Kaum jemandem entgingen die Plakate «Ig ha Sorg zu üsere Stadt» in letzter Zeit. Und einige dürften beim nächtlichen Flanieren auf die Patrouillen gestossen sein, die Nachtschwärmer zu Ruhe und Ordnung ermahnten. Für ein abschliessendes Fazit des Pilotprojekts ist es zwar zu früh.

Nichtsdestotrotz trafen sich Vertreter der beteiligten Anspruchsgruppen am Montag zu einer Sommerbilanz, wie Urs F. Meyer, Leiter des städtischen Rechts- und Personaldienstes bestätigt. Dazu zählen die Bewohner, die Gastrobetreiber sowie die Nachtschwärmer, ferner Peter Fedeli, Kommandant der Stadtpolizei.

Die Plakatkampagne geht in die zweite Phase

«Die Leute haben sich durch die Plakate angesprochen gefühlt», resümiert Meyer. In den kommenden Tagen soll nun die zweite Phase der Plakatkampagne initiiert werden: Dafür standen nicht die Gesichter von Gastronomen Modell. «Vielmehr werden neu Verhaltensregeln abgebildet», so Meyer. In drei Leitsätzen wird gegen das Littering, gegen Nachtlärm und gegen das Urinieren in der Öffentlichkeit sensibilisiert.

Im Zusammenhang mit den «Anstandspatrouillen» gibt Urs F. Meyer Startschwierigkeiten zu. Einzelne Gastronomen sollen sich gestört haben, dass sich die Patrouillen der Firma Pantex in militantem Auftritt zeigten und auf ihrer Uniform gleichzeitig die Devise «I ha Sorg zu üsere Stadt» präsentierten.

«So reichte das Spektrum von jenen, die sich durch Pantex bedroht fühlen, bis zu jenen, die froh waren, dass die Stadt was tut.» Da gelte es den Mittelweg zu finden. «Aber gerade die Kreise, die sich an den Patrouillen gestört hatten, konnten bald feststellen, dass die Fehler korrigiert wurden», so Meyer.

Konkret habe man bei Pantex festgestellt, dass die Situation in Solothurn sich nicht mit der Erfahrung deckt, die man als Sicherheitsdienstleister in anderen Städten macht. So wurde die Ausrüstung angepasst. Und: Man verlagerte den Schwerpunkt vom Aaremürli in die Gassen und den Zeitpunkt in die frühen Morgenstunden, wo einzelne Nachtschwärmer Lärm verursachten.

«Seit Wochen keine negativen Feedbacks»

«Das ganze Projekt ist ein laufender Lernprozess», sagt Meyer. «Bereits in den vergangenen Wochenenden hatten wir keine negativen Rückmeldungen mehr.» Anwohner sprechen von weniger Sprayereien und einem gestiegenen Sicherheitsgefühl. Die Problematik «bewässerter Hauseingänge» aber sei nicht einfach zu bewältigen. «Die Patrouillen müssen in der Nähe sein. Und wenn bekannte Orte wie Meistergasse oder Fischergasse unter Beobachtung stehen, weichen die Nachtschwärmer mit Notdurft an andere Orte aus.»

Wichtig ist für Meyer die Feststellung, dass Jugendliche nicht die einzigen Unruhestifter sind. «Am Aaremürli reicht das Spektrum bis 35 Jahre.»

Wie geht es weiter mit dem Pilotprojekt?

Ende September will «Unisono», der Zusammenschluss der Anspruchsgruppen, wieder zusammenkommen. «Da wird diskutiert, ob man das Projekt weiterführen will.» Von Anfang an waren die Kampagne und die Patrouillen als Pilot auf den Sommer beschränkt. Je nach Schlussbilanz und je nach voraussichtlichen Kosten soll im Hinblick aufs städtische Budget 2020 eine Weiterführung beantragt werden.

Frauen fühlen sich nachts sicherer

Als Vertreterin für die Anwohnerschaft ergänzt Jutta Thellmann die Ausführungen Meyers. «Für die Anwohner war es in Bezug auf Nachtlärm bisher ein relativ ruhiger Sommer», lobt sie. Nur habe sich der Lärm auf Storchen- und Postplatz ausgeweitet. «Auffällig war auch, dass sich der Lärm zeitlich nach hinten verschoben hat.» Punkto Littering sei keine Verbesserung spürbar. Immerhin: Vor allem Frauen haben ihr gegenüber bekundet, dank der Patrouillen nachts ein besseres Sicherheitsgefühl zu haben. «Dies, nachdem Belästigungen vor allem auf dem Heimweg die letzten Jahre deutlich zugenommen haben.»

Julia Hostettler, Vertreterin der Nachtschwärmer und der Interessengemeinschaft «Solothurn lebt», zeigt sich zuversichtlich über den weiteren Verlauf des Projekts: «Nach der Sitzung am Montag ist uns klar, dass der Prozess dynamisch und offen für Veränderungen ist.» So herrsche bei allen Beteiligten einen Konsens darüber, welche die Grundproblematik sei und wo man ansetzen müsse. «Nun gilt es, die besten Lösungen gemeinsam zu erarbeiten. Wir erwarten, dass wir unsere Position in der Dialoggruppe konstruktiv einbringen können», so Hostettler weiter.

Stephan Marti vom Café Bar Barock beobachtet als gastronomischer Vertreter eine positive Entwicklung. «Nach ersten Korrekturen zeigt sich, dass die Patrouilleneinsätze unaufgeregt ablaufen.» Lob hat Marti für die schnelle Umsetzung parat: «In anderthalb Monaten wurde das Projekt auf die Beine gestellt. So etwas ist eher untypisch für Solothurn.

Neue Ideen aus dem Alten Spital

Losgelöst von der Plakatkampagne und den Patrouillen scheint sich im Übrigen eine weitere Entwicklung abzuzeichnen. Im Alten Spital werden Gedanken angestellt, für Jugendliche und junge Erwachsene Strukturen im öffentlichen Raum zu schaffen und diese mit entsprechenden Aktionen zu bespielen. «Es sind verschiedene Ideen für nächsten Sommer im Raum», sagt dazu Betriebsleiterin Eva Gauch. Und möglicherweise ergeben sich Anknüpfungspunkte aus der Evaluation des Aktionsmonats «Platz da?!»