Durchtrainiert, sportlich gut aussehend. So lassen sich Jakup und Michael beschreiben. Zwei sympathische, junge Männer aus dem Baselbiet, die an diesem Wochenende erstmals durch die Solothurner Altstadt spazierten. Ihre leuchtend roten Westen fielen aber noch viel mehr auf als die knackigen Bizepse, die darunter hervorguckten. «Ig ha Sorg zu üsere Stadt! Und Du?» Der Leitsatz auf der Uniform verriet, dass Jakup und Michael eine der zwei ersten Patrouillen bildeten, die am Wochenende in Solothurn mit ihrer Präsenz für mehr Anstand und Respekt im Ausgang sorgen sollten.

Die beiden Männer strahlen eine gewisse Gelassenheit aus, wenn sie angesprochen werden. Im «Barock» will zum Beispiel Yannick Reinhard für ein Schulprojekt wissen, wie so ein Einsatz aussieht und ob die vielen angetrunkenen Leute keine Probleme bereiten. Jakup und Michael antworten besonnen und respektvoll, auch bei kritischen Fragen. Was denn der Schlagstock und der Pfefferspray am Gürtel sollen, wollte im Landhaus eine empörte junge Frau wissen. Die seien nur für die Selbstverteidigung im Notfall da, erklärt Michael. «Wenn es nötig sein sollte, werden wir die Polizei rufen, wir werden nicht selber eingreifen.»

Nichtstun ist oft die beste Option

Dann die erste Bewährungsprobe für die Patrouille: Ein in der Stadt bestens bekanntes Original torkelt den Stalden hinauf und stellt eine Flasche mitten auf die Strasse. Jakup und Michael machen langsam ein paar Schritte auf den drogenkranken Mann zu, entscheiden dann aber, nicht einzugreifen. Sie erkennen, dass der Mann harmlos ist. Der richtet seine viel zu grosse Hose, nimmt die Flasche wieder in die Hand und torkelt weiter.

Dann gleich der nächste Test: Kurz vor Mitternacht zündet jemand auf der Wengibrücke eine Serie Böller und einen Zuckerstock. Offensichtlich eine Protestaktion gegen die zwei Patrouillen, insgesamt drei Männer und eine Frau, die gross mit «Ruhe und Ordnung» angeschrieben sind. Drei Personen, die sich als Teil der «Jungen Solothurner Linken» bezeichneten, regten sich über die Machtdemonstration der Stadt auf – doch öffentlich mit dem Namen zu seiner Meinung stehen will niemand.

Die Aktion bringt eine durchzogene Bilanz

«Ich bin überzeugt von diesem Projekt, es soll den Jungen helfen, den rechten Weg einzuschlagen», sagte Lea Jaussi, Betriebsleiterin im Salzhaus, nach dem ersten Besuch einer Patrouille. «Die beiden haben eine gute Ausstrahlung.» Sie erhoffe sich zum Beispiel, dass dank der Patrouillen weniger Joints auf dem Aaremürli gleich vor dem Restaurant geraucht werden.

«Die Gastrobetriebe und die Bevölkerung reagieren sehr positiv auf unser Wirken», zog auch Nino Hafner, Geschäftsführer der Pantex AG, ein positives erstes Fazit. «Wir wollen keine Spassbremsen sein, im Gegenteil. Wir wollen dazu beitragen, dass sich in Solothurn alle Leute ohne Probleme vergnügen können.»

Hafner verschwieg nicht, dass es in der Nacht von Freitag auf Samstag Probleme gegeben hatte: «Am Landhausquai reagierten etwa um 2.30 Uhr rund zehn angetrunkene Personen negativ auf unser Auftreten, indem sie sich gegen sie formierten. Unser Personal versuchte, den Dialog zu suchen, stiess aber auf eine grundsätzlich ablehnende Haltung gegen Autorität und Uniformen. Die Polizei wurde beigezogen, die zwei Personen angehalten hat.»

Beschimpft als «blöde Weihnachtsmänner»

Am Samstagmorgen hing ein Manifest mit der Aufschrift, «Rue de Blamage, scheiss auf Nachtruhe» am Geländer der Wengibrücke. Nach wenigen Minuten fuhr eine Streife der Polizei vor und räumte das Plakat wieder weg. Und so fällt die Bilanz des ersten Wochenendes durchzogen aus. Die kleine Ecke in der Fischergasse gleich beim Stadttheater wurde trotz Patrouille wie immer als Strassenpissoir missbraucht.

Als «blöde Weihnachtsmänner» wurden Jakup und Michael aufgrund ihrer roten Uniformen beschimpft – und das waren noch die harmloseren Bezeichnungen, die sie ignorieren mussten. Auch unter den zivilisierten Partygängern störten sich viele an den Schlagstöcken und den Pfeffersprays, die an den Gürteln der Patrouillen zu sehen waren. Und viele stellten ganz einfach die Frage, ob es denn nicht die essenzielle Aufgabe der Stadtpolizei ist, an einem solchen Abend an der Partymeile Präsenz zu markieren und für Ordnung zu sorgen.