Stadtbummel

Ein Narr, wer sich dabei Böses denkt

Eine rollatorgerechte Fussgängerzone sieht anders aus.

Eine rollatorgerechte Fussgängerzone sieht anders aus.

Der Weg ins neue Jahr liegt vor uns. Er ist steinig. Grien. Gelb und körnig, wie es sein muss. Aber nicht sein sollte. Es macht das Queren der Herrenweg-Kreuzung Richtung St. Niklaus nicht einfacher. Jedenfalls nicht für die reichlich vorhandene Nachbarschaft, die sich den Rest ihrer Bewegungsfreiheit tagtäglich mit dem Rollator erkämpft. Und Fussgängerstreifen gibts dort auch längst nicht mehr alle, da wir ja – nun dazu verknurrt - mit «Tempo» 30 Richtung Solothurn hötterlen. Die Velos nicht immer – aber dazu kommen wir später. Fest steht nur: Fussgänger*innen sind zunehmend das A. im Umzug. Der Grienstreifen am Herrenweg ist eine schöne Menge Puzzlesteinchen zur Beweisführung für diese Theorie. Aber eben, auch darauf kommen wir noch zurück.

Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert. Der Bundesrat werkelt gerade an solchen herum. Kinder sollen künftig auf dem Trottoir Velofahren dürfen, können, oder gar müssen? Bis zwölf. Dann nicht mehr. Kennst Du ein Kind, das an seinem 12. Geburtstag freudig von der Erkenntnis übermannt wird: «Wow, ab sofort fahr ich nur noch auf der Strasse! Jetzt bin ich ein ganz Grosser!» Nein, kennen wir nicht. Dafür ganz und gar Erwachsene, die schon lange so tun, als ob sie noch Kinder wären. Auch ohne Bundesrat. Wir bleiben dabei: Fussgänger*innen sind immer das A. im Umzug. Schuld daran sind unsere Gesetzgeber, die «Paragraffen». Ein weiser Jurist und Anwalt – er sammelt seit langem die berühmten drei Affen – meinte kürzlich an der «Couronne»-Bar: «Wenn ich einen Prozess verliere, dann immer, wenn ich auf den gesunden Menschenverstand setze.» So geht das. Oder eben nicht.

Weg mit den düsteren Gedanken. Solothurn ist wieder blutt. Ohne Biirli-Zauber, Tannenlichter und Kunstschnee. Jungfräulich. Parat für die Narretei. Für diese allerdings ist der gesunde Menschenverstand kein Qualitätsmerkmal. Ganz im Gegenteil. Was durchaus seine positiven Seiten hat. Denn zumindest zweimal im Februar ist nämlich der oder die Fussgänger*in auf dem harten Pflaster der veloverrückten, ja veloverseuchten und deshalb freigegebenen Innenstadt nicht mehr das A. im Umzug. Sondern ein Narr. Wie das ganze Jahr schon. Gut, jetzt ist das Ganze ein bisschen schwierig geworden. Macht nichts. Es gibt halt manchmal so Stadtbummel – zum Auf- und davonlaufen. Aber das geht mir am A. vorbei.

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