Am Samstag eröffnet das Stadttheater mit der Premiere des Schauspiels «Victor oder Die Kinder an der Macht» von Roger Vitrac unter der Regie von Katharina Rupp die neue Theatersaison. Die Titelrolle spielt Tom Kramer. Der junge Schauspieler war schon letzte Saison in verschiedenen Produktionen zu sehen und wohnt seit dem 1. Juni in Solothurn an der Schmiedengasse. Wir haben mit ihm vor der Premiere gesprochen.

Wie sind Sie von Hamburg nach Solothurn gekommen?

Tom Kramer: Eigentlich wollte ich Hamburg nicht verlassen. Als jedoch ein guter Freund in Bern studierte, habe ich ihn besucht. Da hat es mir auf Anhieb so gut gefallen, dass ich beschloss, meine Schauspielausbildung in Bern zu machen. Nach dem Studienabschluss hatte ich ein Casting bei Katharina Rupp. Bald haben wir gemerkt, dass es für uns beide passt. So bin ich nach Solothurn gekommen.

Gefällt es Ihnen denn überhaupt in Solothurn?

Ich habe mich noch nicht ganz eingelebt, da ich die meiste Zeit im Theater verbracht habe. Viele Ecken der Stadt kenne ich noch nicht. Trotzdem, ich geniesse das Leben hier mit Baden in der Aare und joggen im nahen Wald. In der Stadt-Atmosphäre fühle ich mich wohl und das kulturelle Angebot ist gross.

Hatten Sie schon immer den Wunsch, Schauspieler zu werden?

Als kleiner Junge wollte ich eigentlich Archäologe werden. Mit der Zeit verlagerte sich aber mein Interesse von den Knochen und den Dinosauriern zum gestalterischen Leben im Jetzt und ich habe viel gezeichnet. Wenn ich jetzt nicht Schauspieler geworden wäre, hätte ich mich wohl mit der Malerei auseinandergesetzt. Durch eine Bekannte bin ich in den Jugendclub des Schauspielhauses Hamburg gelangt. Das führte zu ersten Auftritten auf der grossen Bühne. In «Romeo und Julia» war ich Teil einer jungen Meute. Es gibt noch weitere Absolventen dieses Jugendclubs, die heute Schauspieler sind.

Neben dem Schauspielhaus Hamburg ist ja unser Theater sehr klein. Ist das ein Problem für Sie?

Die Grösse des Hauses ist nicht wichtig. Für mich müssen die Inhalte stimmen. Deshalb finde ich es mit seinem vielfältigen Spielplan richtig für mich. Besonders freut mich, dass das Publikum alle Aufführungen, auch die eher experimentellen, akzeptiert und geniesst.

Was reizt Sie am Schauspieler-Sein?

Dass ich von der Bühne aus Werte vermitteln und Mitgefühl erzeugen kann. Dass das Miteinander immer wieder ausgelebt werden kann. Ich kann in meiner Arbeit sowohl das Gegenüber entdecken als auch mich selber. Dabei darf nicht vergessen werden, dass die Gestaltung einer Rolle harte Arbeit bedeutet.

Wie ist Ihre Gefühlslage wenige Tage vor der Premiere?

Es ist eine Wahnsinnsrolle. Ich spiele ein Geniekind, das letztendlich an seinem Umfeld zerbricht. Als Möglichkeit, aus der Konvention zu entfliehen, entscheidet es sich für den Wahn. Es ist meine erste Titelrolle und ich bin entsprechend gefordert. Aber wenn ich keine Herausforderung hätte, wäre es mir bald langweilig. Deshalb freue ich mich auf die Premiere.