Sportart
Magischer Ritt auf dem Besenstiel: Sie wollen Quidditch in Solothurn etablieren

Patrick Bütikofer und Martin Rothacher wollen Quidditch, eine Sportart aus der Harry-Potter-Welt, in der Stadt Solothurn zum Fliegen bringen.

Andreas Kaufmann
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1. Quidditch- Probetraining
17 Bilder
1. Quidditch-Probetraining auf dem Rasenplatz der Solothurner Kanti
Quidditch stammt aus Harry Potter und ist ist eine fiktive Mannschaftssportart, die auf fliegenden Besen und mit mehreren Bällen bestritten wird.
1. Quidditch- Probetraining
Drei Ringe sind zu verteidigen
Fünf Bälle sind im Spiel.
Der Quaffel – ein Volleyball – muss durch einen der gegnerischen Ringe.
Wer von einem Klatscher getroffen wird, muss «nach Hause» zu den Ringen
Der Goldene Schnatz wird in Form eines Tennisballs vom Schiedsrichter herumgetragen
Der «Besenstiel» muss stets zwischen den Beinen eingeklemmt bleiben
1. Quidditch- Probetraining
1. Quidditch- Probetraining
1. Quidditch- Probetraining
1. Quidditch- Probetraining
1. Quidditch- Probetraining
1. Quidditch- Probetraining
1. Quidditch- Probetraining

1. Quidditch- Probetraining

Michel Lüthi/bilderwerft.ch

Nein, ganz so abenteuerliche und halsbrecherische Manöver wie bei Harry Potter sind nicht zu befürchten, wenn Patrick Bütikofer und Martin Rothacher auf ihre «Besenstiele» steigen, um sich für eine Partie Quidditch aufzuwärmen. Denn in der Zaubererwelt wird es in schwindelerregenden Höhen gespielt – bei den «Muggeln», den Nicht-Zauberern, läuft die Sache etwas «geerdeter» ab.

Spätestens hier jedoch besteht Klärungsbedarf für all jene, die sich in der literarischen Fantasiewelt der Autorin Joanne K. Rowling nicht auskennen: Quidditch ist eine fiktive Mannschaftssportart, die auf fliegenden Besen und mit mehreren Bällen bestritten wird. Obwohl: Seit mehreren Jahren ist Quidditch – bis auf die technische Schwierigkeit von Besen, die der Schwerkraft trotzen – längst nicht mehr fiktiv.

Etwas zwischen Handball, Rugby und Völkerball

Jüngstes Beispiel vor Ort: der Sportrasen der Kantonsschule Solothurn, wo Bütikofer und Rothacher für einen Testlauf die «Tore» – pro Mannschaft drei zu verteidigende Ringe – errichten und die Besenstiele – Ein-Meter-PVC-Rohre aus dem Baumarkt – zu satteln. Sie möchten Quidditch auch in Solothurn etablieren. «Eine Mischung aus Handball, Rugby und Völkerball», umschreibt Bütikofer den Potter-Sport in Kurzform. Und erklärt die international anerkannten Regeln.

Fünf Bälle sind im Spiel: Der Quaffel – ein Volleyball – muss durch einen der gegnerischen Ringe. Die mit einem der drei Klatscher getroffenen Gegenspieler werden «nach Hause» zu den Ringen geschickt. Der Goldene Schnatz wird in Form eines Tennisballs in einer Socke vom Schiedsrichter, dem neutralen Schnatzläufer, herumgetragen, bis er von einer der Mannschaften gefangen wird, was das Match beendet. Weniger als Transportmittel, sondern eher als sportliches Handycap dabei: der «Besenstiel», der stets zwischen den Beinen eingeklemmt bleibt.

Der Besenstiel-Sport in aller Munde

Nachdem 2005 Quidditch in USA in der realen Welt ankam, wo es mittlerweile als sportliche Disziplin an einigen Universitäten zu finden ist, zog die Faszination ihre Kreise bis nach Europa. Patrick Bütikofer zählt mit zwei anderen Quidditch-Spielern zu den Pionieren in der Schweiz. Durch die Quidditch-Weltmeisterschaft in Deutschland sei er überhaupt aufs Thema gestossen, sagt er. Schliesslich wurden in Zürich, Luzern und Hägendorf die ersten Ableger hierzulande gegründet.

Später ging von diesen drei Pioniergruppen auch die Gründung des Schweizerischen Quidditch-Verbands aus. Nach «Pilatus Patronus», den «Turicum Thunderbirds» und den «Hippogreifen Hägedorf» formierten sich weitere Gruppen wie die «Mosliger Bowtruckles», die «Geneva Goblins», die «Berner Boggarts», die «Basler Basilisks» und die «Turicum Lightning Sparrows», die Kinder-Mannschaft der Zürcher «Thunderbirds».

Ihre Mission, noch mehr Menschen für Quidditch zu begeistern, versuchen Bütikofer und Rothacher nun in Solothurn fortzusetzen. Am 1. September von 15 bis 17 Uhr auf dem Kanti-Areal besteht die Gelegenheit zum Schnuppern. Leider habe man vor Kurzem die Hägendorfer Truppe auflösen müssen. «Nun probieren wir in Solothurn was, nicht zuletzt wegen des grossen Einzugsgebiets.» Ein kürzlich lancierter Versuch eines Probetrainings stiess auf wenig Anklang, was allerdings den Sommerferien zuzuschreiben sei. Findet Quidditch in Solothurn seine Anhängerschaft, so wäre auch eine Vereinsgründung Thema.

Viele Potter-Fans, aber auch «Muggel»

Doch was sollen «Muggel» mit keinem Bezug zur literarischen Vorlage mit dem Besenreiten anfangen? «Natürlich tummeln sich viele Harry-Potter-Fans in der Quidditch-Sportgemeinschaft», antwortet Bütikofer. Und doch gibt es jene, die ohne Bezug zu Harry Potter Freude an Quidditch bekommen. «Viele finden es spassig, merken dann aber nach dem Austesten schnell, dass das stete Hin-und-Her sehr anstrengend ist», so Bütikofer.

Dennoch: «Quidditch ist für alle geeignet, egal welchen Alters und welcher Geschlechtszugehörigkeit.» In der Regel sind die Teams daher gemischtgeschlechtlich aufgestellt. «Das Schöne an Quidditch ist, dass es sehr intensiv und schnell gespielt wird. Und – dass der Teamgeist und die Gemeinschaft im Vordergrund stehen», so Bütikofer.

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