Die Schweiz ist ein hartes Pflaster für ein solches Projekt», so das Fazit von Roland Gasser und Heinz Schafroth, die mit ihrer Da-Vinci-Ausstellung vier Monate lang in Pratteln gastiert hatten: kaum Besucher und nur wenig Unterstützung der Behörden.

Das «harte Pflaster», scheint sich nun nach neun Wochen in Solothurn erneut zu bestätigen: «Die Schweiz ist offensichtlich für eine solche Ausstellung über Leonardo da Vinci nicht geeignet», resümiert Schafroth nicht ohne Resignation. Das Thema sei hierzulande wohl bereits in der Vergangenheit sehr präsent gewesen.

«Vor allem die jüngere Generation kennt Da Vinci.» Lediglich 3200 Besucher, darunter 19 Gruppen, mehrheitlich Schulklassen, sind während der neun Wochen in der Reithalle ins vielseitige Schaffen Da Vincis eingetaucht – vielfach durch Mundpropaganda aufmerksam geworden.

Nicht genug: Schafroth spricht von einem rechnerischen Minus im fünfstelligen Bereich. Für die Realisation und die Präsenz in Pratteln wurden 250 000 Franken aus der eigenen Tasche aufgewendet, für Solothurn kam ein Budget von rund 70 000 Franken hinzu.

Ebenfalls «gar nicht zufrieden» ist sein Geschäftspartner Roland Gasser, der geistige Vater der Ausstellung. «Zu schaffen machte uns, dass die Behörden die Ankündigung unserer Ausstellung oft nicht an die Schulen weitergeleitet haben», sagt Gasser.

«Die Prospekte blieben auf den Schulsekretariaten liegen.» Das sieht auch Schafroth so: «Für so ein Projekt braucht es nicht nur Geldgeber, sondern jemanden, der den Idealismus portiert.» Was sich die beiden ausserdem gewünscht hätten, wären bekannte Exponenten, Bannerträger gewesen.

Tatsächlich hatte Gasser nach Erfahrungen mit einer ähnlichen Ausstellung in Australien die Idee, Leonardo da Vinci auch den Schweizern näher zu bringen. Doch der Erfolg hier hinkte jenem auf der südlichen Hemisphäre weit hinterher.

«Die Schweiz ist für Leonardo nicht geeignet»: Heinz Schafroth, Co-Initiant der Da-Vinci-Ausstellung, zieht eine recht nüchterne Bilanz.

«Die Schweiz ist für Leonardo nicht geeignet»: Heinz Schafroth, Co-Initiant der Da-Vinci-Ausstellung, zieht eine recht nüchterne Bilanz.

Die Idee gelangt an ihr Ende

Für die beiden Idealisten wird es nach Pratteln und Solothurn keine Fortsetzung der Da-Vinci-Ausstellung geben. Am Montag werden die von der florentinischen Manufaktur Niccolai gebauten Da-Vinci-Modelle wieder an ihrem Herkunftsort angelangt sein: im dortigen Da-Vinci-Museum.

Der Handwerksmeister Gabriele Niccolai begleitete am Mittwochabend die Demontage der Exponate. Aus logistischen Gründen war die Ausstellung statt heute Freitag bereits vor zwei Tagen geschlossen worden. Zahlreiche Besucher nutzten die Gunst der – letzten – Stunde.

«Die Leute kommen oft im letzten Moment vorbei. Und so hatten wir in den vergangenen 14 Tagen den grössten Publikumsansturm», sagt Gasser. Demgegenüber war das Interesse zu Beginn und in der Weihnachtszeit bescheiden.

«Immerhin jenen Leuten, die vorbeigeschauten, konnten wir eine Freude machen», sagt Gasser. «Das Interesse war grösser als in Pratteln. Die Besucher haben mehr Fragen gestellt.»

Ausserdem kam es in der Reithalle zu vielen Überraschungseffekten: «Vielen Leuten ist gar nicht bewusst, was Da Vinci neben dem ‹Letzten Abendmahl› und der ‹Mona Lisa› alles erschaffen hat.»

Hier erlebte das Publikum den Mediziner, der die menschliche Anatomie kartografierte, den Pazifisten, der seine Skizzen zu Kriegsmaschinen wohl bewusst fehlerhaft oder spiegelverkehrt anfertigte, und das Universalgenie, das seiner Zeit weit voraus war.

«Faszinierend, was er vor 500 Jahren an Gerätschaften erfunden hat», fand Theo Fröhlich, der mit seinem Lehrerkollegen Daniele Supino dem Faszinosum Da Vinci einen Besuch abstattete. «Die Ausstellung ist anschaulich präsentiert und enthält Modelle, nicht nur Skizzen.

Sie ist auch für Kinder geeignet.» Der pensionierte Solothurner Robert Fluri hat Geschichte studiert und findet gerade auch die gewaltige Aufbruchsbewegung der Renaissance bedeutsam. «Ich bin ausserdem von der Vielfalt der Person Da Vinci fasziniert.»

Mit wenig Mitteln viel gezeigt

Auch Erika Zwahlen aus Grenchen nutzte den letzten Ausstellungstag für einen Besuch. «Die Zeit reicht gerade einmal, um den ‹Umschlag› zu Da Vinci zu lesen, nicht aber für das ganze ‹Buch›», verdeutlicht sie die Fülle an Informationen in der Ausstellung.

«Eigentlich sollte der Kanton alle Schüler hierhin schicken», bestätigt sie die Haltung der Aussteller. «Hier wird mit wenig Mitteln sehr viel gezeigt», so Zwahlen. Dass gerade jüngere Besucher den Weg zu Da Vinci fanden, ohne im Schlepptau ihrer Schulklasse zu sein, bewies ein 13-Jähriger, der Da Vincis Modelle zum letzten Mal in Augenschein nahm: «Mich interessiert vor allem die Mechanik.

Und die Ausstellung erklärt die Dinge, so dass man sie versteht.» So ist auch Schafroths Wehmut nicht zu überhören: «Gerade für Schüler wird eine solche Gelegenheit nicht wieder kommen. Ausser sie besuchen Da Vinci in Florenz oder Mailand...»