Solothurn
Eine Solothurner Krippenidylle mit zwei Jesuskindern

Nun steht sie wieder aufgebaut in der Jesuitenkirche: die Ambassadorenkrippe des Museums Blumenstein. Dabei gibt’s das Jesuskind gleich doppelt.

Wolfgang Wagmann
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Die Ambassadorenkrippe in Solothurn ist bereit
7 Bilder
Die Weihnachtsgeschichte im Barockstil vor dem Seitenaltar
Erich Weber, Konservator des Museuems Blumenstein, packt einen Dragoner aus
Die kostbaren Gewänder wurden extra angefertigt
Die Ambassadorenkrippe in der Jesuitenkirche Solothurn
Viele Figuren bewölkern die Ambassadorenkrippe
Der Engel Gabriel verkündet Maria die baldige Geburt von Jesus

Die Ambassadorenkrippe in Solothurn ist bereit

Oliver Menge

52 Figuren umfasst das historische Ensemble in barockem Erscheinungsbild – so gehören höfisch herausgeputzte Damen in Reifröcken zur Entourage rings um das Jesuskind. Die meisten Figuren haben seit 2005 Götti und Gotten gefunden, die zwischen 300 und 900 Franken gesponsert haben – und damit vor allem ihrer Figur eine fachgerechte Lagerung in einer extra angefertigten Holzkiste erlauben. Dort bleiben sie elf Monate verborgen, bis sie die Adventszeit wieder ans Tageslicht, in die Seitenschiffe bringt.

Doppelt gemoppelt

Dass Hirten und Engel gleich mehrfach vorkommen, ist in einer Krippe nicht verdächtig. Doppelt gibt’s aber auch das Jesuskind, Maria und Josef. Was beispielsweise eine zweite Szene in einem vorderen Seitenaltar erlaubt: Mariä Verkündigung. Jener Moment, als der Engel Gabriel Maria verkündet, sie werde einen Sohn gebären. Daneben Josef, der dabei keine Rolle spielen sollte.

Aber auch die drei Könige, die gleich mit der Königen von Saba, aber auch solchen Exoten wie einem Dragoner in Solothurner Uniform aufkreuzen, sind unterschiedlich vorhanden. Teils zu Pferd, teils zu Fuss, wobei Kaspar in vier Varianten den Vogel abschiesst. Übrigens: Noch zu haben sin einige Figuren wie zwei Edelleute in braunem Jackett für jeweils 600 Franken, ein Edelmann mit weissem Jackett zum selben Preis, ein Soldat in Solothurner Uniform für 800 Franken.

Etwas günstiger wäre noch eine Dame für 500 Franken im Angebot. Weg sind dagegen Kamel und Esel – wenn auch die Götti oder Gotten anonym geblieben sind. Daran ändert auch nichts, dass das Trampeltier offiziell in der Liste als «Kamel mit Brokatdecke» geführt wird...

Wie sie entstanden ist

Die Ambassadorenkrippe ist eine Arbeit des Frauenklosters St. Joseph, die um die Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden ist. Jede Figur besitzt einen äusserst lebensecht wirkenden Wachskopf mit individuellen Gesichtszügen, echtem Haar und sorgfältig gearbeiteten Glasaugen.

Die mit ausgeklügelten Gelenken ausgestatteten Holzkörper sind sogar frei beweglich. Die reichen Kleider, die den Figuren ihre barocke Pracht verleihen, wurden in den 1920er-Jahren von Emilie Gunzinger und nochmals in den 1950er-Jahren von Schwester Clara mit historischen Paramentstoffen erneuert.

Die Ambassadorenkrippe ist täglich in der Jesuitenkirche noch bis am 6. Januar zu besichtigen.

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