Solothurn

Kantonale Denkmalpflege will Freibad unter Schutz stellen − die Badi, ein Kulturdenkmal?

Im Zusammenhang mit den Restaurierungs- und Umbauarbeiten am Freibad Solothurn will die Kantonale Denkmalpflege dieses unter Schutz stellen. Die Badi sei aus städtebaulicher und architekturhistorischer Sicht von grosser Bedeutung An der nächsten Gemeinderatssitzung wird nun über den Antrag verhandelt.

In den kommenden Jahren stehen in der Badi Solothurn mehrere Restaurierungs- und Umbauarbeiten an. Diesen Winter wurde das Sportbecken saniert, in zwei weiteren Etappen sollen die Garderoben, die Duschen und das Restaurant folgen. Den Kredit für die Gesamtsanierung in Höhe von 7,2 Millionen Franken hat das Stimmvolk am 9. Februar bewilligt. Im Zusammenhang mit diesen Arbeiten am jüngeren Teil des Freibades schlägt die kantonale Denkmalpflege nun aber vor, die gesamte Anlage unter Schutz zu stellen.

Dies teilte das Amt für Denkmalpflege und Archäologie dem Stadtpräsidium in seinem Brief vom 2. April 2020 mit. Nachdem bereits die Altstadtkommission dem Antrag zugestimmt hat, wurde dieser auch von der Gemeinderatskommission gutgeheissen und wird nun an der nächsten Gemeinderatssitzung vom kommenden Dienstag behandelt.

Die charakteristischen Elementen gut erhalten

Das Freibad wurde im Jahr 1926/27 von den Solothurner Architekten und Baumeister Gebrüder Fröhlicher im neoklassizistischen Stil errichtet. Noch heute sind die zwei von Kabinen gesäumtem Bassins erhalten. Während die beiden Bassins aber früher streng nach Geschlechtern getrennt wurden, dienen sie heute unterschiedlichen Planschzwecken und sind mit einer Rutsche oder einem Sprungturm ausgestattet. Die langen Kabinentrakte entlang der Bassins werden durch markante Pavillons mit Walmdächern eingefasst.

In der Mittelachse auf der Nordseite befindet sich die alte, ebenfalls mit einem hohen Walmdach ausgezeichnete Eingangshalle. «Trotz späterer Veränderungen wie beispielsweise dem Abbruch des alten zentralen Turms oder dem Einbau der Rutschbahn hat sich das typische Flussbad mit seinen charakteristischen Elementen gut erhalten», schreibt die kantonale Denkmalpflege in ihrem Brief und spricht damit die Doppelpilaster und Säulenstellungen an, die als «klassizistische Gliederungselemente der Fassaden» dienen.

Eine architekturhistorisch besondere Badeanlage

Im Jahre 1960-1964 wurde schliesslich der neuere Teil des Freibades unter dem damaligen Stadtbaumeister Hans Luder erbaut. Im rechten Winkel zur alten Badeanstalt entstand nicht nur ein drittes Schwimmbecken mit separatem Sprungturmbereich, sondern auch ein neuer ein- und zweistöckiger Trakt. Darin waren fortan die Garderoben, die Toiletten, das Restaurant und die Kasse untergebracht.

«Das Freibad bildet eine stimmige Gesamtkomposition aus historisch-neoklassizistischem Flussbad und der Erweiterungsanlage der 1960er-Jahre in Stil der Nachkriegsmoderne», so die kantonale Denkmalpflege. Und weiter: «Die Anlage besticht nicht nur durch ihre jeweils zeittypische, qualitätsvolle Architektur mit beachtenswerten baukünstlerischen Details, sondern auch durch ihre geometrisch angelegte Gesamtanlage, die westlich von Solothurn in die weiträumigen Flussebenen entlang des gewundenen Aarelaufs in eine ideale Umgebung eingebettet ist.»

Aufgrund der beschriebenen städtebaulichen und architekturhistorisch besonderen Bedeutung fordert die Denkmalpflege-Kommission und der Chef des Amtes für Denkmalpflege und Archäologie, dass die Badi unter Schutz gestellt wird. Das Freibad soll in das Verzeichnis der geschützten historischen Kulturdenkmäler des Kantons aufgenommen werden.

Unterschutzstellung hat keinen Einfluss auf Umbau

Bei der Behandlung des Antrages in der Gemeinderatskommission wurde die Frage aufgeworfen, ob die Unterschutzstellung einen Einfluss auf das Umbauprojekt haben wird. Gemäss Andrea Lenggenhager, Leiterin des Stadtbauamtes, ist dies aber nicht der Fall. Zudem werde die Denkmalpflege beim Projekt miteinbezogen und die Zusammenarbeit funktioniere gut.

Nun wird der Antrag auf Unterschutzstellung also am Dienstag im Gemeinderat behandelt. Als Eigentümerin der Badi hat die Einwohnergemeinde der Stadt Solothurn hier das letzte Wort. Mit einer Unterschutzstellung verpflichtet sich die Einwohnergemeinde, das Objekt zu erhalten und unterhalten, und darf das geschützte Objekt ohne Zustimmung der Fachstelle nicht verändern.

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