ICT-Strategie

IT-Verjüngungskur für die Stadtsolothurner Verwaltung

Die Informatik der Stadtverwaltung auf dem Prüfstand

Die Informatik der Stadtverwaltung auf dem Prüfstand

Die zum Teil Jahrzehnte alten Strukturen, Dokumente und ICT-Grundlagen der Stadt sind Thema der nächsten Gemeinderatssitzung.

Kaum ein anderer Bereich der Arbeitswelt ist derart rapiden Änderungen unterworfen wie die Informatik – oder wie sie heute eher genannt wird: Informations- und Kommunikationstechnologie ICT. Umso bedenklicher stimmt die Feststellung, die GLP-Gemeinderat Claudio Hug als Erstunterzeichner in einer Motion vor zwei Jahren vorbrachte: Laut Rechnungsprüfungskommission seien die ICT-Grundlagen und -Dokumente der Stadtverwaltung teilweise älter als 20 Jahre.

Nun hat besagte Motion, deren Beantwortung am Dienstag im Gemeinderat behandelt wird, zum Ziel, die städtische Informatik einer Verjüngungskur zu unterziehen. Konkret: Die Stadtverwaltung solle eine Stelle definieren, die die strategische Steuerung des ganzen Informatik-Bereichs wahrnimmt und als Kontakt zu den Leistungserbringern auftritt. Grundlagen und Betrieb der ICT sollen in einem Konzept festgehalten werden. Weiter soll diese definierte Stelle erörtern, welche Vor- und Nachteile eine öffentliche Ausschreibung der ICT-Leistungen mit sich bringt.

Abrechnungen seien zu wenig transparent

Zur Erläuterung: Derzeit erbringt die Regio Energie Solothurn RES die IT-Dienstleistungen der städtischen Verwaltung. Die strategische Führung obliegt der EDV-Kommission, einem Gremium zwischen Stadt und Regio Energie Solothurn. Lediglich die Infrastrukturen der Stadtschulen sind seit 2018 an die Solothurner Firma dplan ausgelagert.

Die Schulverwaltung selbst zählt allerdings nicht dazu und wird derzeit ebenfalls durch die Regio Energie betreut. Hug bemängelt in der Motion, dass die Beziehungen zwischen Auftraggeber und -nehmer zu wenig transparent seien, ebenfalls die Abrechnungen der erbrachten IT-Dienstleistungen. Nun also sollen die Rollen zwischen RES und der Stadtverwaltung entflochten werden.

Veraltetes, historisch gewachsenes Regelwerk

Wie Stadtpräsident Kurt Fluri in seiner Beantwortung erklärt, sei bereits vor Eingabe der Motion von Seiten der Rechnungsprüfungskommission und der Finanzkommission gefordert worden, die Organisationsstruktur und die Kosten der Informatik zu überprüfen. Entsprechend wurde im Sommer 2018 die Berner Firma CSP AG mit dieser Aufgabe betraut. Fazit: Hugs Aussagen konnten bestätigt werden, CSP monierte mitunter das veraltete und historisch gewachsene Regelwerk, sowie die fehlende Transparenz der vereinbarten Leistungen und der Verrechnung.

Damit fehlten Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Dienstleistern auf dem freien Markt. Weiter wurde auch beanstandet, dass beim IT-Support zu wenig Ressourcen vorhanden seien. Gleichzeitig wurde das Supportteam aber als freundlich und verlässlich gelobt. Alsbald schlug die CSP AG der Verwaltung vor, eine zeitgemässe IT-Strategie zu definieren, weiter den Konzessionsvertrag zwischen Stadt und Regio Energie Solothurn neu auszuhandeln und schliesslich eine Stelle «IT-Leiter», quasi als Brückenkopf zwischen Verwaltung und RES, zu schaffen. Weiter soll die Informatik bedarfsgerecht und kostenbewusst weiterentwickelt werden. Und zuguterletzt soll im Sinne eines Marktvergleichs der geeignete Partner für die IT-Dienstleistungen gefunden werden.

Im Frühling 2019 äusserte sich schliesslich auch die Regio Energie zu den Überlegungen und brachte mehrere Lösungsvarianten für die Strukturen zwischen Leistungserbringer und Leistungsbezüger ein.

Mit Mehrkosten wäre zu rechnen

In seiner Motionsantwort empfiehlt Kurt Fluri, den Vorstoss erheblich zu erklären und den ähnlich lautenden Empfehlungen der Firma CSP zu folgen. Auch sei vorstellbar, eine der RES-Varianten ins Auge zufassen: Hierbei würden die Verwaltungsleitenden die IT-Bedürfnisse ihres Bereichs anmelden. Werde die Motion nächsten Dienstag vom Gemeinderat gutgeheissen, so sei mit grösseren, nicht näher bezifferten Mehrkosten für eine allfällige Stellenschaffung in den nächsten Jahren zu rechnen, so Fluri.

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