Solothurn

Einige besonders bäumige Betrachtungen zur Baumlandschaft

Ein «Exo-Tick» pur vor dem Baseltor.

Ein «Exo-Tick» pur vor dem Baseltor.

Ist Solothurn eine Bananenrepublik? Auf die Idee könnte kommen, wer vor dem Baseltor das Stadtmodell aus Bronze konsultiert. Denn dort erheben sich auf zwei blumigen Erdhügeln Bananenbäume, Pardon -palmen. Nein, der Gedanke ist naheliegender: Damit soll das südliche Flair der Ursenstadt unterstrichen werden. Hat doch die Kathedrale mit Gaetano Matteo Pisoni ein Tessiner aus Ascona erbaut. Aber die Bananenstauden haben wir doch in früheren Jahren schon einmal beim Soldatendenkmal gesehen.

Dort sind aber keine mehr. Dafür steht daneben noch einer der drei Mammutbäume der Stadt. Das wird so bleiben, auch im Fall des Falles, dass der andere im Blumenstein-Park nicht mehr zu retten ist. Über den Wert der Riesen aus dem vorletzten Jahrhundert gehen ja die Meinungen extrem auseinander: Als schnöder Neophyt von den Einen zum Umhauen freigegeben, wird er von andern als Öko-Oase mit allen Mitteln verteidigt. Das hat die Stadt zwar nicht unterstützt, dafür aber ihre eigenen zwei Bäume hinter
der Reithalle, einen Bergahorn und eine Rosskastanie, vor dem Ende durch den zuerst geplanten Reithallen-Anbau bewahrt. Beide sind halt keine Neophyten, ja der «Cheschtenebaum» galt lange sogar als ursolothurnisches HESO-Maskottchen.

Bäumepflanzen liegt im Trend

Zeitlebens hatte er sich für die Bäume in Solothurn gewehrt, obwohl sein Name dafür nicht gerade Programm war: Alex Oberholzer, Naturgarten-Pionier der Grünen. Diese haben für ihren verstorbenen Gemeinderat im Stadtpark hinter dem kleinen Brunnen eine Gedenklinde pflanzen lassen. Sie gesellt sich zu anderen Exemplaren im engsten Umkreis. Und irgendwann kommt der Tag, da es wohl nicht mehr Platz für alle hat. Denn wie mächtig Linden werden können, ist vor dem Kapuzinerkloster ablesbar.
Sie verströmen jetzt wochenlang ihren betörenden Blütenduft, die Linden. Auch deshalb hat der neue Naturförderverein Solothurn vor kurzem eine beim Bürgerspital gepflanzt. Prominent steht auch die mächtig in die Höhe geschossene Weide am Rötiquai beim H4-Hotel an der Aare. Sie wurde bereits 2008 vom inzwischen 82-jährigen Jahrgang 1938 gepflanzt. Irgendein Jahrgang – das Schild ist nicht mehr zu entdecken – hat neben dem Baseltor auch eine Eibe gepflanzt. Könnte der für Solothurn so wichtige Jahrgang der 55er gewesen sein. Aber das ist ja nicht so wichtig.

Ehret das einheimische Wachsen

Bäumepflanzen kommt aber in Solothurn gar nicht immer gut an. So sorgte die Neuanpflanzung von japanischen Schnurbäumen auf dem Dornacherplatz – eine Jubiläumsspende der Bürgergemeinde Solothurn – unlängst für Irritationen im Gemeinderat. Linden wie ehedem auf dem Schanzengürtel der Stadt oder in den alten Alleen, vielleicht Rosskastanien oder Ahorne, aber doch nicht japanische Schnurbäume!

So verlangte die SP mit Nachdruck, im Perimeter rund um die neu zu gestaltende Poststrasse nur einheimische Hölzer zuzulassen. Die Antwort aus dem Stadtbauamt auf die «Schnurbaum-Polemik» war so einfach wie einleuchtend: Man pflanze nur noch, «was au chunnt»! Denn das zunehmend heisser werdende Mikro-Klima der Stadt lasse leider oft bloss noch das Gedeihen von besonders robusten, halt exotischen Spezies zu. Von japanischen Schnurbäumen. Oder Bananenstauden. Ein Affenbrotbaum wäre auch noch ganz hübsch. Doch dafür musste es wohl noch einen Tick wärmer werden.

Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

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