Rarer Tropfen
In den Solothurner Bürgerwein kommen jetzt auch Walliser Trauben

Nach dem verheerenden Unwetter im Juni ist die Stimmung zur Erntezeit gedrückt. Der Solothurner Bürgerwein 2013 ist ein rarer Tropfen. Um Nachschub liefern zu können, müssen sogar Trauben aus dem Wallis zugekauft werden.

Katharina Arni-Howald
Drucken
Teilen
Das Trüelhaus der Domaine de Soleure in Le Landeron
7 Bilder
Die Fahnen verweisen auf Solothurner Rebbesitz
Reben der Domaine de Soleure
Noch immer sind die Hagelschäden vom Juni her gut erkennbar
Produktionsleiter Christoph Kaser
Die Tanks waren auch schon besser gefüllt
Rebgut Domaine de Soleure in Le Landeron

Das Trüelhaus der Domaine de Soleure in Le Landeron

Hanspeter Bärtschi

Die Betriebsführung und Bewirtschaftung liegt seit 16 Jahren in den Händen von Christoph Kaser. Zurzeit hat der Önologe nicht viel Erfreuliches zu berichten. Das Unwetter vom 20. Juni hat nicht nur am Eidgenössischen Turnfest in Biel, sondern auch in den Rebbergen der Bürgergemeinde Solothurn grossen Schaden angerichtet (wir berichteten). «Ich bin total schockiert. Es ist alles viel schlimmer, als ich gedacht habe», sagt Kaser am letzten Tag der fünftägigen Haupternte, die normalerweise zwölf Tage dauert. Der Ausfall sei höher als die geschätzten 80 Prozent. Und was die Erntedauer betreffe, seien fünf Tage für die geringen Erträge sehr lang gewesen.

Das Rebgut war vor 550 Jahren ein Erbe des Schultheissen

Bei den freundschaftlichen Beziehungen zwischen Le Landeron und Solothurn spielt auch die Weinkultur eine wichtige Rolle. Schon vor der Unterzeichnung des Freundschaftsvertrages 1449 war das Bürgerspital Solothurn Besitzerin von Reben im Gebiet von Le Landeron.

Durch Schenkungen kam das Spital als Teil der Bürgergemeinde immer wieder in den Besitz von Reben am Bielersee. Diese gehörten reichen Solothurner Familien, bei denen es zum guten Ton gehörte, Rebgüter im Welschland zu besitzen. Ein grosser Teil der heutigen «Domaine de Soleure» war im Besitz des kinderlosen Schultheiss Niklaus von Wengi dem Älteren, der 1466 in seinem Testament das Bürgerspital Solothurn als Haupterbin einsetzte. Gleichzeitig verfügte er, dass den Patienten täglich ein Mass Wein (1,5 Liter) zu reichen sei - ein Brauch, der bis ins 20. Jahrhundert, wenn auch moderater, erhalten blieb. Obwohl im Laufe der letzten 550 Jahre durch Käufe und Verkäufe und in neuerer Zeit auch durch Güterzusammenlegungen Veränderungen erfolgten, blieb die Gesamtfläche erhalten oder konnte gar erhöht werden.

Die Fässer mit Traubenmost wurden früher über den See und die Aare auf Flossen und Nauen nach Solothurn transportiert. Weil der Most auf der langen Reise zu gären begann, war die Mannschaft nach zwar verbotenem, aber doch ausgiebigem Genuss bei der Landung in Solothurn oft ziemlich betrunken. Bis in die heutige Zeit hat sich deshalb in der welschen Schweiz das geflügelte Wort «Il a chargé pour Soleure» oder «Il est sur Soleure» erhalten.

Das Rebgut umfasst heute rund 11 Hektaren Rebland in La Neuveville, Le Landeron, Cressier, Auvernier und Colombier. Dazu werden noch gegen 100 Aren in Pacht bewirtschaftet. (ka)

Die nur 10 statt wie üblich 16 polnischen Gastarbeiter hätten von morgens um acht Uhr bis zum Einnachten bei Hudelwetter gearbeitet. «Die Trauben waren sehr klein, und es brauchte viel Zeit, um sie zu ernten», berichtet Kaser. Und konkretisiert: «Es war eher ein Sammeln statt ein Ernten.» Am schlechten Ergebnis trage aber nicht nur das Unwetter Schuld. Auch die schlechte Blüte, die erst nach dem Hagel eingesetzt habe, hätte ihren Teil dazu beigetragen.

Ein Blick auf die Rebstöcke zeigt, dass das Fruchtholz durch die Hagelkörner stark beschädigt wurde. Erfreulich ist dagegen, dass die Wunden am Stock verheilt sind und dieser keine fundamentalen Schäden aufweist.

Doch Kaser macht sich nichts vor: «Wir müssen jetzt in einem 3-Jahres-Rhythmus denken und das nächste Jahr abwarten.» Wichtig sei, eine gute Basis zu schaffen, damit im übernächsten Jahr richtig geschnitten werden könne. Dass es auch im nächsten Jahr noch Ausfälle geben könnte, schliesst der Önologe nicht aus.

Und was lässt sich zur Qualität des Jahrgangs 2013 sagen? Kaser winkt ab: «Dazu möchte ich mich noch nicht äussern, zuerst wird nun vinifiziert und dann schauen wir.» Schliesslich wagt er doch eine Prognose: «Ich glaube es gibt einen aromatischen, spritzigen und eleganten Jahrgang.» Trotz eines absoluten Tiefpunktes im Berufsleben lässt er den Kopf nicht hängen: «Es gibt Dinge im Leben, die man nicht beeinflussen kann. Man muss sie einfach akzeptieren.» Und: «Es gibt keine Patentlösung für diese Situation.»

Neu «Cave de Soleure»

Wie aber sieht die Situation für Bürgergemeindepräsident Sergio Wyniger aus? «Es ist klar, dass sich die Missernte auf unser Budget auswirken wird, aber wir müssen in die Zukunft blicken», beruhigt auch der Bürgergemeindepräsident. Um den Nachschub vor allem für die Gastbetriebe sicherzustellen, müsse die Bürgergemeinde Trauben wie Traubenmost zukaufen und im eigenen Betrieb vinifizieren und abfüllen. Dieser Wein dürfe aber nicht unter dem Label «Domaine de Soleure» verkauft werden.

Diese Bezeichnung sei nur für Trauben aus dem eigenen Weingut zugelassen. Der mit fremden Trauben gekelterte Wein werde deshalb unter dem Label «Cave de Soleure» verkauft. Betroffen seien vor allem Halbliterflaschen, die vom Gastgewerbe bevorzugt würden. Eines steht aber bereits fest: Die Bürgergemeinde Solothurn wird im nächsten Jahr gewisse Produkte nicht oder nur limitiert im Sortiment haben.

Aktuelle Nachrichten