Tourismus

Nach gutem Sommer: Die Hotelbetten in Solothurn bleiben wieder leer

Nicht nur das Hotel Roter Ochsen in der Vorstadt hat momentan freie Zimmer.

Nicht nur das Hotel Roter Ochsen in der Vorstadt hat momentan freie Zimmer.

Nach dem guten Sommer ist das Geschäft erneut eingebrochen. Wie die Hotels in der Region damit umgehen.

«Es geht jetzt um die Existenz», erklärt der Direktor, Sven Holnaicher, vom H4-Hotel. In einem normalen Jahr hat das Hotel an der Aare eine Auslastung von 75 bis 80 Prozent im November. Dieses Jahr sind nur 12 Prozent belegt. «Wir haben normalerweise viel Geschäftsreisende, doch heute reist kaum noch jemand geschäftlich, Touristen haben wir keine mehr», erklärt er die Lage.

Um die Situation abzufedern, wurde jetzt das Angebot angepasst: «Wir haben unseren gesamten Food- und Beverage-Bereich geschlossen», so Holnaicher. Damit meint er, dass das Restaurant und auch die Penthouse-Bar geschlossen sind. Durch diese Massnahme kann er seine Angestellten in die Kurzarbeit schicken und muss das Restaurant nicht offen halten für Gäste, die nicht kommen.

Flexibilität und neue Konzepte sind gefragt

Die Situation im H4 ist seit den neuen Restriktionen Anfang November wieder dramatisch. «Im Sommer ist es bei uns gut gelaufen, es war ein regelrechter Hype», meint er. Wie sich seine Branche in nächster Zeit weiterentwickelt, kann er nicht abschätzen: «Ob Geschäftsreisen in Zukunft wieder gemacht werden, ist schwierig abzuschätzen», so Holnaicher – die Krise werde er aber nutzen, über neue Strategien nachzudenken.

Rolf Trechsel vom Hotel Roter Ochsen bei der Wengibrücke schaut zuversichtlich in die Zukunft. «Ich bin optimistisch, dass es im Frühling wieder besser wird.» Dieses Jahr hat Rolf Trechsel schon gemerkt, dass sich die Situation im Sommer normalisiert hat. «Wir hatten im Juli 1111 Logiernächte. Für uns ist das ein Allzeitrekord», sagt er und schmunzelt über die Zahl, die ganz nach Solothurn passt. «Die Zahlen jetzt sind aber nicht mehr schön», so Trechsel. Er vermutet, dass er im November noch ein Drittel der normalen Belegung hat.

Er wohnt im Hotelgebäude, was ihm Flexibilität gibt, die heute nötig ist, da viele Buchungen sehr kurzfristig gemacht werden. Durch diese Flexibilität kann er auch sein Angebot wie gehabt weiterführen. «Ich schätze es sehr, dass die Hotels in Solothurn nicht ins Bodenlose konkurrenzieren», sagt er beinahe schon erleichtert. Denn wenn ein Preisdruck entstehen würde, wie es in anderen Städten zu beobachten sei, ginge es der Branche in Solothurn noch schlechter.

Ein Hotelzimmer wird zum Büro

Drastische Mittel hat das Zunfthaus zu Wirthen in der Altstadt ergriffen: Es hat das Hotel für die drei Wochen geschlossen und wird erst wieder am 23. November öffnen. Ende Oktober hatten sie zahlreiche Stornierungen und kaum mehr belegte Hotelzimmer. Buchen kann man die Zimmer aber noch, wenn man einen ruhigen Arbeitsort für das Homeoffice braucht. Auch das Zunfthaus kann einen sehr guten Sommer verzeichnen, mit vielen Touristen aus der Westschweiz. Um der momentanen Flaute entgegenzuwirken, macht das Restaurant Hauslieferdienste und Take-away.

Die welschen Gäste waren im Sommer auch in der Couronne und im Baseltor. «Wir hatten zudem viele Velotouristen», erzählt Martin Volkart von der Genossenschaft Baseltor, die die beiden Hotels in der Altstadt betreibt. Doch nach den Herbstferien ist das Geschäft wieder eingebrochen. «Normalerweise hätten wir in dieser Zeit eine Auslastung von 70 Prozent, jetzt haben wir noch 30 Prozent – Tendenz eher sinkend», so Volkart. Geschäftsreisende gibt es in diesen Hotels schon seit Beginn der Coronakrise fast keine mehr. «Es könnte aber sein, dass die Leute im Dezember wieder das Bedürfnis nach einem Tapetenwechsel haben.» Wichtig war in diesem Jahr die Möglichkeit zur Kurzarbeit und das Entgegenkommen der Vermieter. Dass es dann ab April wieder eine gute Sommersaison geben wird, davon ist Volkart überzeugt. Er rechnet aber trotzdem für das nächste Jahr insgesamt nochmals mit einer sehr herausfordernden Zeit.

Der Nebel lockt noch einige Gäste auf den Weissenstein

In Langendorf zeigt sich ein ähnliches Bild: Der Gasthof National hatte einen guten Sommer hinter sich, wie Amir Zukanovic informiert. Im September und Oktober hatte er nur etwa zehn Prozent weniger Gäste, doch seit Ende Oktober ist das Geschäft wieder schlecht. «Wir müssen uns auf einen harten Winter einstellen», sagt er. Bis jetzt hat er noch keine Massnahmen ergriffen und hofft, dass die Situation und die Massnahmen nicht noch verschärft werden.

Auf dem Weissenstein ist die Situation auch wegen der wegfallenden Events schwierig. Durch die kurzfristigen Reservationen und den sich fast wöchentlich ändernden Bestimmungen ist schon eine mittelfristige Planung nicht einfach. Doch sobald Solothurn im Nebel versinkt, ist die Terrasse über der Nebeldecke wieder gefüllt.

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