder. Selbst Stefanie Ingold kam im Interview kurz nach den Wahlen auf ihn zu sprechen: «Marco Lupi wäre viel vernetzter gewesen. Gegen ihn wäre es sicher anders herausgekommen. Marco Lupi ist ein Ur-Solothurner, der auch schon Gemeinde- und Kantonsrat war.» Innerhalb der FDP ist beides zu hören. Jene, die sagen, dass man auf den falschen Kandidaten setzte und solche, die überzeugt sind, dass es auch mit Marco Lupi in der Wahlniederlage geendet hätte.

Der Heilungsprozess der Freisinnigen könnte ein Blick nach Aarau beschleunigen. Jahrzehntelang war dort das Stadtpräsidium in den Händen der FDP, bevor man es 2013 an die SP verlor. 2017 gelang den Freisinnigen die Rückeroberung, und gestern Sonntag wurde der bisherige Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker (FDP) erneut gewählt.

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