Lange schlummerte das «Laubsägelihaus» an der Zuchwilerstrasse 40 unbewohnt und hinter Bäumen verborgen vor sich hin. Im vergangenen Sommer gelangte das Bijou aus der Epoche des Schweizer-Chalet-Stils nach Rodungsarbeiten in Sicht. Nun scheinen die Tage des Hauses gezählt: Sofern nicht Einsprachen auf die eben erschienene Baupublikation eingehen, wird das «Laubsägelihaus» abgerissen.

«Rechtlich ist dem Abriss nichts entgegenzuhalten», sagt Urs Bertschinger, Bauforscher der kantonalen Denkmalpflege. Denn das Objekt ist nicht geschützt – befindet sich lediglich im Inventar der schützenswerten Gebäude. «Das wussten wir, dennoch haben wir immer gehofft, die Besitzer für ein Alternativprojekt überzeugen zu können.» Dazu habe man Ende 2016 zusammen mit dem Stadtbauamt, dem Architekten und den Besitzern, der Immo Jenny AG, das Gespräch gesucht. Eine Lösung zum Erhalt des Hauses konnte indes nicht gefunden werden.

Eine Einsprache sei vonseiten der Denkmalpflege nun aber deswegen keine zu erwarten: «Allerdings werden wir unsere bereits verfasste Stellungnahme gegenüber der Stadt noch einmal bekräftigen: Wir können dem Gesuch nicht zustimmen.» Auch wolle man den Kontakt mit dem Solothurner Heimatschutz aufnehmen.

Rechtlich schwierig

«Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich noch nicht sagen, was wir im Zusammenhang mit dem ‹Laubsägelihaus› unternehmen können und werden», ist von Daniele Grambone zu hören. Der Präsident des Heimatschutzes verdeutlicht aber: «Grundsätzlich sind wir für die Erhaltung solcher Perlen. Doch die rechtliche Ausgangslange dafür ist schwierig.»

Er verweist insbesondere auf einen Fall mit ähnlicher Ausgangslage: die Luder-Villa am Sälirain: «Es ist ein Objekt von einmaliger Bedeutung, das praktisch keinen rechtlich verbindlichen Schutz geniesst und sich in Privatbesitz befindet.» Ein Erhalt ist aus Grambones Sicht nur möglich, wenn die Bedeutung eines solchen Objektes von vielen Akteuren, der Stadt, der Baukommission, der Denkmalpflege, den Architekturkreisen, der Besitzerschaft und den Medien erkannt und getragen werde.

Seitens der Immo Jenny AG wollte sich gestern auf Anfrage niemand zum Abbruch äussern. Klar ist: Unter anderem Fäulnis und Holzwürmer haben dem lange unbeheizten Haus in den vergangenen Jahren zugesetzt. Weiter seien einzelne Hauselemente nicht mehr originalgetreu. Auch sei die Nutzung des Hauses durch mehr als eine Familie aus Gründen des Brandschutzes unzulässig. Auf der anderen Seite würde die betreffende Bauzone dort dreigeschossige Neubauten zulassen.

Ganzes Haus zügeln?

Urs Bertschinger von der Denkmalpflege vermutet, dass mit einem Abbruch vor nächstem Jahr nicht zu rechnen ist. Immerhin sei mit der Besitzerschaft vereinbart, schützenswerte Elemente aus dem Haus zu retten. «Der Kachelofen, schöne Eichenparkettböden und andere Objekte würden der Denkmalpflege übergeben.» Und auch eine ganz verwegene Idee wird nicht ausgeschlossen: Vielleicht lasse sich das Haus demontieren und an anderem Ort für eine andere Nutzung wieder aufbauen. «Hierzu müsste man aber die Kosten ausrechnen.» Klar ist: Für eine Züglete des «Laubsägelihauses« brauchts einen Investor – mit viel Kapital.