Solothurn

Saison im Stadttheater startet mit Donizetti's Oper

Am kommenden Mittwoch hat die Oper ihre Premiere im Stadttheater Solothurn.

Am kommenden Mittwoch hat die Oper ihre Premiere im Stadttheater Solothurn.

Das Theater-Orchester Biel Solothurn startet mit der Premiere von Gaetano Donizettis «La Fille du Régiment» in Biel in die neue Saison.

Gaetano Donizettis Opéra-comique «La Fille du Régiment» zeigt nichts vom Elend des Krieges, sondern lässt die Soldaten heiter exerzieren. Das Libretto ist einfach gestrickt: Findelkind Marie wird von Soldaten grossgezogen und soll dereinst ein Mitglied der Kompanie heiraten. Marie verliebt sich jedoch in den Bauernsohn Tonio, der ihr zuliebe ins Regiment eintritt. Doch die Marquise von Birkenfeld behauptet, Marie sei die Tochter ihrer toten Schwester, nimmt sie mit auf ihr Schloss, will ihr Manieren beibringen und sie mit einem standesgemässen Ehmann verkuppeln. Die Soldaten und Tonio vereiteln dies, holen Marie zurück.

Charmelose Bühnendeko – peppige Kostüme

Nicht in die heile Operettenwelt abzugleiten und das Militärische ironisch zu brechen, gehört zu den Herausforderungen des Genres. Schielt ein Regisseur allzu sehr auf das Besondere, kann Klamauk ins Alberne abdriften. Dabei setzt Andrea Bernard auf das Prinzip der Rückblenden. Das angejahrte Ehepaar Marie und Tonio (Michèle Péquegnat und Laurent Grosjean) erinnert sich, begleitet die Protagonisten bis zum Happyend. Angesiedelt in einem schmucklosen Bunker, lässt das Bühnendekor von Alberto Beltrame jeglichen Charme vermissen. Esprit liefern die schneidigen Uniformen, die wallenden Gewänder der Marquise und die kecken Hosen der Marie aus der Werkstatt von Elena Beccaro, wie auch die Lichtregie von Mario Bösemann.

Idealbesetzung für die Hauptrolle

Italienisches Brio verströmt Donizettis schwungvolle, prickelnde Musik: virtuose Arien, launige Ensembleszenen, kraftvolle Chöre – und die famosen Interpreten, die von Maestro Franco Trinca sensibel begleitet werden. Unter seiner Führung verwöhnt das Sinfonie Orchester Biel Solothurn mit schlankem, süffigem Klang und rhythmischer Prägnanz.

Ebenso erfreut die Sängerriege. Die «Regimentstochter» verlangt ja nach agilen und höhensicheren Stimmen. Allein die gefürchtete Cabaletta «Ah! mes amis» mutiert mit der Salve von neun hohen Cs zum Prüfstein für den Typus des «Tenore di grazia». Ebenso erfordert die Titelpartie einen Sopran, der mit Trillern, Verzierungen und Kadenzen nicht geizt. Aoife Gibney erweist sich schlicht als Idealbesetzung der «Marie»: Mit ihrem agilen Sopran spürt sie den unterschiedlichen Stimmungen nach, besticht mit gestochenen Koloraturen, hervorragender Technik und stupender Virtuosität, gestaltet die Abschiedsszene zu einem melancholischen Ruhepol inmitten des amüsanten Treibens, füllt die Szenen auch als Darstellerin mit vielen Nuancen aus. Mit sympathischer Bühnenerscheinung trumpft auch Manuel Núñez Camelino als Tonio auf. Er meisterte seinen Part respektabel, auch wenn er an die Grenzen der lyrischen Stimme stösst.

Vokal aus dem Vollen schöpfen hingegen Judith Lüpold und Michele Govi. Die Mezzosopranistin belebte als schrullig-liebenswert-snobistische Marquise den mit gelben Sofas ausgestatteten Bunker-Wohnraum, intoniert (das leider gekürzte) Couplet und das Terzett mit samtener Tiefe und strömendem Belcanto. Michele Govi nutzte den prallen Charakter des Sulpice souverän, während die Comprimari Pawel Slusarz, Isabelle Freymond und Marek Pavlicek ebenfalls gefallen. Der Tobs-Saisonauftakt wird so zum eigentlichen Sängerfest.

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