Stadtbummel
In unserer schönen kleinen Blase

Der Stadtbummel nimmt den Kehricht unter die Lupe und wagt einen Blick über den Tellerrand nach Burgdorf.

Lucien Fluri
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Die Altstadt Burgdorfs: Wunderschön, aber am Nachmittag fast ausgstorben.

Die Altstadt Burgdorfs: Wunderschön, aber am Nachmittag fast ausgstorben.

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Geblendet. Manchmal lässt man sich einfach blenden. Ich war schon unten an der Haustüre, als ich kehrtmachte, um oben den Kehricht zu holen. Überall standen die mausgrauen Säcke schon in der Gasse, nur ich hatte mal wieder ... Treppe rauf, Treppe runter. Kehricht deponiert. Erst als ich weit weg vom Haus war, dämmerte mir langsam, dass es halt doch ein Tag zu früh war. Aber wenn so viele ihren Müll schon am Sonntagabend deponieren, lässt man sich halt blenden. Auf Facebook nennt man dies Bubble, eine Filterblase Gleichgesinnter, in der man sich bewegt und von aussen nicht mehr so viel mitbekommt. Die ganze Altstadt ist halt so ein wenig eine Bubble. Unsere kleine Filterblase, die sich derzeit aber fast zu spalten droht. Jedenfalls wenn es ums Nachtleben geht. Da gibt es schon zwei Bubbles: Hier sehe ich auf Facebook viele meiner «Freunde», die auch nach 2 Uhr noch seelenruhig ein Bierchen trinken möchten. Dort sehe ich viele Leserbriefschreiber, die strikte Ruhe wollen. Wir leben in der gleichen Stadt, aber in unterschiedlichen Welten, denke ich manchmal.

Doch bleiben wir beim Müll. Auch der Ghüder hat Spaltpotenzial. Zu beobachten in der Hinteren Gasse. «Geschätzter Schützer von Recht und Ordnung der Stadt Solothurn», las ich dort auf einem Plakat an einer Haustüre. «Ich danke dir herzlich für die 3 Plakate, die du mir an die Eingangstüre geklebt hast. Du hast mich, sowie sämtliche Passanten, darauf hingewiesen, dass ich der Einzige sei, der nicht begreife, dass die Müllabfuhr dienstags komme und ich meinen Hausmüll nicht schon Tage vorher rausstellen soll», hiess es. Doch der arme Angeprangerte war unschuldig, wie er beteuerte. «Leider kann ich den Skandal nicht aufklären, da du den Weg des anonymen, öffentlichen Anprangerns gewählt hast. Liebe Grüsse, der Beschuldigte, der sich die Mühe gemacht hat, Kontakt zu dir aufzunehmen»: so endete das Plakat. Ein Versuch, in die andere Bubble einzudringen.

Das lehrt uns doch, dass wir über andere nicht schlecht reden sollten. Aber tun wir es doch kurz. Verlassen wir unsere Bubble Solothurn. Reden wir über Burgdorf. Waren Sie schon mal in der Altstadt dort? Wunderhübsch, wie Solothurn. Aber samstags um 15.30 Uhr fast schon tot. Die vielen kleinen Läden sind zu. Grosse gibt es nicht mehr. Aber fertig Geläster; de mortuis nil nisi bene – über Tote soll man nur Gutes erzählen, heisst es in der toten Sprache Latein. Ein kleiner Hinweis für alle, die Solothurn l(i)ebenswert erhalten möchten.

Einige sind jetzt sicher überzeugt, dass ich hier Müll hingestellt habe. Aber eines kann ich Ihnen versichern: Dieses Mal lag ich nicht falsch, zumindest mit dem Wochentag.