Uferbau

Jens Wachholz empört sich auf allen TV-Kanälen

Jens Wacholz enerviert sich vor dem TV-Bildschirm total.

Jens Wacholz enerviert sich vor dem TV-Bildschirm total.

Mit einem bitterbösen Blick auf die TV-Landschaft schockierte Theatermacher Jens Wachholz das Première-Publikum in der Kulturgarage. Seine jüngste Theaterproduktion ist ein Einmann- stück zum Nachdenken.

Sich mit der Droge Fernsehen und dem medialen Wahnsinn unserer Zeit zu befassen kann aufreibend und zeitintensiv sein. Der freischaffende Schauspieler Jens Wachholz und die Regisseurin Vera Probst haben es trotzdem versucht und die tägliche Alltagsbeschäftigung via Flat-Screen unter die Lupe genommen. Unter dem Titel «Endstation Fernsehen – Willkommen Zuhause» ist es den beiden hervorragend gelungen, die ins Haus gelieferte, pausenlose Unterhaltung kritisch zu hinterfragen und den Blick auf die dunklen Seite der Fernsehmacher zu lenken.

Zu Beginn ist alles ruhig, der Eventraum in der Kulturgarage ist abgedunkelt, der Blick der Zuschauer fällt auf ein Wohnzimmer, das im Chaos versinkt. Überall liegen leere Pet- und Bierflaschen herum. Öufi-Bier steht auf Letzteren. Über einem Riesenstapel Bücher thront ein Flat-Bildschirm. Auf der Gegenseite steht ein Ergometer. Es vergehen ein paar Minuten bis Jens Wachholz mit Krücken und einem eingebundenen Bein auf die Bühne humpelt. Seine Laune scheint nicht die beste zu sein. Er setzt sich aufs Sofa und beginnt zu zappen. In voller Lautstärke singt irgendeine blonde Schönheit ein Volkslied mit Bezug zum Weissenstein. Der Himmel hängt voller Geigen, und es scheint, dass den Menschen im Hintergrund das Lachen nie vergehen wird. Ein Abend- oder Nachmittagsprogramm wie es viele Fernsehzuschauer mögen. «Bullshit», sagt Wachholz und zappt weiter. «Blablabla.» Es folgt Werbung, die ebenfalls die heile Welt suggeriert. Dann ein Fussballspiel, untermalen von Beethovens Fünften. Das Theaterpublikum lacht aber Wachholz ist genervt: «Das Fernsehen wie es heute daher kommt braucht kein Mensch.»

Totalitäres Medium

Und damit wären wir beim Thema. Rundumunterhaltung vom Übelsten, die den Zuschauer für dumm verkauft. Wachholz ist empört. «Das Fernsehen ist zu einem antidemokratischen und nahezu totalitären Medium verkommen», hält der unermüdliche Theatermacher im Programmbeschrieb fest. Fernsehen als Fluch und Segen zugleich. Spass ohne Ende, und das nur per Knopfdruck.

Inzwischen hat er sich auf den Ergometer gesetzt, doch der Blick ist immer noch auf den Bildschirm gerichtet. Irgendwie möchte man das Gerät abstellen. Der Lärm strapaziert die Ohren. Doch es dauert noch eine Weile bis es auf dem Bildschirm wieder schwarz wird und Wachholz davon humpelt.

Die Suche nach einem neuen Einmannstück hat sich für den medienkritischen und versierten Theatermann gelohnt. Auf komödiantisch-provokative Art und Weise hat er das zahlreich erschienene Publikum mitgenommen in eine Scheinwelt, die viel zu selten hinterfragt wird. Der Applaus verrät, dass die Produktion gefallen hat. Und einer sagt beim Aufstehen: «Was für ein Schrott, dem wir uns täglich aussetzen.»

Weitere Aufführungen: 3./9./10./16. und 17. Juni, jeweils 20.15 Uhr

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