Solothurn
Pfarrerteam will offene Türen in der Stadtkirche anbieten

Das Pfarrteam der Reformierten Stadtkirche in Solothurn will zwei Mal in der Woche offene Türen anbieten. Die Zeit sei reif für ein solches Angebot, sind sich Pfarrerin Alexandra Flury-Schölch und Pfarrer Koen De Bruycker sicher.

Angelica Schorrer
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Alexandra Flury-Schölch und Koen De Bruycke

Alexandra Flury-Schölch und Koen De Bruycke

Angelica Schorrer

Die reformierte Stadtkirche ist nun bis Ende November an zwei Tagen in der Woche für jeden offen. Was kann man als Besucher erwarten?

Alexandra Flury-Schölch: Einen Raum zum Verweilen: zum Innehalten. Auf der Empore laden Kunstwerke zum Betrachten ein. Eine kleinere Kapelle zum Meditieren, Kerzenanzünden und zum Beten; am Donnerstag wird in diesem Seitenraum auch ein Seelsorger sein, der ein offenes Ohr hat für ein Gespräch unter vier Augen.

Was erhoffen Sie sich von diesem «Experiment»?

Koen De Bruycker: Wir möchten, dass sich ganz praktisch erfahren lässt, dass Kirche ein offener Raum, ein offenes Gebäude ist. In das jeder und jede eintreten kann, die neugierig ist, wie es innen aussieht oder die das Bedürfnis verspürt nach einem Raum im Alltag, an dem man Ruhe findet und sich sammeln kann. Und zwar ohne Veranstaltung, spontan und ohne vorherige Planung. Unsere Kirche soll - wie andere offene Kirchen auch - nicht nur ein Ort sein, an dem man Impulse erhält und Gemeinschaft erfährt. Sie soll auch Raum schenken.

Ist denn ein Bedürfnis nach einer offenen Kirche überhaupt vorhanden?

Wir haben die letzten Jahre dieses Bedürfnis beobachtet, wenn wir in der Kirche am Vorbereiten waren. Menschen, die uns baten, einen Moment für sie aufzuschliessen. Das Bedürfnis wurde auch von Mitgliedern mehr und mehr klar geäussert. Im Zusammenhang mit einer Studie im Jahr 2009 unter dem Namen «Kirche der Vielfalt» wurden Interviews durchgeführt bei Kirchennahen, Kirchenkritischen, Kirchenfernen zu ihren Erwartungen an die Kirche. Der Wunsch nach einem offenen Kirchenraum wurde von ganz verschiedenen Menschen immer wieder klar geäussert.

Und ihre Erkenntnis daraus?

In den vergangenen drei Jahren haben wir immer mal wieder eine Versuchsphase durchgeführt, und es hat sich gezeigt: ja, die Zeit ist reif, die Stadtkirche als Raum mitten im Alltag zugänglich zu machen.

Am Samstag findet auf der Empore die Vernissage des Künstlers Jayantha Gomes aus Deutschland/Sri Lanka statt. Wie sind Sie auf ihn gekommen?

Alexandra Flury-Schölch: Auf Jayantha Gomes bin ich durch einen Kalender mit Tuschezeichnungen gestossen. Die Schlichtheit der Linien strahlte auf mich eine grosse Ruhe aus. Da wir ja den Beginn unserer geöffneten Kirche unter das Motto Innehalten stellen wollten, wählten wir seine Arbeiten aus: seine Werke sollen einladen, sich eine Weile niederzulassen, den Linien der Werke nachzugehen, zur Ruhe zu kommen. Gomes künstlerischer Leitgedanke ist die Harmonie, und das spürt man. Seine Grundgedanken haben Wurzeln im Buddhismus, sein künstlerisches Wirken hat jedoch eine grosse Weite. Diese Weite schafft Raum zum Atmen, im übertragenen Sinne. Und in diese Richtung wollen wir uns mit der geöffneten Kirche ja insgesamt bewegen. Übrigens bin ich gespannt auf die Musik an der Vernissage. Sitar in unserer Kirche? Das dürfte ein ganz neues Klanggefühl sein.

Neu ist auch die «Musik am Sonntagabend» in der Stadtkirche. Wen möchten Sie mit ihr erreichen?

Auch der Ausklang am Sonntagabend steht unter dem Zeichen des Innehaltens: am Übergang vom Wochenende zur neuen Arbeitswoche ein Moment für mich allein, zum Nachklingen lassen und mich neu einstimmen auf das, wofür ich Kraft brauche. Wir bieten dies an für Menschen, die gerne den Kirchenraum nutzen für das eigene Innehalten, sich aber im klassischen Gottesdienst fremd fühlen. Verschiedene Musikstile sollen eine grösser Bandbreite an Menschen ansprechen: Der freie Raum für das eigene Nachdenken ist bei Musik sehr viel grösser.

Offene Kirche: 7. September bis 23. November., Sonntag 11 bis 19 Uhr, Donnerstag 11 bis 16 Uhr. Vernissage Jayantha Gomes: 6. September, 18 Uhr, Empore Stadtkirche. Musik zum Ausklang: 7. September, 17 und 19 Uhr, Karin Schneider, Jonas Herzog, Musik aus der Ambassadorenzeit; 14. September, 19 Uhr, Elena Gerster, Dandelion; 21. September, 19 Uhr, Evelyne Grandy, Pianissimo.

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