An der Baselstrasse kommen sich die Pläne der Bipperlisi-Betreiber Aare Seeland mobil AG ASM und diejenigen von Migros und Denner offenbar so in die Quere, dass per Einsprache die Eröffnung eines Migros Kleincenters blockiert wird.

In Langenthal, dem ASM-Sitz, hält man sich allerdings bedeckt. Direktor Fredy Miller meint auf unsere Anfrage zu den Einsprachegründen lakonisch: «Zu laufenden Einspracheverfahren geben wir keine Stellungnahme ab.»

«Bipperlisi» will wachsen

Doch braucht es keine hellseherischen Fähigkeiten, um zu erkennen, wo die Problemzone für den Bahnbetreiber liegt: Mit einer Kundenzufahrt aufs Amag-Areal von der Baselstrasse aus kämen Migros und Denner möglichen Ausbauplänen der ASM ins Gehege. Zur Diskussion steht – und das ist kein Geheimnis – allenfalls ein Doppelgleis-Ausbau zwischen dem Baseltorkreisel und der Haltestelle St. Katharinen auch im Zug der Einführung des Viertelstundentakts.

Ob Doppelgleis oder Beibehalten der Einzelspur – für Fredy Miller ist in Solothurn ohnehin Investitionsbedarf gegeben: «Die Aare Seeland mobil AG muss in naher Zukunft die Geleise in der Baselstrasse altersbedingt ersetzen. Zudem rechnen wir ab dem Jahr 2030 mit der doppelten Fahrleistung gegenüber heute.»

Die Bahn sei Projektpartner zusammen mit dem Kanton Solothurn im Rahmen des Projekts «Sanierung und Umgestaltung Baselstrasse». Aktuell sei man in der Planungs- und Projektvorbereitungsphase. «Insofern können wir keine konkreten Aussagen zum Projekt vornehmen. Zur Zeit findet ein Austausch mit den direkt involvierten Partnern statt. Zu einem späteren Zeitpunkt ist eine öffentliche Information geplant», erklärt Miller.

Kanton plant mit der Bahn

Auch im kantonalen Amt für Verkehr und Tiefbau gibt sich Kantonsingenieur Peter Heiniger recht einsilbig: «Die zukünftige Führung des Geleises der ASM ist Bestandteil der gemeinsamen Planung des Kantons und der ASM im Zusammenhang mit der baulichen und verkehrstechnischen Sanierung der Baselstrasse und des ASM-Geleises.»

Der Kanton müsse die Strasse demnächst zustandsbedingt baulich sanieren und die Bahn das Geleise zeitnah ersetzen. Und auch Heiniger betont: «Zudem wird die ASM ab 2030 die Fahrleistung verdoppeln, was voraussichtlich ebenfalls Anpassungen der Bahninfrastruktur bedingt. Diese Vorhaben werden von der ASM und dem Kanton koordiniert geplant und projektiert.»Die Planung befinde sich jedoch noch in der Konzeptphase. Eine demnächst anberaumte Sitzung diene dem Austausch und der Besprechung der weiteren Stossrichtung.

Skeptischer Stadtpräsident

Nicht unbedingt begeistert von den Absichten und der Stossrichtung des Kantons zur ASM-Zukunft ist Stadtpräsident Kurt Fluri – er sitzt bekanntlich auch im Verwaltungsrat der Bahn. «Wenn die Einführung des vorgesehenen Viertelstundentakts ohne das Doppelgleis möglich ist, bin ich dagegen, die Spur doppelt über die Baselstrasse zu führen.» In der erwähnten, baldigen Sitzung mit dem Kanton und der ASM werde dies thematisiert.

Denn Fluri sieht einen Rattenschwanz von Problemen auf die Stadt zukommen. «Man müsste mit dem Doppelgleis den Verkehr stark pförtnern», glaubt der Stadtpräsident – was zu massiven Behinderungen führen könnte. Auch befürchtet Fluri, dass die Fahrplangenauigkeit des Bipperlisis arg leiden könnte, «und wenn ich aus diesem Grund eine halbe Stunde eher aufs Bipperlisi muss, um den Zug nach Bern zu erwischen, dann lasse ich es bleiben», betont er als regelmässiger ASM-Fahrgast.

Ein weiteres Problem: Man geht offenbar bei der Doppelgleisvariante davon aus, dass beide Spuren in der Strassenmitte parallel verlaufen sollen. «Dann müsste man auch die Haltestellen neu organisieren. Sonst könnte man ja nur über die Strasse zur Bahn gelangen.» Der Kanton hoffe vor allem auch, die Sicherheit des Bahnbetriebs zu verbessern – doch der hauptsächliche Unfallherd sei nicht die Baselstrasse an sich, sondern bekanntlich der Baseltorkreisel. Geringe Sympathien für die Doppelgleis-Pläne ortet Fluri auch bei anderen Unterleberberger Gemeinden von Feldbrunnen über Riedholz, Hubersdorf bis Günsberg. Denn die Postauto-Linie vom Balmberg würde nicht mehr bis Solothurn führen, sondern in Riedholz enden. «Und die Leute müssten dort aufs Bipperlisi umsteigen.»

Der Bund zahlt mit

Offenbar pusht der Kanton die Doppelgleis-Pläne nicht zuletzt deshalb, weil Bundesgelder dafür zur Verfügung stehen. Und zwar aus dem Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrsfonds. Kurt Fluri befürchtet jedenfalls, dass das Doppelgleis-Vorhaben «sehr teuer» zu stehen käme und nennt auch eine erste Zahl: 26 Mio. Franken.

Auch zur Terminschiene für die Umsetzung – in ersten Ankündigungen wurde schon 2020 bis 2022 genannt – gibt sich der Stadtpräsident sehr skeptisch, rechnet er doch mit etlichen Einsprachen. Die ersten liegen ja schon vor: Denn Migros wird auf das Recht zur Amag-Areal-Zufahrt pochen. Und auch dieser Punkt muss geklärt sein, bevor ein Doppelgleis zum Zug kommen kann.