Kleintheater
Seit der Gründung der «Mausefalle» wurden 200 Stücke inszeniert

Pünktlich zum Herbstanfang erwacht auch das Kleintheater Mausefalle aus dem Sommerschlaf. Mit dem Kriminalstück «Ein Mord wird angekündigt» von Agatha Christie wurde am vergangenen Samstag in den Räumlichkeiten der Amateurbühne in Zuchwil die Theatersaison eröffnet.

Katharina Arni-Howald
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Stilecht: Melina Maspero (l.) als Philippa Haymes, Silvana Grellmann gibt die Julia Simmons.

Stilecht: Melina Maspero (l.) als Philippa Haymes, Silvana Grellmann gibt die Julia Simmons.

Zur Verfügung gestellt

Auf dem Programm stehen in den nächsten Monaten sieben Aufführungen, wobei die letzte im Juni/Juli 2018 beim Schloss Blumenstein unter freiem Himmel stattfinden wird. Der 2009 gegründete Verein «Theater Mausefalle Solothurn» mit Sitz in Solothurn, der rund 60 Mitglieder hat, legt seit vielen Jahren Wert auf ein hohes künstlerisches und sprachliches Niveau und versteht sich als Teil des Solothurnischen Kulturlebens.

Ausser dem regelmässig auf dem Programm stehenden Märchen wird in sämtlichen Inszenierungen Hochdeutsch gesprochen. Mit den kostenlosen Theaterkursen für Kinder und Jugendliche sowie Ferienpassveranstaltungen leistet die Laienbühne einen wichtigen Beitrag an die Förderung des Jugendtheaters. Die Kurse seien jeweils rasch ausgebucht und für die Nachwuchsförderung wichtig, halten Jonathan Sollberger, der im Sommer 2015 zum neuen Vereinspräsidenten gewählt wurde, und Jörg Studer, der in der ersten Inszenierung der Saison Regie führt, fest.

Premiere mit Kriminalroman von Agatha Christie

Die Verwunderung war gross, als im Lokalblatt des idyllischen Dörfchens Chipping Cleghorn ein Mord angekündigt wurde, zu dem auch Freunde und Bekannte eingeladen wurden. Was hat es mit dieser mysteriösen und irritierenden Einladung auf sich? Wer könnte in der beschaulichen britischen Provinz zu einem hinterhältigen Mord fähig sein? Und mit welchem Motiv? Ist es gar ein Scherz, der Miss Marple ihr ganzes detektivisches Können abverlangt und im Hause von Letitia Blacklock Unruhe stiftet?
Schritt um Schritt wurden die gut 100 Première-Besucher von «Ein Mord wird angekündigt» am Samstagabend in eine Geschichte hineingezogen, deren Ausgang über zwei Stunden ungewiss blieb.

Eines war aber schon bald klar: Was die zehn Laiendarsteller, die in ihrer Freizeit unzählige Stunden in das anspruchsvolle Projekt investiert hatten, darboten, war in sämtlichen Bereichen Theater auf sehr hohem Niveau.

Mit Miss Marple (Pelka Ridjosic), Julia Simmons (Silvana Grellmann), Patrick Simmons (Lukas Rhiner), Letitia Blacklock (Jana Zimmermann), Dora Brunner (Nadine Krieg), Mitzi (Sofia Mészàros), Philippa Haymes (Melina Maspero), Edmund Swettenham (Jonathan Sollberger), Rudi Schwarz (Joseph Tschudin) und Inspektor Craddock (Silvan Andraschko) war das Rätseln um den möglichen Täter ein Genuss.

Erste Auftritte in Kantonsschule

Das Theater Mausefalle hat seinen Ursprung an der Kantonsschule Solothurn, wo Professor Rudolf Fischer 1984 mit seinen Maturanden die Schauspielgruppe Fischer gründete, die ihre Auftritte vorerst in der Aula der Kantonsschule und im Muttiturm hatte. 1993 bezog die heute auch «Teatro Mobile» genannte Schauspielgruppe, die im Laufe der Zeit zahlreiche weitere junge Leute anzog, unter dem Namen «Theater Mausefalle Solothurn» an der Grenchenstrasse eigene Theaterlokalitäten.

«Theater Mausefalle» deshalb, weil das Kriminalstück «Die Mausefalle» von Agatha Christie, am neuen Ort als erstes auf dem Programm stand. Später zog das Ensemble an die Bielstrasse. Als der Verein wegen Bauvorhaben nicht mehr mittel- oder langfristig planen konnte und grössere Investitionen fällig wurden, boten sich 2011 im ehemaligen Personalrestaurant der Sulzer AG in Zuchwil geeignetere Möglichkeiten an.

Zehn Stücke pro Saison

Sämtliche Vereinsmitglieder arbeiten ehrenamtlich und sind in ihren Berufen oder im Studium fest etabliert. Sie teilen sich die Aufgaben als Schauspieler, Bühnenbildner, Techniker und als Betriebspersonal. Pro Spielzeit stehen meist rund zehn Theaterstücke auf dem Programm. Das macht seit der Gründung des Theaters ungefähr 200 Inszenierungen. Das Repertoire ist vielfältig und umfasst klassische wie moderne Stücke, Komödien und ein Improvisationstheater.

Für jede einzelne Inszenierung wird je nach Bedarf eine neue Gruppe zusammengestellt, die selbst Regie führt. «Wir sind eine Plattform für alle Vereinsmitglieder und verweigern uns auch Gastbühnen nicht», betont Jörg Studer. Was die Finanzen betrifft, deckt der von September bis Juni dauernde Spielbetrieb lediglich die Kosten für die Miete. «Für alles andere sind wir auf Freunde und Sponsoren angewiesen», so Studer.

Auf dem neuen Spielplan stehen unter anderem «Das Mass aller Dinge» von Neil La Bute, «Boeing, Boeing» von Ray Cooney ,«Der ideale Mann» von Oscar Wilde sowie das Märchen «Aschenbrödel» von Charles Perrault.

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