Zustupf

Inler-Geldsegen für FC Solothurn – mit Abstrichen?

Gökhan Inler wechselt zu Leicester City

Gökhan Inler wechselt zu Leicester City

Bei jedem Clubwechsel von Fussballern erhalten die ausbildenden Vereine fünf Prozent der Transfersumme. Dank Gökhan Inler könnte der FC Solothurn so zu Geld kommen. Doch frühere «Anleger» des Clubs könnten ihren Anteil einfordern.

Es wäre mehr als ein freudiger Zustupf für die Clubkasse des FC Solothurn: Mit dem aktuellen Wechsel des ehemaligen FCS-Juniors Gökhan Inler von SSC Neapel zu Leicester City soll auch der Solothurner Club ein Stück vom angeblichen Transferkuchen von 7 Mio. Euro abbekommen. Laut Tagesanzeiger könnte der Wechsel dem FCS einen Betrag von 100 000 Franken aus dem Topf der FIFA-Solidaritätsbeiträge einbringen.

Das FIFA-Transferreglement nämlich besagt, dass Vereinen, die einen Spieler ausgebildet haben, einen Anteil von fünf Prozent an der Transfersumme zusteht. Schon 2007 beim Wechsel vom FC Zürich zu Udinese Calcio kam der FCS so in Genuss von 28 000 Franken. Nicht aber von Udinese nach Neapel: Bei Wechseln innerhalb desselben Verbands fällt kein Solidaritätsbeitrag an.

«Noch nichts von Leicester gehört»

Im aktuellen Fall liegt es nun an Leicester, innerhalb der nächsten 30 Tage die Ausbildungsclubs zu eruieren, Kontakt aufzunehmen und die Überweisung vorzunehmen: Bei Inler wären dies der FC Olten, der FC Solothurn und der FC Basel, die abhängig vom Spieleralter und der Zeitdauer einen Anteil des Solidaritätsbeitrags erhalten. «Wir haben bis jetzt von Leicester noch nichts gehört, warten jetzt aber die Zeit ab, bis sie uns kontaktieren», informiert FCS-Präsident Samuel Scheidegger auf Anfrage.

Er ist zuversichtlich, bald freudige Nachrichten zu hören: «Englische und deutsche Clubs sind besonders zuverlässig und nehmen es mit diesen Solidaritätsbeiträgen genau, da sie selbst darauf angewiesen sind.» Insgesamt rechnet er mit 1,5 bis 2 Prozent der Transfersumme. Die in den Medien genannte Transfersumme und die Zahlungsmodalitäten scheinen aus seiner Sicht aber noch nicht gesichert.

Nach dem aktuellen Jahresgewinn von 95 000 Franken und nach den auf 64 000 Franken geschrumpften Schulden setzt der erhoffte zusätzliche Geldsegen noch eins obendrauf. «Es wäre gut, mit dem Solidaritätsbeitrag soweit sinnvoll die verbleibenden Schulden abzubauen. Den Rest werden wir zurückstellen. Es gibt immer Zeiten, in denen man froh ist, etwas auf der hohen Kante zu haben», so Scheidegger.

Warten Anleger auf ihre «Rendite»?

Ein Wehmutstropfen bleibt in Form einer Altlast bestehen: So hatte man sich schon in finanziell angespannteren Vereinsjahren um grosse Beträge aus dem FIFA-Solidaritätstopf bemüht – vergeblich. Hätte Inler nämlich schon damals von Udinese statt nach Napoli in einen verbandsfremden Club gewechselt, wären möglicherweise ebenfalls schon 100 000 bis 120 000 Franken nach Solothurn geflossen. Um die Löcher in der Vereinskasse anderweitig zu stopfen, berief sich der Club vor rund sieben Jahren unter der damaligen Führung von Präsident Robert Beer auf eine besondere Strategie.

Private Geldgeber innerhalb der Vereinsreihen wurden gesucht und gefunden: Flösse nun durch einen künftigen Transfer des Hoffnungsträgers und FCS-Juniors Inler Geld in die Kasse, so würden die Sponsorgelder rückvergütet und mit einem zusätzlichen Drittel des Betrags entschädigt. 45 000 Franken spendeten die damaligen «Anleger», 15 000 Franken «Rendite» stünde ihnen zu. Die noch heute bestehenden «Anleihen» müsste der FC nun also begleichen, sowie die angekündigten «Renditen» ausschütten.

Dem FCS-Präsidenten waren solche Verpflichtungen auf erstmalige Anfrage hin nicht bekannt. Weitere Abklärungen ergaben nun, dass einzelne Beträge zurückgestattet oder durch andere Abmachungen mit den Geldgebern abgegolten wurden. «Wir müssen nun abklären, ob noch Vereinbarungen von damals vorliegen», so Scheidegger.

Meistgesehen

Artboard 1