Wie sind Sie Kameramann geworden?

Daniel Leippert: Ich machte eine Lehre als Fotograf zum Einstieg, besuchte dann das Institut für den wissenschaftlichen Film in Göttingen, machte ein Praktikum im Filmkopierwerk in Hamburg und war Beleuchtungs- und Materialassistent. 1985 suchte der Fernsehsender SAT 1 Kameraassistenten, um für die News-Sendungen die Journalisten zu begleiten. Das entwickelte sich aber zu eigenständiger Kamera-arbeit. Anderthalb Jahre arbeitete ich bei SAT 1, wo ich auch im Videobereich tätig war. 1987 gründeten wir in Solothurn die Insert-Film und ich begann dort als Kameramann zu arbeiten. Seither bin ich Kameramann.

Ihr Vater, Charlie Leippert, war ja eng mit den Solothurner Filmtagen verbunden. Hatte das Einfluss auf Ihren Berufswunsch?

Das hat mich sicher geprägt, denn schon als kleiner Knirps nahm er mich an die Filmtage mit. Mit 12 Jahren filmte ich meinen ersten Super-8mm Film und ich wusste: Ich will Kameramann werden.

Trailer zu Fair Traders von Nino Jacusso

Welches war Ihr erster Film als verantwortlicher Kameramann?

Das waren zwei Kurzfilme für den NDR. Das war eine spezielle Situation, denn ich war der Jüngste von allen und trug die volle Verantwortung. Aber es ist alles gut gegangen. Der erste grosse Kinospielfilm war «Escape to Paradise», der 2001 in die Kinos kam und viele internationale Preise erhielt.

Sie haben mehrmals mit Nino Jacusso zusammengearbeitet. Wie kam es dazu?

Nino wusste, dass ich Fotograf bin und hat mich gefragt, ob ich für «Klassengeflüster» Standfotos machen würde. Damit begann unsere Zusammenarbeit.

Wieso haben Sie meistens für Dokumentarfilme gearbeitet?

Ich liebe es, Wirklichkeit einzufangen, mit Licht und Cadrage (Bildausschnitt) Geschichten zu erzählen. Dabei ist es mir wichtig, für Leute, die sonst nie vor einer Kamera stehen, ein gutes Arbeitsklima zu schaffen. Es braucht viel Gespür, um Wirklichkeit auf die Leinwand zu bringen. Daher ist es mir wichtig, genug Zeit zu haben, um Vertrauen aufzubauen. Derzeit drehe ich wieder für einen Spielfilm, was eine gänzlich andere Arbeitsweise bedingt.

Was macht die Faszination des Berufes Kameramann aus?

Es ist ein kreativer Beruf und ich kann visuell Ereignisse so gestalten, dass sie das Publikum versteht. Auch komme ich mit meiner Kamera an Orte, zu denen ich ohne meinen Beruf keinen Zutritt hätte, treffe Menschen, die sich mir anvertrauen, weil ich ihnen fokussiert zuschaue.

Können Sie etwas über die Dreharbeiten zu «Fair Traders» erzählen?

Nino Jacusso hat sich vier Jahre mit dem Projekt befasst, hat recherchiert und schliesslich eine Drehvorlage geschrieben. Als wir mit der effektiven Dreharbeit begonnen haben, war aber die Drehvorlage Makulatur – wie so oft beim Dokumentarfilm. Ich musste mich der neuen Wirklichkeit anpassen und flexibel reagieren. Auch diese Dreharbeiten haben mir gezeigt, dass ich das Glück hatte, meiner Berufung zu folgen, denn ich liebe Filme und ich liebe Filmarbeiten.