Solothurn schreibt Geschichte

«Mir schwebte eine eher simple Geschichte vor» – Stadt-Krimi ist fantasievoller als erwartet

Das Projekt bezieht die 2000-jährige Geschichte der Stadt mit ein und führt einen gedanklich durch die momentan leeren Strassen der Stadt.

Das Projekt bezieht die 2000-jährige Geschichte der Stadt mit ein und führt einen gedanklich durch die momentan leeren Strassen der Stadt.

Im Rahmen eines Projekts von «Solothurn Tourismus» wurde die Barockstadt mit ihrer reichen Geschichte zum Schauplatz eines Krimis.

Seit dem 26. März suchten Stadtführerin Alma, Polizeikommissar Kuno und Journalist Jeffrey nach drei historischen Objekten, die auf mysteriöse Weise verschwunden sind: Der «Füdlistein», die Statue des Freiheitshelden Kościuszko und die historische Scherbe, das älteste Zeitdokument der Stadt. Die Suche führte sie durch die Geschichte der 2000 Jahre alten Stadt und konfrontierte sie mit ihrer eigenen Vergangenheit, mit ihren Verlusten und Gefühlen. Und all ihre Fragen auf dem Weg schienen vergangenen Mittwoch in einer Person zu münden: Mona. Auch bekannt als Mar Besenval.

Ein Stadt-Krimi aus den Federn des ganzen Kantons

Das Projekt von Solothurn Tourismus «Solothurn schreibt Geschichte» fand am Mittwoch ein Ende. Entstanden ist ein 22 Kapitel umfassender Krimi mit der Handschrift der Leser aus dem ganzen Kanton, von Gastautoren, wie Christof Gasser, und von Simone Leitner, Journalistin und Autorin. «Ich war überrascht und sehr erfreut darüber, wie gut die Leute mitgemacht haben», sagt sie. Leitner schrieb während vier Wochen mit den Inputs der Leser die Geschichte des verschwundenen «Füdlisteins» immer weiter. Anfangs hatte sie noch eine lose Handlung vor dem inneren Auge. «Mir schwebte eine eher simple Geschichte über eine Serie von Diebstählen mit nachvollziehbaren Erklärungen vor.» Doch die Protagonisten sind in den Köpfen der Leser und Gastautoren gewachsen, die Handlung verstrickte sich und es wurde immer anspruchsvoller, die losen Enden der Geschichte zu verknüpfen. «Als es komplexer wurde, verspürte ich dann doch einen Druck, den Leserbeiträgen gerecht zu werden», sagt sie. «Aber es hat Spass gemacht.»

Immer abends ab 20 Uhr widmete sie sich der Geschichte und sprach die historischen Details mit der Stadtführerin Susanne Im Hof ab. Bis zu 3000 Zeichen lang waren die Einsendungen der Leser, die Leitner zu einer stringenten Geschichte verweben sollte. Darunter seien teilweise verrückte Krimiplots und brutale Verschwörungstheorien gewesen. Die Figur der Unruhestifterin Mona beispielsweise stamme aus der Fantasie eines Gastautoren. «Sie ist eine reiche, undurchsichtige Figur, die gerne doppelte Spiele spielt.» Die Texte der Leser übernahm Leitner dabei abschnittsweise und redigierte sie. Die Autoren sollten sich noch darin erkennen können. Aber irgendwann musste ein Ende her. «Irgendwann musste ich die Geschichte abbrechen und die losen Enden verbinden», sagt sie und gibt zu, dass der Plot an einigen Stellen nicht stringent ist und Fragen unbeantwortet bleiben. «Es ging aber nicht darum, einen perfekten Krimi zu schreiben. Wir hatten gemeinsam den Plausch während der Corona-Krise.»

Kein Stadt-Solothurner hat sich an der Geschichte beteiligt

Auch die Spielleiterin Nadine Boner Camacho von Solothurn Tourismus findet, dass das Projekt gelungen ist. «Es war eine sehr schöne, spontane Aktion», sagt sie. «Es ist uns gelungen die Leute zu animieren.» Bis zu 20 Leute aus dem ganzen Kanton hätten täglich mitgemacht. Ironischerweise aber war kein Stadt-Solothurner darunter. «Warum das so ist weiss ich auch nicht», sagt Boner Camacho lachend. Man überlege sich, die Geschichte zu illustrieren und zu drucken, aber es sei noch nichts entschieden. Passend dazu soll nach der Aufhebung der «ausserordentlichen Lage» der «Krimitrail» für Kinder lanciert werden. Aber das habe nichts mit dem Projekt zu tun.

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