Stadtführungen

In der Stadt Solothurn sind in jedem Winkel hunderte Geschichten verborgen

Historiker Erich Weber (r.) als Tourguide in die ereignisreiche Vergangenheit der Jubilarin Solothurn.

Historiker Erich Weber (r.) als Tourguide in die ereignisreiche Vergangenheit der Jubilarin Solothurn.

Die zum Jubiläumsjahr lancierten Stadtführungen laden zur Zeitreisen ein: zum Vicus Salodurum ebenso wie ins industrielle Solothurn.

Das am 1. Januar eingeleitete Jubiläumsjahr zur Stadtgeschichte von Solothurn ist reich an Veranstaltungen, die für jede Frau und jeden Mann etwas zu bieten haben. Dazu gehören auch Stadtführungen. Wer eine solche einmal besucht hat, weiss, dass in jedem Winkel und hinter jeder Fassade hundert Geschichten verborgen sind.

Von der Zeit, als die Römer auf dem Weg von Aventicum nach Vindonissa eine schmale Stelle der Aare nutzten, um eine Brücke zu bauen und ihnen die vom Rhonegletscher hinterlassene Moräne entgegenkam, bis hin zur Stadtentwicklung im Mittelalter und zum Industriezeitalter gibt es viel über Solothurn zu erzählen. Das tat Blumenstein-Konservator Erich Weber während eines anderthalbstündigen Probelaufs, an dem 25 begeisterte Stadtführerinnen und Stadtführer von Solothurn Tourismus teilnahmen. Die meisten davon haben sich bereit erklärt, die geplanten, öffentlichen Führungen im Jubiläumsjahr unter dem Titel «2000 Jahre Solothurn» durchzuführen. Geplant sind 14 Führungen, wovon jeden Monat eine und im Sommer deren zwei. Gruppen wie Vereine, Firmen und Privatpersonen haben die Möglichkeit diese zu einem beliebigen Zeitpunkt zu buchen.

Die Liste der römischen Spuren ist lang

«Vieles was wir heute kennen, basiert auf Vermutungen und liegt teilweise im Dunkeln, aber wir wissen dank archäologischen Funden und Dokumenten dass Solothurn eine alte Stadt ist», erklärte Erich Weber und blickte dabei vom Kreuzacker über die Aare, wo an der Löwengasse die ominöse Tonscherbe gefunden wurde, deren Stempel für die Datierung der Stadt und das Jubiläumsjahr ausschlaggebend war. Tonwaren dieser Art stammten aus Norditalien und eroberten ab 40 v. Chr. nördlich der Alpen die römischen Haushalte.

Die Liste der Spuren, die die Römer in Solothurn hinterlassen haben, ist lang. Vom kleinen Dorf, dem Vicus, der sich allmählich entwickelte und später abgerissen wurde, um dem Castrum mit einer drei Meter dicken Mauer Platz zu machen, ist einiges übrig geblieben. «Immer wenn man in Solothurn ein Loch gräbt kommt Römisches zum Vorschein», sagte Weber mit einem Lächeln im Gesicht. Diese Funde konzentrieren sich nicht nur auf das Altstadtquartier an der Aare, sondern auch auf den Friedhofplatz, wo Römisches mit Mittelalterlichem verschmelzt. Zentral die Stephanskapelle, an deren Stelle eine Bauinschrift auf einen Jupitertempel hinweist. Gestiftet wurde die Kapelle vom fränkischen Königtum, das hier einen Stützpunkt aufbaute und Solothurn an der europäischen Machtpolitik teilhaben liess.

Die düsteren Seiten der Solothurner Geschichte

Ein trauriges Kapitel rund um Solothurn, das selten thematisiert wird, griff Erich Weber an der Judengasse auf, wo sich Juden bereits im 13. Jahrhundert niedergelassen hatten. Siebzig Jahre später wurden sie für die Pest verantwortlich gemacht und verbrannt. Ihre Häuser wurden vernichtet und machten später neuen Platz.

«Einen schweren Stand hatten die Neugläubigen in Solothurn, die sich Martin Luther anschlossen» leitete Erich Weber vor der Franziskanerkirche zu einem anderen Thema über. Diese gelangte in den Besitz der Anhänger des neuen Glaubens, nachdem sämtliche Mönche des Franziskanerordens zum neuen Glauben übergetreten waren. Mit der Reformbewegung nichts am Hut hatten dagegen die Katholiken. Zu eng waren die Beziehungen zum ansässigen Ambassadeur und zur französischen Krone. Zu einträglich auch das Soldwesen, das die Kassen füllte, wie Erich Weber berichtete.

Als sich Solothurn der Schanzen entledigte

Lohnenswert im Solothurner Jubiläumsjahr 2020 wird es zudem sein, sich ein bisschen mit der Schleifung der Schanzen auseinanderzusetzen. Nur weisen Köpfen ist es zu verdanken, dass uns die St. Ursenbastion erhalten geblieben ist, so der Historiker Weber. Denn der allgemeinen Tendenz, die Stadt von der einengenden Befestigung zu befreien, konnte sich auch Solothurn nicht verschliessen. Leicht fiel es den Stadtvätern nicht, standen die Schanzen doch unter der Hoheit des Kantons. Der Kaufbetrag, den die Stadt Solothurn dem Kanton zu entrichten hatte, war schliesslich so hoch, dass es für das Turnschänzli nicht mehr reichte und dieses schweren Herzens ebenfalls abgebrochen werden musste.

Mit interessanten Details über die Schanzmühle, wo einst Getreide gemahlen und später erfolgreich Schrauben fabriziert und in die ganze Welt verkauft wurden, leitete Erich Weber zum Schluss ins Industriezeitalter über. «Früher war Solothurn eine blühende Industriestadt, heute steht die Dienstleistung im Vordergrund.» Und: «Man ist sich viel zu wenig bewusst, dass ohne diese Epoche Solothurn ganz anders aussehen würde.»

Die erste öffentliche Führung findet am Mittwoch, 15. Januar 2020, 16 Uhr statt. Mehr über das Programm erfährt man bei Solothurn Tourismus oder unter www.solothurn-city.ch unter «Stadtführungen».

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1