Solothurner Filmtage

Nicht überall gibt sich die Stadt Solothurn «filmtäglich»

Je nach Ecke sind in Solothurn Filmtage oder eben kaum; Auf der Achse vom Kreuzacker- zum Kronenplatz weisen gelbe Strassenleuchten den Weg, doch oben in der Altstadt sind längst nicht alle Läden und Gassen auf Filmtage getrimmt.

Es sind Filmtage in Solothurn. Wohin das Auge sieht: Filmtage. Oder jedenfalls fast. Zumindest wer vom Hauptbahnhof her die Altstadt anpeilt, wird von einem mächtigen Wegweiser-Block auf dem Kreuzackerplatz empfangen. Dann – zumindest nachts erlebbar – eine Allee von gelb eingefärbten Strassenlampen. Das gelbe Licht als Identifikationsfaktor für alle Filmtage-Gäste, die schon mal da waren. Gelb hat im Sommer auch das Filmfestival Locarno überall aufzuweisen. Allerdings durchsetzt mit schwarzen Pünktchen. Der Leopard, das omnipräsente corporate identity der Tessiner. Das Solothurn so nicht hat, ausser dem gelben Licht. Auch Beflaggung ist hier schon länger out. So flattern über den Brücken die weissen Jubiläumsfahnen zur 2000-jährigen Solothurner «Legende» – 55 Jahre davon gabs schon Filmtage.

Unterschiedliche Welten in der Altstadt

Landhaus, Palais Besenval, Uferbau. Sie tragen stolz die haushohen Filmtage-Banner, nur in Schwarzweiss gehalten. Das offizielle Filmtageplakat dagegen weist immerhin bunte Gesichter auf. Im Tourist Office am Kronenplatz hängen gleich drei davon im Schaufenster. Ende der Kreativstange. Ansonsten stösst man ab und an auf eines hinter einer Glasfront. Oder zumindest auf das rechteckige Logo. Nicht gegeizt mit Filmtage-Outfit haben vor allem Take-Away-Stuben wie Sami Dahers Pittaria in der Theatergasse. Ihm schliesst sich auch der Spielhimmel an oder oben am Märetplatz das Fachgeschäft neben dem Zytgloggeturm.

Für den einzigen kreativen Exploit im Schaufenster sorgt einmal mehr etwas abseits in der Goldgasse das Einrahmungsgeschäft der Vergolderin Gabi Knuchel-Menziker. Auch bei Urs Jeger an der Hauptgasse ist unter dem altehrwürdigen Begriff «Kolonialwaren» ein Plakat zu entdecken. Er weiss warum. «Wir haben an den Filmtagen regelmässig mehr Kundschaft, die unseren Laden aufsucht. Wir liegen auch günstig an der Route zum Landhaus.»

Die Fasnacht kommt zu spät

Natürlich fällt das riesige Werbeposter mit dem Gesicht von Heidi Specogna am «Palace» auf. Ansonsten bleiben bekannte Schaufenster-Kreative wie die stadtbekannten Confiserien in Sachen Filmtage-Dekor eher passiv. Ein Grund dafür dürfte der Termin der Fasnacht sein. Sie lässt nach den Filmtagen noch drei Wochen auf sich warten. Das hiesse, eine Woche Filmtage-Schaufenster, einige Tage Zwischenfenster und eine Woche vor dem Schmutzigen Donnerstag dann das aufwendige Fasnachtsfenster. Happig. Doch so tickt Solothurn.

Übrigens: Entlang der Shoppingmeile Gurzelngasse finden sich nur gerade zwei diskrete Filmtage-Logos bei Bücher Lüthy. Und sämtliche Strassenlaternen verzichten auf Gelb. Nein, tout Soleure steht nicht im Bann «seiner» Filmtage».

Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

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